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WDR 2-Staufrust am Kreishaus-Kreisel: Mehr Sicherheit – oder Stau-Alptraum?

„Es hupen nicht mehr so viele“, meint Kamil Cicek, Inhaber des Döner Express mit direktem Blick auf den Kreishaus-Kreisel rund um die Uhr. „Aber zuviel Stau! Und der Verkehr wird doch noch immer mehr!“

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Seit 14 Jahren mit seinem Döner-Express direkt am Kreisel: Kamil Cicek.

Massiv zuviel Stau schon jetzt und Alptraum-Staus in einigen Jahren, wenn die Verkehrsströme noch weiter zugenommen haben. Das finden auch endgenervte WDR 2-Hörer, die Unnas verhinderten Doppel-Kreisel – derzeit zwangsverengt für eine „Pilotphase“, die vermutlich Dauerzustand wird – in die unrühmliche Hitliste der NRW-weiten „Staufrust“-Anwärter wählten.

Mit der gleichnamigen Livesendung war Reporter Jens Steinkamp am heutigen Dienstag fünf Stunden am Ort des Geschehens und ließ Staugenervte ihren Frust loswerden. Auch die Stadtverwaltung wurde natürlich ihre Stellungnahme zu Unna Großkreiselproblem los, ebenso ein Vertreter des ADAC, der den WDR-Hörern am Beispiel des Kreishaus-Kreisels erklärte, wieso deutsche Autofahrer mit solchen Verkehrskonstruktionen einfach nicht klarkommen. „Deutsche brauchen klare Regeln“, fasst WDR-Reporter Steinkamp die Krux aus seiner Sicht zusammen.

WDR 2 Staufrust

WDR 2-„Staufrust“-Reporter Jens Steinkamp vor Ort am Staufrust-Kreisel in Unna: „Deutsche brauchen klare Regeln“

Als der Kreishaus-Kreisel noch zweispurig einzufahren und innen zweispurig zu bekreiseln war – vor dem 4. Juni – herrschte mehr oder weniger Regellosigkeit. Jedenfalls führten sich viele Verkehrsteilnehmer so auf, schnitten im Kreisel rücksichtslos andere Autofahrer, andere – viele – verstanden schlichtweg nicht, dass die zweite Einfahrspur eben auch zum Einfahren gedacht ist und dass man gegenseitig schlicht und ergreifend Rücksicht nehmen muss. Ging nicht. Geht wohl auch weiter nicht ohne klare Regeln.

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Eine typische Szene an der Kreiseleinfahrt von der Viktoriastraße: das Einfahren – einspurig – ist derzeit geregelt, ausreichend Platz zum Queren bekommen Radler und Fußgänger trotzdem häufig nicht.

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„Mit einer Fahrspur insgesamt sicherer für Radfahrer und Fußgänger“, urteilen viele unserer Leser auf Facebook.

Die sind jetzt – momentan – klar wie Kloßbrühe. Der übergroße Kreisverkehr mit seinen fünf Ausfahrten (Vikoriastraße, Platanenallee, Friedrich-Ebert-Straße, Hansastraße und Kantstraße Richtung Verkehrsring) ist einspurig. Punkt und Basta. Einspurig einfahren, einspurig ausfahren, auf einer Spur in der Mitte kreiseln. „Für Fußgänger jetzt sicherer“, urteilt die Mehrheit unserer Leser auf Facebook und in Kommentaren auf unserer Website.

Ein Sturm der Ereiferung war losgebrochen, als wir gestern über die Wahrscheinlichkeit berichteten, dass die „Pilotphase“ der Einspurigkeit vermutlich ab Februar/März zum Dauerzustand wird. Denn dann wertet die Unfallkommission des Kreises die Jahres-Unfallstatistik aus, und nach der sieht es schlecht aus für eine Rückkehr zur Zweispurigkeit.

Kreisel Döner Mann

Aus seinem Fenster sieht Döner-Mann Cicek „jetzt weniger Blechschäden. Aber viel zu viele Staus!“

Denn Döner-Mann Kamil Cicek sieht es selbst täglich aus seinem Ladenfenster: „Vorher gab es mehr Blechschäden.“ Zwei schwere Unfälle gab es seit dem 4. Juni auch am zwangsverengten Kreisel, beide passierten auf dem Zebrastreifen zur Platanenallee: Einmal wurde eine Fußgängerin dort übersehen, das andere Mal ein Mofafahrer.

WDR-Reporter Jens Steinkamp aus Bochum sieht das Problem mit den Augen eines Großstädters. „Nach dem, was ich hier heute mitgenommen habe, war dieser Kreisverkehr vorher nicht wirklich zweispurig und ist jetzt für einen einspurigen Kreisel eigentlich zu groß“, schlussfolgert der Rundfunkmann aus seinen Gesprächen mit Staugenervten, der Stadt und dem ADAC. „Mit gesundem Menschenverstand betrachtet müsste man bloß eine Mittellinie im Kreisverkehr ziehen, um die zwei Spuren klar zu trennen. Dafür ist aber wiederum der vorgeschriebene Durchmesser zu klein.“

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Das Mittelrondell des verhinderten Doppelspur-Kreisels ist groß genug, dass bequem ein Rettungshubschrauber oder ein Ufo darauf landen könnte. Wieso, regte Fahrlehrer Markus Hainer bereits im Frühsommer an, verkleinert man sie nicht und schafft so Platz für eine geordnete Zweispurigkeit?

Kamil Cicek deutet auf die Mittelinsel – ein enormes Pflanzrondell, so üppig dimensioniert, als sollten Ufos oder Rettungshubschrauber darauf landen können. „Wieso muss diese Insel so riesig sein? Wenn man die kleiner macht, hat man genug Platz für zwei Spuren. Hier sollte ein ordentlicher Kreisverkehr wie am Borsigplatz hin, mit mehreren Spuren und vielleicht auch zusätzlichen Ampeln“, findet der Dönerimbiss-Betreiber, der das Stau-Elend und Hupkonzert am neuralgischen Punkt Richtung Kamen seit 14 Jahren praktisch rund um die Uhr vor Augen hat. In Fahrtrichtung Kamen, weiß er, herrscht das größte Chaos: „Freitags im Feierabendverkehr brauchen Sie bis Kamen bis zu einer Stunde.“

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„Ein Alptraum, dieser Stau“, schimpft Volker König, SPD-Stadtverbandschef und Fraktionsvize. „Der Kreisel muss nach Ende der Pilotphase wieder zweispurig werden. Sonst versinken wir im Stau!“

60 Minuten für 6 Kilometer, macht pro zehn Minuten einen üppigen Kilometer. „Ein Alptraum“, schimpft auch Volker König, Stadtverbandsvorsitzender und Fraktionsvize der SPD: „Das muss wieder geändert werden. Der Kreisel muss nach dem Ende der Testphase wieder auf zwei Spuren ausgeweitet werden. Sonst versinken wir hier in einigen Jahren im Stau.“

Die zwei Spuren, gibt Kamil Cicek zu bedenken, sind allerdings höchst brenzlig für Fußgänger und Radler: Da roter Radweg und Zebrastreifen nahtlos beide Spuren kreuzen, wurden die schwächeren Verkehrsteilnehmer vorher gefährlich leicht übersehen, wenn auf beiden Spuren blickdicht Verkehr in den Kreisel floss.

„Der Überweg ist zu nah am Kreisel“, stellt der Döner-Mann fest. Weiter nach hinten zur Viktoriastraße ziehen kann man ihn aber auch kaum – denn wenige Meter hinter dem Kreisel liegt schon die Ausfahrt des Netto-Parkplatzes. „Wenn man aber jetzt bei nur einer Spur, die total zugestaut ist, von diesem Parkplatz runterkommen will, braucht man gaaanz viel Geduld“, meinte am Mittag eine Netto-Kundin. „Da kann man erst mal in aller Ruhe am Steuer ein Brötchen essen.“

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Die Unfallkommission des Kreises Unna mit beratender – nicht entscheidender – Funktion der Kreispolizeibehörde wird im Februar/März nach Auswertung der Unfallstatistik entscheiden, ob der Kreisel dauerhaft einspurig bleibt oder wieder zweispurig wird. Oder – ob es eventuell noch weitere Alternativen gibt, dem Kreiselproblem Herr zu werden.

 

Kommentare (1)

  • Kai

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    Ich sehe es ebenfalls so, dass einfach 2 Spuren da sein sollten. Wenn dafür das Rondell verkleinert werden muss ist das eben so. Dürfte nicht schwierigier und langfristiger zu bewerkstelligen sein als diese provisorische Spurverengung.
    Fußgänger leben auf Straßen schließlich immer gefährlich. Alle müssen einfach aufpassen, mehr Unfälle als bisher wird es bestimmt nicht geben.
    Aber auch ich weiß, dass gerade dort am Kreisel sehr viele Fußgänger verkehren. Meistens sind es Gruppen von Schülern der drei Unnaer Berufskollegs, die zu absehbaren Zeiten vom Bahnhof kommen oder auf dem Weg dorthin sind.

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