Rundblick-Unna » „Wie Wirtschaftsprüfer ein neues Haus für die Kultur basteln wollen“: Grüne Gedanken zu „einer neuen Stadt“

„Wie Wirtschaftsprüfer ein neues Haus für die Kultur basteln wollen“: Grüne Gedanken zu „einer neuen Stadt“

„Wir bauen eine neue Stadt … oder Wie Wirtschaftsprüfer ein neues Haus für die Kultur basteln wollen“, überschreibt Grünen-Ratsherr Michael Sacher eine soeben ins Netz gestellte Rückschau auf die gestrigen Vorstellung der künftigen „Kultur-gGmbH“ (wir berichteten noch gestern Abend und heute darüber). Hier Sachers Betrachtung (leicht gekürzt):

„Wenn etwas undeutlich wird, greift man gern zu Bildern, um wieder eine Orientierung zu finden. Gestern im Kulturausschuss wurde zur Umgestaltung der Kulturarbeit in Unna das Bild des Hausbaues bemüht.
Die Wirtschaftsprüfer, die das (steuerliche) Konzept vorstellten, wiesen darauf hin, dass es nun in einem ersten Schritt darum ginge, das äußere Haus zu bauen und die inhaltliche Verteilung käme erst später. Auch aus den Reihen der Politiker wurde darauf verwiesen, dass jetzt nicht die Zeit der Inhalte wäre. Da standen wir von den Grünen recht einsam mit einer Haltung da, dass wir Kulturpolitik, auch in Zeiten leerer Kassen, in erster Linie inhaltlich betrachten und betreiben wollen.

Oder, um im Bild zu bleiben: Wir wollen nicht erst ein Haus bauen und dann schauen, wie vielleicht noch welche Zimmer zu verteilen sind, sondern wir möchten erst festlegen, welche Zimmer wir denn brauchen und wollen, um dann diesen Ideen ein Haus zu bauen. Oder anders gesagt: Steht der Rohbau erst einmal, kann man eigentlich nicht mehr viel machen und am Ende nur noch zu entscheiden welche Gardinen man aufhängt, gibt dem Ganze dann nicht mehr so deutlich eine Richtung.

Da die ganze Vorstellung mit ‚Neuorganisation der KulturVERANSTALTUNGEN‘ überschrieben war, ist auch die Ausrichtung vorgegeben – besonders deutlich, wenn wir den kleinen Umweg über die englische Übersetzung nehmen und dann bei einer EVENT-Kultur landen. In Zeiten schmaler Kassen wird alles der Wirtschaftlichkeit untergeordnet und wer sich wundert oder muckt, bekommt gleich eins vom Kämmerer oder der CDU übergebraten (nur bildlich gesprochen): Kein Geld! Da können wir leider nichts machen!

Kulturbaustelle Unna

„Kulturbaustelle Unna“ nennt Michael Sacher diese spontan zum Kunstwerk erkorene Freiluft-Installation in der Unnaer Innenstadt.

Aber wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Es ist immer ein Setzen von Prioritäten, wofür das vorhandene Geld ausgegeben wird. Das Tolle ist: Die Politik entscheidet; vorausgesetzt, sie will es entscheiden und sich nicht einfach nur dem ‚kämmeralistischem‘ Diktat beugen. Da möchten wir auch gern den Hinweis des Bürgermeisters in der Sitzung aufnehmen, welche gestalterische Bedeutung der Kulturausschuss schon immer hatte und eben auch im Moment (noch) hat.

Aber eine Kulturentwicklung, die neben dem Bürgermeister und der Kulturausschussvorsitzenden vor allem 5 Männern aus der Wirtschaft – die dem wirtschaftlichen Denken verpflichtet sind – auf dem Podium das Ruder überlässt, wird sicherlich schwer den Weg zu einem kulturell innovativen Konzept finden.

Die Frage die wir gerne dem kulturellen Spardiktat, dass wir uns das alles nicht mehr leisten können, entgegenstellen möchten: Können wir es uns denn leisten, unsere Kultur in Grund und Boden zu sparen? Und das fragen wir nicht als Hans-Guck-in-die-Luft, der alles gern schön hübsch hätte, dem die Niederungen des Geldes am A**** vorbeigehen (bildlich gesprochen), sondern die Frage stellen wir auch unter harten wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Um attraktiv für Neuansiedlungen und Neubürger zu bleiben oder noch attraktiver zu werden, ist kulturelles Leben (…) extrem wichtig; wir würden sagen von existenzieller Bedeutung. Und so wird unsere Forderung nach einer gut aufgestellten, innovativen und lebendigen Kultur plötzlich zu einer Haltung, die viel wirtschaftlicher denkt als manch heute eingesparter Euro, den wir dann nur noch zum Unnaer Goldschatz legen können (wo ihn niemand mehr sieht, da das Museum dann schon längst geschlossen sein wird).

Michael Sacher, Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen“

Kommentare (2)

  • Elke Schmidt

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    …oder man greift zu Bildvergleichen, um es den Leuten besser verständlich zu machen…

    Die Grünen vergessen immer, dass es nur soviel Kultur gibt, wie durch Steuergeld zur Verfügung gestellt werden kann. Wenn weniger Einnahmen da sind, kann auch für die Kultur nur weniger ausgegeben werden. Schließlich ist das eine Dienstleistung, die nur erbracht werden kann, wenn die entsprechenden Einnahmen da sind. Ich habe manchmal das Gefühl, dass hier die Grünen das völlig ausblenden.

    Es sei denn, sie generieren immer mehr Einnahmen für immer mehr Kultur, durch höhere Steuereinnahmen. Ich vermute mal, dass sie DAS dann aber auch nicht wollen. Also liebe Grüne, woher soll es denn dann kommen ? Man kann immer schön mehr und mehr fordern, muss aber auch so bodenständig sein, zu sagen, woher denn das Geld kommen soll !

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  • Rudolf Fröhlich

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    ACHTUNG: SATIRE!!!!
    Achtung: Satire

    In einer kleinen Stadt in einem kleinen Königreich Germaniens, nennen wir sie die Eselsstadt, weil jenes Grautier ihr Wahrzeichen war, lebte vor gar nicht langer Zeit eine Gruppe Menschen von ganz eigener Art. Die waren sehr naturverbunden und kannten jeden Baum, jedes Blümlein und ja, auch jedes Bienchen in ihrer Stadt persönlich und beim Namen. Da die Tiere ihre Freunde waren, beschlossen sie, sich fortan nur noch von Sojabohnen und Getreidekörnern, selbstverständlich aus biologischen einwandfreiem Anbau, zu ernähren. Selbst ihre Milch, die nur von glücklichen Kühen stammte, die auf den saftigen Weiden rund um die Eselsstadt grasten, tranken sie nur aus biologisch abbaubaren Bechern, die mit allerlei bunten Symbolen verziert waren. Da fanden sich niedliche Aufkleber, gedruckt auf holzfreiem Papier, auf denen allerlei Sonnenblumen, herzige kleine Atomkraftwerke und die Worte: Nein Danke! zu sehen waren. Ihre Lieblingsfarbe aber war grün. Gewalt aber war ihnen fremd. So fand sich dieses harmlose und nette Völkchen nach einiger Zeit des Öfteren auf dem Marktplatze ein und träumte unter ihren grünen Fähnchen, die unter blauem Himmel in einer sanften Brise flatterten, zusammen von einer noch besseren Welt, während rings um sie her die Vöglein zwitscherten. Also diskutierten sie darüber, wie man dieses schöne Ziel wohl erreichen könnte. Zunächst aber einmal gründete man eine eigene Pfadfindergruppe, die nannte sich „ Bündnis grünes Fähnlein“. Bald zog dieses friedliche Pfadfindergrüppchen auch in den Stadtrat ein und beglückte von da an alle anderen Pfadfinderstämme mit niedlichen Ideen. Vor allem aber den tüchtigen Bürgermeister und seinen nicht minder tüchtigen Schatzmeister, der in einem früheren Leben wohl ein Zauberer gewesen war, konnte er doch selbst in der prekärsten Finanzlage immer noch, je nach Bedarf, entweder ein weißes Kaninchen oder auch eine Handvoll Goldtaler aus seinem Zylinderhut zaubern (denn der Esel, der ja das Wahrzeichen der kleinen germanischen Stadt war, weigerte sich seit längerem beharrlich, Goldtaler auszuschei…den). Dieser Schatzmeister war nun aber, obwohl eher klein von Gestalt aber dafür von großem Geiste, wirklich ein Glücksfall für unsere kleine germanische Stadt und er schätzte sich fortan zusammen mit seinem Freund, dem Bürgermeister, glücklich, dieses unverdrossene grüne Fähnlein, das sich geradezu zu einem nicht versiegen wollenden Quell der Freude und der originellsten Vorschläge entwickelte, an seiner Seite zu wissen.
    Einer aus dem grünen Häuflein sagte eines Tages: „Wenn wir die Welt verbessern wollen, dann müssen wir nicht nur mit gutem Beispiel vorangehen, sondern dafür sorgen, dass alle anderen uns auch folgen. So bauen wir uns eine grüne Stadt, wo alle Menschen und Kühe und Bienchen und, ja, auch Esel, fortan glücklich und zufrieden leben können!“
    So träumten sie sich glücklich in eine bessere Welt, in der ganz ganz viele Windräder Strom erzeugten, Fahrräder das Auto ersetzten und die Menschen nur noch Getreide essen durften. Alles andere wurde verboten! Unter den Bäumen der Stadt legten sie überall süße kleine Gemüsegärtchen an, wo neben Löwenzahn und allerlei Kräutern und bunten Blumen auch Möhren und Kohlrabi wuchsen und alle waren glücklich. Selbst die Hunde, die manchmal unter den Bäumen ihre Beinchen hoben. Täglich radelten sie nun in ihren selbst gestrickten Pullovern durch die Stadt und zählten alle Bäume. Neben dem Bahnhof bauten sie noch für viele Taler ein prunkvolles Parkhaus nur für ihre Fahrräder, was aber keiner benutzen wollte, weil das Taler kostete. Aber das, so sagten sie, sei ja nicht schlimm, denn was zählt, ist ja schließlich der gute Wille! Als die Zeit gekommen war, errichteten sie in der kleinen Stadt, in einer heimeligen Seitenstraße unweit des Brunnens mit dem Esel, ein eigenes Pfadfinderheim und nannten es „Hort der Glücklichen“. Hier konnte man bei lockeren Gesprächen die neuesten Müsli-Rezepte austauschen, sich über die biologisch einwandfreie Aufzucht von Sojakeimsprösslingen informieren oder einfach nur einmal prima stricken, häkeln und sich die Welt noch schöner malen. Dieses Pfadfinderheim, wir ahnen es, war ein Hort der Ruhe und des Friedens. Vor dem Eingang stellten sie noch eine riesige Luftpumpe auf, an der sich jeder frei bedienen durfte. „Frei“ war überhaupt ein großes Thema. Denn „frei“ sollte nach ihrer Meinung in dieser Stadt und im ganzen Königreich alles und jeder sein. Natürlich in Grenzen, denn die Freiheit konnte ja leider nur nach ihren Regeln funktionieren.
    Nun gab es in der Stadt aber ein Problem, denn es gab in ihr eine öffentliche Einrichtung, die nannte sich „Gasthaus zur fröhlichen Linde“. Dieses Gasthaus war aber gar keines, denn es war seit langem schon zur kulturellen Erbauung der Menschen bestimmt, in dem auch diejenigen, die nur wenige Taler in der Tasche hatten, sich an allerlei magischem und buntem Treiben ergötzen durften. Das Etablissement wurde von der ebenso klugen wie tüchtigen Mamsell Pellegrina Sanft geführt, die jedes Jahr dafür vom Schatzmeister einen Sack voller Taler erhielt, damit sie damit ihr Etablissement unterhalten konnte. Aber leider reichte das Geld nie und Pellegrina Sanft bzw. das „Gasthaus zur fröhlichen Linde“ war folglich fast immer „blank“. Was also tun? Nun, Pellegrina Sanft war weder dumm noch auf den Mund gefallen und deshalb erklärte sie dem Schatzmeister wahrheitsgemäß, dass das „Gasthaus zur fröhlichen Line“ strukturell unterfinanziert sei. Was blieb dem armen Schatzmeister da übrig? Er holte sich die Zustimmung aller Pfadfinderstämme im Stadtrat und griff erneut in seinen Zylinderhut. Das tat er mehrere Male und rettete so das magische und bunte Treiben in der Stadt zum Segen der Menschen, die glücklich waren, dass sie sich weiterhin im famosen „Gasthaus zur schönen Linde“ bei der Mamsell Pellegrina Sanft von allerlei Feen und Magiern der schönen Künste verzaubern lassen durften. Soweit war die Welt in unserer kleinen germanischen Stadt mit dem Esel also wieder heil. Leider kamen aber jetzt einige Pfadfinderstämme (außer dem „Bündnis vom grünen Fähnlein) zum Schatzmeister und sprachen: „Schatzmeister, Du kannst nicht immer nur für die Mamsell Sanft zaubern, denn in unserer schönen Stadt mit dem Esel gibt es noch viele andere Bedürftige. Für die musst Du auch zaubern!“
    Da sagte sich der Schatzmeister: Jetzt muss ich mir aber echt was einfallen lassen, denn ich kann zwar zaubern, aber keine Wunder vollbringen. Das kann schließlich nur Gott (oder das Bündnis vom grünen Fähnlein). Da sich letztere aber nur um ihre eigenen Wunder kümmern wollten und es ihnen auch eigentlich egal war, wer am Ende alles bezahlen würde, ließ sich der Schatzmeister tatsächlich etwas einfallen:
    Gemeinsam mit anderen klugen Köpfen entwickelte er einen Plan, der alle Magier und Elfen, die in der Stadt mit dem Esel für die Erbauung der Menschen zuständig waren, an einen Tisch brachte. Gemeinsam wollte man die verschiedenen Tempel der schönen Künste in der Stadt unter einen Hut bringen. Dieser Hut würde auch Zauberkraft haben, denn da man künftig an „einem Strick“ und auch in die gleiche Richtung ziehen wollte, würde man viel Geld sparen und zugleich weniger Taler an die Steuereintreiber des Königs bezahlen müssen. Dann könnte man Pellegrina Sanft und allen anderen mit diesen Talern helfen und das magische und bunte Treiben in der Stadt würde zum Wohle aller weiter gehen können. Leider hatte die Sache einen Haken: Man konnte den Plan nur Wirklichkeit werden lassen, wenn man zum Behufe des koordinierten Einsatzes aller Magier, Elfen und fahrenden Gaukler in der liebenswerten kleinen germanischen Stadt mit dem Esel als Wappentier künftig eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung gründete. Die sollte dann auch künftig das Programm für alle Magier, Elfen und Gaukler in der Stadt bestimmen.
    Als die Pfadfinder vom Stamme „Bündnis grünes Häuflein“ dieses hörten, waren sie ganz außer sich und ihr Blick umwölkte sich, während Sorgenfalten ihre sonst so glatten Stirnen in Furchen legten.
    „NEIN“, sagten sie, „das geht ja gar nicht!“ Denn dann würden ja am Ende „die Taler“ darüber bestimmen, welche Künste unsere schöne Stadt mit dem Esel als Wappentier zieren.
    „NEIN“, entgegneten daraufhin der Bürgermeister, sein Schatzmeister und alle klugen Berater. „Die Menschen werden entscheiden, und zwar dieselben, die es vorher entschieden haben!“
    Das aber wollten die Pfadfinder vom Stamme „Bündnis grünes Fähnlein“ weder hören noch verstehen. Also schrieben sie einen Brief an die Menschen in der Stadt mit dem Esel und malten ein Bild dazu, das die Trümmer eines abgerissenen Hauses zeigte. „Das“, so sagten sie, „sei Sinnbild für die Zukunft der Kultur“ in der Stadt mit dem Esel als Wappentier. Viel schöner wäre es doch, wenn der Schatzmeister, wie bisher, weiter zaubern würde. Vielleicht künftig jedes Jahr von vornherein so ungefähr 70.000 bis 100.000 Taler mehr als bisher.
    „Und wenn Du, Schatzmeister, das nicht kannst, dann hol es dir doch von den Vermögenden (oder so….)“.
    Als der Esel am Marktbrunnen unserer liebenswerten kleinen germanischen Stadt diese Botschaft in seine langen Ohren bekam, da weinte er bitterlich. Er dachte: Warum nur halten alle in dieser liebenswerten kleinen germanischen Stadt, deren Wappentier ich bin, m i c h für den Esel??? Dann aber sprach er zu sich:
    „Liebe Pfadfinder vom Stamme „Bündnis grünes Fähnlein“, vielleicht solltet ihr einfach weiter träumen von einer schönen Welt ohne Zwänge und Notwendigkeiten, dafür aber mit vielen Blümchen, Bienchen, Schmetterlingen und was da noch so kreucht und fleucht!“

    Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen (außer dem Esel) sind unbeabsichtigt und reiner Zufall!
    Rudolf Fröhlich

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