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„Werkstatt nicht strangulieren“: Kamen, Bergkamen und Kreis sollen mitzahlen

Bildung, Arbeit und neue berufliche Chancen für über 60 000 vorwiegend junge Menschen hat die Werkstatt im Kreis Unna seit ihrer Gründung vor 30 Jahren geschaffen – und dies nicht nur in Unna, sondern kreisweit. Daher, fordert die Unnaer SPD energisch, möge sich nun bitte endlich auch der Kreis an der Finanzierung beteiligen. Sowie die beiden Nachbarn im Norden: Bergkamen und Kamen.

Beide Städte haben sich schon vor Jahren  komplett aus der Finanzierung des wichtigen Bildungsträgers zurückgezogen. Das geht so nicht, betont SPD-Fraktionschef Michael Hoffmann. Seine Fraktion möchte nach den Haushaltsklausurberatungen am vergangenen Wochenende die Städte Kamen, Bergkamen sowie den Kreis mit in die Finanzierungspflicht der Werkstatt nehmen. Denn sie zahlen derzeit nichts dazu.

Und Unna zahlt momentan – noch – eine halbe Millionen jährlich zur Werkstatt dazu. Jetzt will, muss der Kämmerer an dieser hohen Summe den Rotstift ansetzen, da ein Haushaltssicherungspaket zu schnüren ist. Wie auf Rundblick berichtet, schlägt er vor, den Werkstatt-Zuschuss zu halbieren. 250 000 Euro im Jahr bleiben der Bildungseinrichtung für Schulungsmaßnahmen, der Rest wird gestrichen, muss gestrichen werden. Das unterstützt sogar die SPD, die bisher gerade an den freiwilligen Zahlungen für die Werkstatt eisern nicht rütteln wollte.

Es ist jedoch, sagt Michael Hoffmann, nicht mehr einzusehen, dass eine Stadt, die selbst in der Haushaltssicherung steckt, weiterhin mit derartigen Summen einen kreisweit wichtigen Bildungsträger fördert, während zwei Nachbarstädte sowie der Kreis gar nichts zahlen.

„Es ist aber doch eine Milchmädchenrechnung“, appelliert Hoffmann an die Einsicht der kommunalen Nachbarn. „Für jeden Arbeitslosen, den die Werkstatt in Arbeit kriegt, entfallen die Kosten für Arbeitslosenhilfe und sonstige Transferleistungen. Es gilt nicht Arbeitslosigkeit zu finanzieren, sondern Arbeit.“

Gespräche mit Kamen, Bergkamen und dem Kreis würden fällig, kündigt der SPD-Chef an. „Ziel ist nicht, unsere Werkstatt zu strangulieren.“ Parallel zur Überzeugungsarbeit gegenüber den Nachbarn und der Kreisverwaltung müssten weitere Sponsoren und mögliche Finanzierungsfelder über Förderquellen gefunden werden, um die Werkstatt trotz Haushaltssicherungskonzept der Kreisstadt über Wasser zu halten. Zehn Millionen akquiriert die Werkstatt derzeit Jahr für Jahr an Fördermitteln.

Werkstatt Kreis Unna Jubiläum

Den 30. Werkstatt-Geburtstag Ende August würdigte NRW-Arbeitsminister Schneider (3. v. li. vorn, zwischen Landrat Makiolla und Bürgermeister Kolter) mit einem Förderbescheid über 835 000 Euro. Vorn links  Geschäftsführer Herbert Dörmann.

 

Beim 30. Werkstatt-Geburtstag Ende August fasste Geschäftsführer Herbert Dörmann die Zielrichtung der Einrichtung engagiert in Worte: „Jeder Mensch hat eine eindeutige berufliche Chance verdient – gegenbenfalls auch noch eine zweite.“ NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider brachte als Geburtstagsgeschenk einen Förderbescheid über 835 200 Euro mit, das von diesem Schuljahr an 116 Plätze für die „Produktionsschule.NRW“ im Kreis Unna finanziert. Seit dem vergangenen Schuljahr vom Land NRW gefördert und unter anderem bei der Werkstatt Unna umgesetzt, hilft diese Produktionsschule den besonders benachteiligten Jugendlichen – deren Berufschancen ohne Unterstützung gegen Null gehen. Sie bekommen Hilfe beim Einstieg in eine Ausbildung oder / und dauerhafte Erwerbstätigkeit. „Kein junger Mensch“, betonte Arbeitsminister Schneider, „darf beim Übergang von der Schule in den Beruf verloren gehen.“

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Allseits beste Laune beim 30. Geburtstag vor zwei Monaten…

In den drei Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Werkstatt naturgemäß auch Klippen umschiffen müssen. Am heftigsten schlugen die Hartz IV-Reformen 2005 und der Kahlschlag bei der Finanzierung beruflicher Fördermaßnahmen ins Kontor. „Viele Bildungsträger überlebten das nicht“, erinnerte Dörmann an diese Krisenjahre. Die Herausforderung der Werkstatt sieht Dörmann darin, sich zu „entwickeln, ohne weiter zu wachsen.“ Das gelingt und soll weiter gelingen, nein muss auch weiterhin gelingen. Denn mit ihren 1100 Aus- und Weiterbildungsplätzen erreicht die Werkstatt jährlich 3000 Menschen aus dem gesamten Kreis Unna..

Sie kooperiert seit 14 Jahren verstärkt mit Schulen – inzwischen schon mit 25 -, so dass sich jährlich ca. 2000 Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der Werkstatt beruflich orientieren können. Die praktische Qualifizierung erstreckt sich über fast zwei Dutzend Berufsfelder, die buchstäblich ein riesiges Feld abgrasen: von Garten- und Landschaftsbau bis zur Lagerlogistik, vom Kaufmann bis zu sozialpflegerischen Berufen. Gerade ein Jahr jung ist das eigene Weiterbildungskolleg der Werkstatt, das sich mit einem breiten Angebot unterschiedlicher Abschlüsse sukzessive im Aufbau befindet.

werkstatt unna sekt

Sektempfang – auch für Kamens Bürgermeister und den Landrat. Der Kreis, die Städte Kamen und Bergkamen zahlen momentan nichts zur Werkstatt zu; die Unnaer SPD sieht hierüber Gesprächsbedarf.

 

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