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So wird die Kultur in Unna bezahlbar

Unnas Kultur passt auf 92 Folien. So lang ist der Bericht von Richter-Beratung, der die Kultureinrichtungen in Unna analysiert und bewertet. Dieses Gutachten wurde nötig, nachdem die Lindenbrauerei im September fast in die Insolvenz geschlittert ist. Reinhart Richter und sechs Experten sollten auf Wunsch der Politik das Potenzial der Kultur bewerten und Vorschläge geben, wie sie alleine überlebensfähig ist.
Das Ergebnis, dass das Team in kurzer Zeit fertig gestellt hat, wurde am Montag im Kulturausschuss der Öffentlichkeit vorgestellt und bietet besonders der Lindenbrauerei viele Möglichkeiten, Geld zu sparen, besser zu investieren und vor allen Dingen neue Chancen, mehr Geld einzunehmen.

Gutes Zeugnis für die Kultur in Unna

Losgelöst von der kaufmännischen Seite liest sich das Gutachten positiv. „Unna hat das Potenzial, sich zu einer national und international angesehenen Stadt der Künste, der Kultur und der Kreativitätswirtschaft zu entwickeln“, lobt das Gutachten bereits auf der sechsten Seite. Bloß müsse dafür Geld da sein, das Unna derzeit nicht hat. Bis dahin müsse die Stadt diese Potenziale sichern.

Richter Beratung bestätigt Vermutungen

Die Lindenbrauerei ist wichtig und könne durch einen zwei- bis dreijährigen Konsolidierungsprozess stabilisiert werden, ist sich Reinhart Richter sicher. Warum es fast zur Insolvenz kam, stand bereits vorher fest, Richter musste nur noch bestätigen: Das veränderte Ausgehverhalten gerade der jungen Menschen führte zu den Problemen.
Zudem investiert die Stadt Unna nicht so viel Geld in die Lindenbrauerei, wie andere Städte in ihre Kulturzentren. Während die Stadt Bochum dem Bahnhof Langendreer rund 343 000 Euro zuschießt, sind es in Unna „nur“ 199 000 Euro, von der die Brauerei noch 26 000 Euro Pacht zurückzahlt. Bei den Einnahmen sind sich Bochum und Unna übrigens ähnlich: Unser Kulturzentrum nimmt 1,19 Millionen Euro ein, der Bahnhof 1,22 Millionen Euro.

Empfehlung: Neues Konzept mit Poetry Slam, Klein- und Filmkunst

In der Analyse fand Richter einige Defizite in der Programmgestaltung der Lindenbrauerei: Angebote für Kinder und Familien fehlen, die seien zur Kundenbindung wichtig. Auch Lesungen, Poetry Slams seien möglich, ebenso werde die Sportszene ignoriert, Auftritte der Fußballkulturzeitschrift „11 Freunde“ könnten Abhilfe schaffen.
Ein weiterer Vorschlag ist, eine Filmkunst-Reihe zu etablieren, die vom Filmcenter Unna nicht abgedeckt werden kann. Auch das Theater sei unterrepräsentiert, zwar bietet das Theater Narrenschiff Theater im Kulturzentrum, taucht aber im Programm der Lindenbrauerei nicht auf. Kabarett/Comedy gab es 2012 nur acht Mal, das sei zu wenig, findet Richter. Außerdem könnten kommerzielle Anbieter und gemeinnützige Träger die Lindenbrauerei mieten.

Empfehlungen für die Lindenbrauerei

1. Entwicklung eines Leitbilds Lindenbrauerei Unna
2. Stärkung der Angebotsvielfalt (neue Zielgruppen), der Zielgruppenerreichung und des Images als Kultureinrichtung
3. Keine Ausweitung der Disco-Angebote
4. Einwicklung neuer kulturnaher Geschäftsfelder (Tagungen, Seminare, Märkte), Erlössteigerung von 4000 Euro.

Wandel des Schalanders zum „Bierkompetenzzentrum

Bereits jetzt bietet das Schalander Bierkultur an, etwa mit der Bierakademie. Das solle stärker in den Fokus gerückt werden, findet Richter. Die Prägung solle stark in die Richtung gehen, etwa durch das Angebot mehrerer Bierspezialitäten, entsprechender Speisen und Seminare zum Thema.
Zudem solle geprüft werden, ob die Küche nicht verpachtet werden kann, um in attraktives kulinarisches Angebot zu schaffen. Die Führungsstruktur im Schalander müsse auch überprüft werden.

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