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Weiter Geld in Kultur stecken – oder nur noch in die Grundsicherung

Lindenbrauerei KulturDie finanziell dringend gebotene Umstrukturierung der Unnaer Kultur berührt sensible Punkte: So auch die Frage, ob die Reihe „Donnerstags im Stadtgarten“ im kommenden Sommer – nach dann 40 Jahren – auslaufen soll. Denn dann würden wichtige Summen frei, um das Budget des Kulturzentrums Lindenbrauerei zu stärken.

 

Im Kulturausschuss am Dienstag nahmen die Fraktionen den Vorschlagskatalog der Stadt zur Konsolidierung der Lindenbrauerei zunächst zur Kenntnis. Eine durchaus schmerzhafte Maßnahme, die die Verwaltung in diesem Papier zur Diskussion stellt, ist der Abschied von der „Sommerkultur“ in ihrer bisherigen Form. Kunst anspruchsvoll, unter freiem Himmel und kostenlos für alle zugänglich zu machen erfordert Geld. Die frühere „Stadtgarten“-Reihe, die inzwischen auf dem Platz der Kulturen und an anderen Orten in der Innenstadt stattfindet, kostet jährlich immerhin 25 000 Euro. Diese könnten, so schlägt die Stadt vor, bei Einstellung der Reihe jährlich ans Kulturzentrum überwiesen werden.

Trotz des fraglosen Bestrebens, Unnas Kultur- und Kommunakationszentrum zu erhalten, tun sich alle Fraktionen schwer mit dem Gedanken, sich nach Jahrzehnten von der Sommerkultur zu verabschieden. „Am 25. Oktober sind Haushaltsplanberatungen“, gab Kulturausschussvorsitzender und SPD-Fraktionschef Michael Hoffmann als relativ kurze Beratungsfrist vor. „Bis dahin muss Klarheit bestehen – und Ausgewogenheit: nicht den einen Teil der tollen Kulturarbeit strangulieren und den anderen zu großzügig bedienen.“ „Summertime“ wird 2015 bereits 40 Jahre bestehen, erinnerte Hoffmann; „ich sag´ das so ganz deutlich. Wer an den Vorstellungen 2014 teilgenommen hat, kann nur sagen: toll, was da gelaufen ist. Zuletzt am Freitag der griechische Abend, wieder mit 500 Leuten.“

Zuvor ein sommerliches Reggae-Konzert oder der viel beklatschte und belachte Comedy-Abend mit Nightwash. „Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“, appellierte Michael Hoffmann deshalb und schlug folgendes Vorgehen vor: Der Maßnahmenkatalog wird im Kulturausschuss zunächst „eingebracht“ und in den Fraktionen intensiv beraten. Zugleich werden die maßgeblichen Kulturveranwortlichen – Regina Ranft (Kulturzentrum Lindenbrauerei), Sigrun Krauß (städischer Kulturbereich) und Horst Bresan (Stadthalle) Erfahrungsberichte ihrer jeweiligen Angebote erarbeiten. Die reguläre folgende Kulturausschusssitzung steht zwar erst am 28. Oktober auf dem Sitzungsplan, also drei Tage nach den Haushaltsberatungen. Doch beschlossen, erklärte Hoffmann, wird der Finanzplan der Stadt für 2015 und 2016 erst im November.

Bis zum nächsten Kulturausschuss wird sich auch das Theater Narrenschiff noch in Geduld üben müssen, das in Briefen an die Fraktionen um 10 000 Euro im Jahr zusätzlich bittet. An die Vertreter des Theaters gewandet – Judith Binias und Johannes Schmidt nahmen an der Sitzung teil – versprach Michael Hoffmann: „Wir werden diese Bitte trotz der schwierigen städtischen Finanzlage sehr wohlwollend aufnehmen. Die Verwaltung wird dazu einen Antrag schreiben.“ Als Seitenhieb auf die „Sparkommissare“ im Rat wie die CDU setzte der SPD-Chef hinzu: „Dann werde wir sehen, ob wir weiter Geld in die Kultur geben oder nur noch in die Grundsicherung.“

 

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