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Zwei Stunden schlapplachen über “Männer ohne Nerven”

Nee Leute, was haben wir gelacht gestern. Über “Männer ohne Nerven”, das neue Programm von Knebels Affentheater. Wer´s heute noch vor sich hat, wird japsend im Stuhl hängen und sich zwei Stunden scheckig lachen. Was für´n Spaß, Kinder!

Zwei Abende hintereinanderweg die Stadthalle blickdicht zu füllen ist ja nun schon eine Leistung, doch die bekannteste Rentnerband der Republik macht sich ja auch nicht das erste Mal auf Unnas Bühne zum Affen. Folglich gluckst die Fundi-Knebelgemeinde bereits albern herum, als auf der stockdunklen Bühne noch gar nichts zu lachen ist. “Aus dem Korsett des Alltags werden Männer ohne Nerven ausbrechen…!!” – Tatarata, hier sind sie, Ernst, Ozzi, Trainer und eben Herbert, der in den Witzchen seiner Bandkollegen schon in den ersten 30 Sekunden neben seinem altbackenen Röhrenradio selig wegratzt. “Ihr habt aber auch ´n Sermon erzählt.. erst sind mir die Füße eingeschlafen, und dann hat sich der Rest nahtlos angeschlossen.”

Wenn das Publikum bereits nach vier Minuten japsend in den Stühlen hängt und sich noch vor Ablauf der ersten Viertelstunde schreiend wegschmeißt, hat der Künstler, haben die Künstler irgendwie entschieden was richtig gemacht. “Männer ohne Nerven” dürfte auf den Bühnen der Republik ein Selbstläufer werden, über weite Strecken ist der neueste Sermon des Affentheaters zum Schreien witzig und kommt praktisch ohne Durchhänger aus. Kommt dafür sehr musiklastig daher, und das kann nur zusätzlich erfreuen, denn Musik können die schrägen Rentner genauso brillant wie Comedy. Uwe Lyko ist seit Kurzem 60 und damit so alt, wie seine Bühnenfigur schon immer war; noch immer haben er und seine Kapellenkollegen selbst Gaudi an ihrem Sermon und lachen sich über ihre eigenen Zoten scheckig, worüber sich wiederum die Zuschauer schräglachen. Ja, so muss das sein an einem Knebel-Abend.

Man muss kein Knebel-Fundi sein, um sich über “Männer ohne Nerven” schief zu lachen. Mindestens drei Nummern haben das Zeug zum Bestseller: Im Schwimmbad, beim Inder Ghandi und beim Sandalenkauf im Schuhgeschäft. In allen drei Nummern spielt Herberts Gattin Guste die (leid-)tragende Paraderolle: Wie Herbert sie im Schwimmbad aus einer bescheuerten Laune heraus ins Wasser schmeißt und die Gute im brusthohen Wasser beinahe absäuft. Bademeister: “Kann die schwimmen?” Herbert: “Na, da gehe ich doch mal schwer von aus!” Tja, die Ehe ist eine lebenslängliche Wundertüte, und die gute Guste hat noch nicht mal das Seepferdchen. Noch genialer die Nummer im neuen indischen Restaurant “beim Ghandi”: Ein “kurzer Moment der Gier” der guten Guste rettet Herbert “vermutlich das Leben”, nämlich jener Moment, als sie gierig über den Tisch langt und ihre Gabel in Herberts frisch serviertes Lammcurry spießt: Zur Wahl standen “scharf”, “sauscharf”, “unheimlich scharf” und “auf besonderen Wunsch; “unglaublich scharf”. Herbert nahm sauscharf. Und kann jetzt seine Gattin fasziniert dabei besichtigen, wie sie anläuft wie eine Lavalampe, ständig die Farben wechselt und Rauch aus ihren Ohren wabert. Bis sie auf Ex gleich ihr Kölsch und sein Himalayapils noch gleich hinterher runterschüttet, auf dem Boden zu einem Labroador robbt, den Riesenhund beiseite kickt und seinen Wassernapf in einem Zug leersäuft.

Was kann jetzt noch kommen? Thematisch passend die Ode an die Currywurst, womit Grönemeyers Fast-Food-Ode ab sofort ernste Konkurrenz hätte. “Phosphatgeschoss, du machst mich geil… Fleisch im Darm, du hast viel Charme… Currywurst, du bist gesund, du machst mir die Rosette wund….” Tränen gelacht, Schenkelklopfen! Darauf später ein Phosphatgeschoss in Curry, was sonst! Pausenlos rocken die Senioren ohne Nerven die Bühne, mit höchst komisch vertexteten Rock- und Bluesklassikern. Einige Besucher finden schon in der Pause: Die Musiklastigkeit ist mit das Beste am neuen Programm. Im zweiten Teil folgt ein weiterer künftiger Evergreen – jede Wette, es wird ein Evergreen: Herberts Sandalenkauf im Schuhgeschäft mit zwölf Kugeln Schokoladeneis im Hörnchen auf der Faust. Die gehen auf der schicken weißen Auslegware sachte den Weg alles Irdischen, bzw. sie werden gegangen, unter anderem “von einer Oma in orthopädischen Stilettos”, die quer durch die braune Soße latscht…der Schuhverkäufer brüllt im Finale des Fiaskos “Rrrauus!!”, und Herbert latscht mit seinen neuen Sandalen an den Füßen raus und freut sich, dass die so gut sitzen. Ein Brüller, ganz wie ihn die Knebeljünger erwarten.

Geht da noch was? Ja, da geht noch was: Die Rentnerband spielt Stadt-Land-Fluss, und ausgerechnet Trainer, das schlichte Gemüt, schockt alle beim Buchstaben X als Intelligenzbestie. So viele klassikerverdächtige Nummern sind dabei – Herberts alternative Senioren-WG, mit schultütengroßen Haschtüten, für die der Rollator als mobiler Aschenbecher herhalten muss. “Plötzlich steht die Polizei in der Tür. Ham wir uns mal eben alle kurz tot gestellt. Da sind die gleich beruhigt wieder abgezogen.” Oder die “Juckbox”-Nummer in der Eisdiele mit dem Schwarzwaldbecher und Pinocciobecher oder enthemmter Sirtakitanz im hemmungslosen Stilbruch zum Purple-Klassiker “Child in Time” – “aaahhh ahhhaa ahhhha”, so grausig schön jaulen sie herum! Und mittendrin hebt Trainer die Trommelstöcke: “… äh Hebbet, hast du meine Autoschlüssel gesehen?” – “Na dich hamse wohl innen ganz dicken Pullover gesteckt!! Mitten inne Exstase…!!!” Na und die Zugabe erst: mit Herbert im weißen Glitzer-Elvis-Kostüm, hauteng natürlich und klar, sauscharf. Zweimal kommen sie noch wieder, Herberts Männer ohne Nerven, bedanken sich und verbeugen sich strahlend: “Wie immer ein tolles Publikum hier!” Männer ohne Nerven, heute abend nochmal. Könnte man sich gleich nochmal reinziehen. Zur Erinnerung: Es gibt noch Restkarten!

(Silvia Rinke)

 

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