Rundblick-Unna » Wieso kippte Niklas nur diese einzige Kastanie um – wo an der Friedrich-Ebert-Straße noch 120 weitere stehen…?

Wieso kippte Niklas nur diese einzige Kastanie um – wo an der Friedrich-Ebert-Straße noch 120 weitere stehen…?

Der Sturm, der sich mit bis zu 120 km/h konzentriert über Unna austobte, war Schuld an dem fatalen Baumsturz am 31. März auf der Friedrich-Ebert-Straße. Sagt Gutachter Burkhard Wöstefeld, der den Naturriesen im Auftrag der Stadt begutachtet hat.

In der Sitzung des Umweltausschusses heute Abend kamen jedoch auch Zweifel und kritische Fragen hoch: Wieso knickte Niklas nur ausgerechnet diese eine Kastanie und ließ alle anderen 120 an der Friedrich-Ebert-Straße unbehelligt?

Sturm Ebert-Straße Kastanie (3)

Vor dem Café Koch an der Friedrich-Ebert-Straße kippte die Uralt-Kastanie am 31. März auf die Fahrbahn. Wieso aber nur dieser eine Baum? Entlang der einstigen Königsborner Prachtallee stehen insgesamt 120 Kastanien. Und viele sind ähnlich alt oder gar älter als der gestürzte Riese.

Im Juni/Juli 2013 wurden auf der  Friedrich-Ebert-Straße  Straßensanierungsarbeiten durchgeführt, genau zwischen Unterer Husemann- und Parkstraße, wo die umgestürzte Kastanie gestanden hatte. Schon damals hatten Anwohner die Kritik geäußert, dass bei den Tiefbauarbeiten unsachgemäß gearbeitet worden und das Wurzelwerk der Kastanie beschädigt worden sei. Holger Zühlke, Garten- und Landschaftsbaumeister, hatte bereits früher sorgfältigere Baumschutzmaßnahmen vor dem Beginn von Straßenbauarbeiten gefordert. Auch schriftlich per Antrag an die Stadt. Seine nach dem Kastaniensturz geäußerte Vermutung, dass möglicherweise die Wurzeln des Baumes bei besagten Straßenbauarbeiten voriges Jahr beschädigt wurden, wurde heute im Ausschuss als Frage aufgegriffen.

Torsten Haase, für die Freien Wähler (FW/FLU) im Umweltausschuss, hakte nach: Was war das denn damals mit den Baumaßnahmen und möglichen Auswirkungen auf den gestürzten Baum? Umweltamtsleiter Dr. Jochen Schmidt sagte dazu, er könne nichts dazu sagen.Eine solche Straßenbaumaßnahme sei ihm nicht bekannt. Es war seinerzeit keine kleine Baumaßnahme. Sie dauerte mehrere Wochen.

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Ein kritischer Zuhörer hakte nach: Baumpfleger Bobby Roder.

Mit einer weiteren kritischen Beobachtung konfrontierte unvermittelt ein Herr in den Zuhörerreihen die Stadtverwaltung: „Der Baum war doch schon vorher in der Höhe reduziert“, griff er das Umweltamt scharf an, stellte sich zuvor als Bobby Roder vor und erklärte unserer Redaktion am Rande der Sitzung, er sei Baumpfleger und erstelle dann und wann auch einmal Gutachten.

Dieses Kappen in der Höhe ist für eine Kastanie buchstäblich tödlich, hatte just zuvor der zweite Baumexperte Burkhard Wöstefeld unterstrichen: Auf die Frage aus der Politik, ob man die riesigen und ausladenden Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße nicht zumindest in der Krone stutzen könne, erwiderte der Gartenbaufachmann deutlich: „Das können Sie mit Kastanien nicht machen.Bei Pappel und Weide geht das. Nicht bei der Kastanie. Starke 30-Prozent-Rückschnitte verkraftet sie nicht.“ Sie sterbe dann.

Baumpfleger Bobby Roder ist sich ziemlich sicher, dass die Kastanie, die kurze Zeit später der Sturm fällte, in ihrer Krone deutlich reduziert worden war.

 

Kommentare (11)

  • Markus Zalaszentlaszlo via Facebook

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    Wer fragt eigentlich mal wie es dem Opfer geht? Anscheinend ist der Baum wichtiger als der Geschädigte!!!!! BRAVO

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Nein, natürlich nicht, Markus Zalaszentlaszlo. Wir wurden gerade heute wieder gefragt, wie es dem Opfer geht. Die Polizei hat jedoch keine weiteren Nachrichten weitergegeben. Und da wir das Opfer nicht kennen und auch niemanden kennen, der es kennt, wissen wir es nicht. Die Tragik dieses Unfalls hat die Diskussion um die Bäume doch erst aufgebracht. Also, man nimmt durchaus Anteil.

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    • Carsten Glienke via Facebook

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      Ich kenne ihn und weis um die Problematik des Unfallopfer.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Dann bitte einmal die besten Wünsche ausrichten, Carsten Glienke. Vielen Dank.

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  • Tobias Habekost via Facebook

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    10 km/h? Das wäre ein laues Lüftchen…

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  • Sigrid Degner-Schulte via Facebook

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    Früher hat man nicht soweit gedacht, das man Kastanien an Straßen und in der Nähe von Häusern nicht pflanzt. Kastanien gehören zu den Flachwurzlern und gehören in Parks und Laubbaumwälder. Man sollte die Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße entfernen und Tiefwurzler pflanzen.

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  • Ulrike Trümper via Facebook

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    Das Unfallopfer war ein Mitarbeiter der Unnaer-Tafel. Das war bei der Stadt bekannt. Eine Nachfrage zum Gesundheitszustand gab es nicht.

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    • Jessica Müller via Facebook

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      Bei dem Opfer handelt es sich um meinem Groß Cousin und er ist auf dem besten Wege gesund zu werden. :)

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    • Markus Zalaszentlaszlo via Facebook

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      genau darauf wollte ich mit meinem Kommentar hinweisen ( Der Baum ist wichtiger )

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Wir werden gleich hier noch einen ausführlichen Bericht über das Unfallopfer einstellen, Markus Zalaszentlaszlo. Damit dieses anonyme Unglück einen Namen und ein Gesicht bekommt. Wir bedanken uns bereits herzlich bei dir für den Anstoß sowie für Ulrike Trümper, mit der wir eben ausführlich gesprochen haben.

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