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Zur Nachahmung (bitte nicht) empfohlen: Saftiger Eintritt zum Stadtfest

Die Probleme, ein attraktives Stadtfest zu finanzieren, kennt jede Stadt im Kreis und in der Region – auch Unna. (Man erinnert sich an die Diskussion vom vorigen Jahr, das Bühnenprogramm zu verkleinern oder am besten gleich den ganzen Stadtfestsonntag abzuschaffen.)
Das Finanzierungsmodell von Selm möge sich die Eselsstadt aber bitte nicht zum Vorbild nehmen – glücklicherweise wäre es schon allein von der Örtlichkeit her nicht machbar, beruhigt Danni Guidara vom Stadtmarketing. Über das Modell der Selmer hebt sie gleichwohl nur vielsagend die Augenbrauen. Also, die Kleinstadt am Rande des Münsterlands (wer sich nicht auskennt: Selm ist die nördlichste Stadt des Kreisgebiets, mit 25 000 Einwohnern, ein bisschen größer als Fröndenberg) hat für ihr dreitägiges Event an diesem Wochenende von den Besuchern Eintritt kassiert. Und nicht zu knapp.

8 und 17 Euro Eintritt

Am Freitag wurden an der Abendkasse acht, am Samstag sogar stolze 17 Euro fällig (der Vorverkauf war ein bisschen günstiger). Auf der Homepage der Stadt war das nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dezent versteckt.
17 Euro Eintritt – der Preis für große Namen, denn kein Geringerer als Schlager-Pop-Ikone Michael Wendler heizte vor dem Bürgerhaus ein, flankiert von Anna Maria Zimmermann (ebenfalls bundesweit bekannt) sowie der eher lokal prominenten Coverband Burning Heart.

Kamen kanns kostenlos

Schlager seien im vorigen Jahr der Renner gewesen, betonte die Werbeagentur, die das Künstlerprogramm für Selms Stadtfest zusammenstellt. Das können die Kollegen aus Unna grundsätzlich bestätigen. Aus gutem Grund gab´s auch beim hiesigen letztjährigen Stadtfest eine komplette Bühne nonstop mit Schlagern drei Tage (und Nächte) lang. In Selm sorgte diesmal der Wendler zusätzlich für den Promifaktor, doch den mussten sich die Besucher was kosten lassen. Zum Vergleich: Frida Gold am Samstag auf der Altstadtparty in Kamen ist nicht minder „promi“, war aber dennoch kostenlos zu genießen. Freilich erst ab 22.30 Uhr, damit zuvor reichlich an Getränken verdient wurde. Gut, kann man so machen.
Um so ein Stadtfest auf die Beine zu stellen, benötigt man viel Unterstützung durch Sponsoren“, ließ sich das Selmer Stadtmarketing im Vorfeld in der Presse zitieren. Man habe deshalb „einige Kooperationspartner“ gefunden, die das Programm vom 14. bis 16. Juni mitgestalteten und unterstützten; maßgeblich Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft. Wieso trotzdem an beiden Abenden noch zusätzlich Eintritt erhoben wurde, erschließt sich dem (aus Unna und anderen Städten verwöhnten) Besucher nicht wirklich schlüssig – zumal der Promifaktor des Wendlers ja nun auf den Samstag beschränkt blieb.
Der Freitag bot den Selmern „Summer Vibez“ mit einem DJ vom Jugendparlament auf 1500 Quadratmeter Sand – praktisch also eine Jugenddisco mit Beach-Atmosphäre. An der Abendkasse kostete der Spaß für kurz entschlossene Jugendliche immerhin acht Euro. Und die Auflagen zum Selmer Stadtfest in puncto Jugendschutz waren strikt: Einlass ohne Begleitung von Eltern/Erziehungsberechtigten generell erst ab 14 Jahren (bis maximal 24 Uhr) – am Samstag sogar erst ab 16 Jahren. Solche rigiden Kontrollen wären in Unna schon rein praktisch überhaupt nicht möglich – man müsste bei der Größe unseres Stadtfestes (acht Bühnen – durch die ganze City verteilt) ja die halbe Stadt einzäunen. Als Fazit deshalb abschließend vielleicht: Da weiß man wieder, wie gut man´s in Unna hat. – Oder natürlich auch in Kamen oder anderswo: Das kostenpflichtige Stadtfest hat sich zum Glück noch nicht als Regelmodell durchgesetzt. Zweiklassengesellschaft vor der Bühne, soweit kommt´s ja noch.
Ach ja – der verkaufsoffene Sonntag mit einer „langen Tafel“ zum hemmungslosen Schlemmen ist heute in Selm tatsächlich kostenfrei. Es sei denn, wir haben auf der Homepage der Stadt einen dezenten Hinweis übersehen… (sia)

 

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