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Wohin, Kulturzentrum Lindenbrauerei? Hier ist jetzt mal der Chef gefragt

„Wollen wir Soziokultur mit begleitender Gastronomie? Oder Gastronomie mit begleitender Soziokultur?  Wir werden uns entscheiden müssen.“ So schreibt es Piratin Heike Palm sehr treffend zu unserem Bericht „Keiner Partei ist das Kulturzentrum so wichtig wie der SPD!“.

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Als „sozio-kulturelles Zentrum“ ist die Lindenbrauerei momentan definiert. Wikipedia beschreibt soziokulturell als „engen Zusammenhang zwischen sozialen und kulturellen Aspekten gesellschaftlichen Gruppen“. Als Fachbegriff in der Kulturpolitik meint Soziokultur „eine direkte Hinwendung von Akteuren und Kultureinrichtungen zur gesellschaftlichen Wirklichkeit und zum Alltag“. Genau das geschieht explizit in der Lindenbrauerei: mit Projekten wie dem Improtheater oder demnächst dem Tanz-Choreografieworkshop des Theaters Narrenschiff.

Und genau dieses kleinkünstlerische Juwel – das im kleinsten Raum neben dem Kühlschiff großes Theater zaubert – müsste in letzter Konsequenz als erster Delinquent von der Planke springen, gestoßen werden – würde das Kulturzentrum aus Gründen des Profits zum „Eventzentrum“ nach Vorbild der Schwerter Rohrmeisterei umdefiniert. Denn man wird nicht ernsthaft verlangen können, dass ein quasi ehrenamtliches Theater wie das Narrenschiff jemals „rentabel wirtschaften“ oder womöglich sogar aus seinen schlichten Eintrittsgeldern Profit schlagen wird.

Mit maximal 70 Zuschauern ist der Saal ausverkauft. Ausverkauft sind fast immer die Premieren, manchmal auch weitere Veranstaltungen. Allemal null komma null profittauglich. Dafür ist dieses Theater auch gar nicht gedacht und gemacht. Um dem Ensemble endlich nur mal eine kleine Gage zur Anerkennung zahlen zu können (die vielfach professionell agierenden Akteure spielen bisher allesamt ehrenamtlich), hat das tn gerade eine Zuschusserhöhung bei der Stadt beantragt. Man wird sehen, was von diesem niedrigen fünfstelligen Betrag bei den Haushaltsberatungen Ende dieser Woche noch übrig bleibt.

Jedenfalls wären derartige Zuschussgeschäfte für ein kommerziell arbeitendes „Eventzentrum“ höchstens noch im handverlesenen Umfang zu vertreten. Und so radikal wird das nun auch nicht SPD-Fraktionschef Michael Hoffmann gemeint haben, als er jüngst von der Kulturzentrumsleitung (konkret: von Geschäftsführerin Regina Ranft) recht ruppig forderte: Man möge sich bitte einmal ein Beispiel an der Schwerter Rohrmeisterei nehmen, die erwirtschafte sogar noch Gewinn.

Hoffmann ist für seine bewusst provokanten Formulierungen bekannt, in diesem Punkt hat er jedoch eindeutig Recht: In puncto Wirtschaftlichkeit besteht beim Kulturzentrum (und der ihm angeschlossenen Gastronomie Schalander) noch viel Luft nach oben. Wieso müssen zum Beispiel die Konzerte der gerade laufenden „irischen Wochen“ komplett kostenfrei sein? Null Euro Eintritt für diese ganzen guten und teilweise auch ziemlich bekannten Bands?

„Um Spenden wird gebeten“, schreibt das Kulturzentrum in seiner Ankündigung. Das klingt nach Almosen (auch wenn wahrscheinlich wirklich gespendet wird) und impliziert den Gedanken: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“ Dabei haben Regina Ranft und ihr Team wirklich wieder schöne Folkbands für diese irischen Wochen ins Programm geholt, die vielen Musikfreunden und Liebhabern der grünen Insel gewiss ein angemessenes Eintrittsgeld wert wären. Das Kalkül, dass bei freiwilligem Geldgeben am Ende mehr zusammenkommt als durch Eintrittsgelder, mag sogar aufgehen, verträgt sich aber in keiner Weise mit einem professionell agierenden (und kalkulierenden) Wirtschaftsunternehmen.

Lindenbrauerei Summertime

Ähnliches trifft auf die eher spärliche Bewirtung bei der diesjährigen Sommerkultur zu. Wenn man aus den Vorjahren sicher weiß, dass die schrillen Comedians von „Nightwash“ bei ihren Open Airs stets verlässlich Plätze zum Bersten bringen – wieso verliert sich dann trotzdem wieder nur ein einziger kläglicher Bierwagen auf dem Platz der Kulturen? Zwei Zapfhähne (für 800 Besucher), vor denen sich sogar während der laufenden Vorstellung Schlangen bis zum gefühlten Horizont bilden?

Etwas mehr Profitdenken und etwas weniger „Sozio“ (im Sinne von übertrieben sozial) täte dem Kulturzentrum jedenfalls im eigenen Interesse gut. Und wenn dazu tätsächlich auch einmal personelle Entscheidungen getroffen werden müssen (wie´s die Spatzen von Unnas Dächern pfeifen), dann ist es nicht Sache einer einzelnen Partei, sich dieses unbequeme Thema ans Bein zu binden. Nein, dazu ist endlich einmal wieder der Verwaltungschef persönlich gefragt. Der schließlich und endlich gerade verkündet hat, dass er noch bis 2020 weiter Unnas Bürgermeister bleiben will.

 

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