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Zum 140. Kampmann-Geburtstag von Kanada nach Mühlhausen eingeflogen

Ein 140. Geburtstag kommt nicht alle Tage vor, deshalb hoch die Gläser und alle heute fröhlich nach Mühlhausen geschaut! Dort im Quellendorf, genommen im Sportlerheim des SSV, feiern Hubert Kampmann und seine Schwester Katharina (Ellenberger geborene Kampmann) am heutigen Samstag ihr jeweils 70. Wiegenfest, macht also stolze 140 Jahre. Na, wenn das keine große Party wert ist! Und obendrein flog Geburtstagskind Katharina dazu eigens aus Toronto ein, wo sie seit vier Jahrzehnten lebt.

„Ich komme nur alle zehn Jahre wieder mal nach Mühlhausen – wenn ich mit Hubert zusammen wieder einmal einen runden Geburtstag feiere“, lacht die Kanada-Auswanderin. Zuletzt war es der 120. Ehrentag, den die Zwillingsgeschwister gemeinsam begossen, als Nächstes folgt der 160. – auch dafür wird sich Katharina wieder in Kanada in den Flieger setzen.

Zuerst wird aber mal heute: die doppelte 70! Sieben ist überhaupt die Zahl bei den Kampmännern und -frauen. Zusammen mit dem Geburtstagszwillingspaar (und einem munteren Schwung von Freunden, Verwandten und guten alten Bekannten) feiern nämlich noch fünf weitere Geschwister mit. „Alle sind noch munter und kerngesund“, unterstreicht Heinrich Kampmann. Der frühere Gemeindedirektor von Holzwickede und langährige Vorsitzender des SSV Mühlhausen ist zweitjüngster Spross. Mit all den Kampmann-Namen muss man ein wenig achtgeben, damit man sie nicht durcheinanderwirft: Also, ältester Sohn ist Franz, 83 Jahre. Auf Franz folgt Anton, gerade 82 geworden, auf Anton Anna (Anneliese), sie wird im Dezember 81. Danach kommen Alois (78) und Heinrich, der am 10. Septembers seinen 72. feierte. „Wir zwei sind also die Jüngsten“, lächeln Katharina und Hubert. Und übrigens als einzige im Krankenhaus geboren, während allee anderen Kampmann-Kinder im Elternhaus an der Heerener Straße das Licht der Welt erblickten. Vater Anton war Bergmann auf der Zeche Königsborn 2/5, Mutter Katharina Hausfrau – natürlich, bei diesem munteren Pulk von Kindern.

Alle Kampmänner (hier sind die Frauen mal ausgenommen; so war das damals) haben in Mühlhhausen natürlich auch Fußball gespielt. „Ehrensache!“, betont Hubert. Er selbst kickte 38 Jahre lang auf dem Fußballplatz im Dorf das Leder, viele Jahre auch in der ersten Mannschaft. Auch ein gewisser Peter Ellenberger wusste ziemlich begnadet mit dem Ball umzugehen. Als Angehöriger der kanadischen Armee war er in den fünziger Jahren in der Kaserne in Werl stationiert. Dort verkaufte Franz, der Älteste, Bier. Er lernte Peter kennen und lud ihn einfach mal ein: Komm mal bei uns in Mühlhausen vorbei und spiel Fußball mit uns! Peter kam, sah – Katharina – und siegte. Die 18-Jährige verliebte sich Hals über Kopf in den schneidigen jungen Mann, zumal der obendrein auf dem Fußballplatz eine hervorragende Figur machte. „Er sprach auch Deutsch – gutes Deutsch“, erinnern sich die Brüder Hubert und Heinrich wohlgfällig, „vor allem aber konnte er Fußball spielen. Das reichte.“ Alles sofort klar – Peter wurde mit offenen Armen in die Kampmann-Sippe aufgenommen zu werden. „Die Kanadier haben sich damals viele deutsche Mädchen mitgenommen“, lächelt Katharina in Erinnerung.

Bevor sie selbst mit Peter über den großen Teich den Abflug machte (das Paar ist schon seit langem wieder geschieden), ging die junge Katharina bei ihrem Bruder Franz in die Lehre. Als Großkaufmann hatte der Anfang der Fünfziger ein Lebensmittelgeschäft eröffnet; „genau an der Stelle, wo heute das Dorf-Inn ist“, erinnern sich Heinrich und Hubert. Auch Anneliese (Anna) machte im Laden ihres Bruders eine Einzelhandelslehre. Heinrich entschied sich bekanntlich für die Verwaltungslaufbahn, und Hubert entwickelte einen besonderen Ehrgeiz: Ich will Fliesenleger werden! Wieso war das so etwas Besonderes? „Fliesenleger waren ein Volk für sich“, erinnert sich der frisch 70 Gewordene. „Es gab überhaupt nur ganz wenige Fliesenlegerbetriebe.“ Mit viel Glück und durch persönliche Beziehungen fand Hubert seine Wunschlehrstelle: bei Hempelmann in Hamm. Er wurde Fliesenleger! „Und er hat im halben Dorf Fliesen gelegt“, lacht Heinrich, sein älterer Bruder.

Die Laudatio auf den runden Zwillingsgeburtstag hält wieder traditionell der älteste Bruder Franz. Eine Woche bleibt Katharina noch in ihrem Heimatdorf, bevor sie wieder in den Flieger steigt und nach Toronto zurückfliegt: Wieder in Deutschland zu leben, könnte sie sich längst nicht mehr vorstellen, „meine Kinder leben in Kandada, ich habe alle meine Freunde dort. Und es ist wirklich wunderschön dort. Nur eins nicht -“ – sie blinzelt in die Oktobersonne hinein, die an diesem herrlich milden Geburtstagssamstag ungewöhnlich warm über Mühlhausen strahlt: „Die Winter sind mir in Toronto immer noch viel zu kalt. Daran wird sich auch nichts mehr ändern!“

 

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