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„Zeigen, dass man als Pirat eben kein Spinner ist“

„Sehr traurig, dass die Möglichkeit zu ernsthafter kommunaler Politik in Unna so früh wieder verspielt worden ist.“ Über die gestrige Pulverisierung der Unnaer Piratenfraktion (Bericht hier auf Rundblick) sind die Parteifreunde im Kreistag alles andere als „amused“.

Christian Ross, Piraten

Christian Ross: „Sehr bedauerliche Entscheidung“

In einer Mail an die – bis gestern gewesene – Zweierfraktion aus Heike Palm und Christoph Tetzner und den NRW-Arbeitskreis Kommunalpoltik gibt Kreistags-Pirat Christian Ross seinem erklärten Bedauern – und auch Unverständnis – darüber Ausdruck, dass die Fraktion im Stadtrat gerade einmal ein halbes Jahr hielt. Heike Palm hatte gestern Morgen ihren Austritt aus der Fraktion erklärt und damit den Fraktionsstatus gesprengt (mindestens zwei Ratsleute sind erforderlich). Als Gründe gab sie inhaltliche Differenzen mit Mitpirat Christoph Tetzner sowie dessen „Verstöße gegen die Fraktionsordnung“ an.

Christian Ross, der selbst bei der Kandidatur um Listenplatz 2 für die Ratswahlen haarscharf gegen Tetzner verlor, erinnert an die Schwierigkeit der Piraten, überhaupt ernst genommen zu werden. „Niemand in den Parlamenten hat bei der Kommunalwahl 2014 darauf gewartet, endlich  mit den Piraten neue Politik machen zu dürfen. Eher im Gegenteil : die meisten sehen uns als Exoten an. Vernünftige und vertrauensvolle Politik bringen nur wenige mit uns in Verbindung. Da ist leider so!“

Wer also „neue, andere Politik“ machen wolle, müsse zunächst mit  allen anderen Parteien ins Gespräch kommen. „Zeigen, dass man eben kein Spinner ist, sondern wirklich an ernsthafter kommunaler Politik interessiert ist.“

Erst dann könne man eigene Ideen in den Ring werfen und versuchen, die anderen von einer „eben piratigen“ Politik zu überzeugen.

Im Kreis, sagt Christian Ross, gelinge das bereits gut. „Wir führen z. B. mit der SPD und auch den Grünen das eine oder andere gute Gespräch. Man nimmt uns wahr, wir werden auch gefragt. Und statt vor verschlossenen Türen zu stehen, erhalten wir sogar die ein oder andere Hilfe von anderen politischen Kräften.“

Sehr traurig sei es, unterstreicht Ross, dass diese Möglichkeit in Unna schon so früh verspielt worden sei. „Aus welchen Gründen auch immer.“ Vielleicht dauere es noch, bis auch der letzte den Unterschied zwischen außerparlamentarischer Parteiarbeit und Tagespolitik verstanden habe… „Schade, dass es dann allerdings schon für vieles, was man sich vorgenommen hat, zu spät ist.“
Er könne nur hoffen, warnt Christian Ross, dass sich der Rat nicht umbesetze. „Denn dann hat man sich hier in Unna endgültig davon verabschiedet, ernsthaft an den Entscheidungen in der Kommunalpolitik mitzuwirken. Ich bin mir nicht sicher, ob sich jeder der Tragweite dieser Entscheidung im  Klaren ist.“

 

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