Rundblick-Unna » Zwei Stunden märchenhafte, flirrend bunte Zauberwelt: 40 junge Musicalkünstler begeistern in „Oz“

Zwei Stunden märchenhafte, flirrend bunte Zauberwelt: 40 junge Musicalkünstler begeistern in „Oz“

„An solchen Abenden weiß man, warum es sich lohnt, für die Lindenbrauerei zu kämpfen.“ Dies sagte mit leuchtenden Augen Bürgermeister Werner Kolter, der im ausverkauften Kühlschiff zusammen mit rund 210 weiteren Premierenbesucher am Freitagabend einem Ausnahmezustand beiwohnte.

Ganz profan lag das schon daran, dass man das Kühlschiff beim Eintreten kaum wiedererkannte: Bis auf die Mitte der Tanzfläche zog sich ein Laufsteg, eine Art Podest. Hinter der Bühne spannte sich eine Riesenleinwand, auf der sich ein Großteil der märchenhaften Zauberwelt-Kulisse abspielte. Und auf der Bühne – tja: Dort zündeten 40 junge Tanz-, Gesangs- und Schauspieltalente zwei Stunden lang eine Farb- und Klangexplosion vom Allerfeinsten ab – Spielfreude pur, tolle Songs, temporeiche Tänze, famose Stimmen – einfach eine hinreißende Muscialdarbietung.

Oz

Die ältesten Darsteller sind 20, die jüngsten gerade mal 12. Sie alle tummeln sich fantastisch, witzig, schrill und kunterbunt kostümiert im wohl berühmtesten Märchen Amerikas: „Oz“, das für dieses Musikspekatakel frei nacherzählt und reizvoll mit neuen Songs aufgepeppt wird.

Die an diesem Wochenende umjubelte Premierenaufführung ist zugleich Premiere des Jugendmusicalprojekts „Freie Wildbahn“: Für dieses haben sich unter Federführung des Theaters Narrenschiff fünf Kooperationspartner zusammengeschlossen, nämlich das Kulturzentrum Lindenbrauerei, der Kulturbereich der Stadt Unna, die VHS, die Werkstatt im Kreis Unna und eben das Narrenschiff; dessen Kapitän André Decker hat „Oz – Das Jugendmusical für Unna“ gemeinsam mit Christiane Kopka inszeniert, choreografisch gestaltet,die Bühnenprojektionen entworfen sowie bei Kostümen und Maske mitgewirkt. Beim Textbuch bekam Christiane Kopka Unterstützung von „Bullemann“Augustin Upmann, die musikalische Leitung teilen sich Sventlana Svoroba und Thomas Quast…  man kann gar nicht so viele Namen nennen, wie man hier nennen möchte.

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Die Namen der Hauptdarsteller muss man auf jeden Fall nennen. Natalie Smykala, die blondbezopft und im artigen Kleidchen eine bezaubernde Dorothy abgibt, hat (dem Vernehmen nach) in der Nacht vor der Premiere vor Lampenfieber kaum ein Auge zugetan. Es ist ihr null anzumerken. Ebenso wirken auch die anderen jungen Darsteller erstaunlich professionell cool, fast ein bisschen abgezockt – nur positiv zu verstehen!

Zur Story – wer sie nicht kennt: Ein Wirbelsturm verfrachtet Dorothy aus dem staubigen, öden Kansas nach Oz,  ein wunderbares Land hinter dem Regenbogen. Mit davongewirbelt wird Dorothys Elternhaus, das bei der unsanften Landung in Oz haargenau der bösen Hexe des Ostens auf den Kopf kracht – die ist nun mausetot, und Dorothy bekommt von den dankbaren Bewohnern die rotglitzernden Schuhe der Terror-Hexe aufgenötigt. Es sind Zauberschuhe, was weiß Dorothy noch nicht weiß. Sie will aber sowieso einfach nur geradewegs wieder heim: ins staubige, öde Kansas, einfach weil dort ihr Zuhause ist.

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 Bis sie sich glücklich wieder auf die Heimreise machen kann, muss sie sich in Gesellschaft von schrillen Hexen, fliegenden Affen, Rocker-Krähen und verführerischen Feen in roten Schlafmoonfeldern zunächst in die Smaragdstadt durchschlagen, wo der große Zauberer Oz regiert. Denn nur er kennt das Geheimnis, wie Dorothy zurück nach Kansas kommt. Auf ihrer abenteuerlichen, oft brandgefährlichen Reise begleiten Dorothy drei ziemlich seltsame Gestalten: der dumme Strohmann (Kim Schütt), der von Oz Verstand bekommen will, der eitle Blechmann (Jannis Küster), der von Oz ein Herz bekommen will, und ein wahrer Hasenfuß-Löwe (Jonas Pieper), der sich vor lauter Angst vor Schafen nicht einmal das Schäfchenzählen zum Einschlafen traut. Er will – richtig – von Oz Mut bekommen.

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Als Evanora, die böse Hexe des Westens, begeistert Sofia Velhinho. Als Ensemblemitglied des Narrenschiff-Theaters verfügt sie über eine enorme Stimme: Wenn Evanora kreischt, möchten Gläser zerspringen. Auch Rubina und Glinda, idealbesetzt mit Julia Kullnat und Sarah Noisten, und immer wieder diese famosen Gesangsstimmen! Sie verschlagen den Zuhörern den Atem. Immerhin sind acht junge Darsteller durch die Musical-AG der Peter-Weiss-Gesamtschule gesangs- und tanzerprobt, und nicht von ungefähr rekrutiert das Narrenschiff regelmäßig seine Nachwuchstalente aus der PWG.

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Wunderschöne Musik gibt´s in diesen zwei märchenhaften Musicalstunden zu genießen. „Somewhere over the rainbow“ macht den Anfang, klar. Es folgen aber auch ungewöhnlich abgemischte Klassiker: „Bad Moon Rising“ von Creedance Clearwater Revival (CRR) in den ersten Takte schleppend, tragisch, dumpf in Moll (noch nie so gehört) – dann losfetzend wie gewohnt, und alles klatscht und trampelt mit. Hardrock-metalmäßig wird´s, wenn die bitterböse Evanora im pechschwarzen Gruftikleid ihr Hexengift versprüht. Und auch aktuelle Chart-Hits frischen das traditionelle Märchen so ansteckend mitreißend auf, dass man die ganze Zeit mitwippen und mitklatschen möchte – viele, vor allem in den vorderen Reihen, tun sich auch keinen Zwang an.

Mit viel Situationskomik ist dieses wunderbare Musical ebenfalls gespickt: Als Dorothy und ihre Begleiter bei der Einlasskontrolle in die Smaragstadt – hochkompliziert! – stöhnend die Torwächterin (Hannah Hirsch) fragen, ob sie denn nicht einfach mal so sprechen könne, dass man sie versteht – da antwortet die Wächterin kurz und bündig: „Nein. Ich bin Beamtin.“ Und schallendes Gelächter bricht aus.

Ein herrlicher Spaß – an alle Mitwirkenden von dieser Stelle aus ein Riesen-Kompliment.

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Vorstellungen noch am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag (24., 25. und 26. 3.), jeweils ab 19 Uhr. Karten  es im I-Punkt im zib, Lindenplatz 1, 59423 Unna, Tel.: 02303 103-777, E-Mail: zib-i-punkt@stadt-unna.de

VVK 10 € Erwachsene / 8 € erm. Schüler/Studenten, Ak 13 €/11€ . (Keine Reservierungen möglich.)

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Kommentare (3)

  • Helmut Brune

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    Hab in Lokalzeit Dortmund vom WDR ein Stück davon gesehen. Einfach toll!!!!
    Die Lindenbrauerei als Kulturzentrum muß unbedingt erhalten bleiben.

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  • Elfie Blees via Facebook

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    Es gab immer „Aufs und Abs“ im Narrenschiff, bereits in Massen, wo wir ja auch Gastspiele hatten, Simone Fleck,Hennes Bender, die Haute Volaute der noch wachsenden Comedy-Szene, unna dann, es dümpelte so vor sich hin- kein Haudregisseur später Tony Glaser, winziges Ensemble, hin und iweder ausverkauft. aber seit Andre und den übrigenYoungsters geht es ab wie Schmitz* Katze.Professionelle Actors können das auch nicht besser.

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