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Volksbank sucht Balance zwischen Spardruck und Kundenservice – Interview

Online-Banking boomt weiter, die Zinsen verharren auf Niedrigstniveau, und beides zusammen tut den heimischen Kreditinstituten nicht gut. Die Volksbank Dortmund (mit der Volksbank Unna unter ihrem Dach) hat in dieser Woche ihre Bilanz vorgelegt. Der Spardruck zwingt wie schon berichtet zur flächendeckenden Filialschließung – 30 stehen insgesamt auf der Liste. Mit schrumpfendem Geschäftsstellen- und Personalstand wird es voraussichtlich weitergehen. Die verbleibenden Fililalen sollen aber größer und Zusatz-Services anbieten wie ein Café oder eine Backstube.

Das Filialsterben begann im Sommer mit der Schließung der Zweigstellen in Fröndenberg-Ardey und im benachbarten Dellwig. Als Servicestellen mit Geld- und SB-Automaten blieben die Standorte im Fröndenberger Westen erhalten. Ardey verlor damit gleich allerdings zwei Kreditinstitute vor Ort: Die Sparkasse öffnete dort nach der Geldautomatensprengung auch nicht wieder.

Die Volksbank Unna, die zur Dortmunder Volksbank gehört, vereinigt wiederum 13 Zweigstellen unter ihrem Dach: nicht nur in Unna, sondern auch in Fröndenberg, Kamen, Holzwickede und Menden-Schwitten. Auf der Schließungsliste stehen die Filialen im Fröndenberger Westen (Ardey und Dellwig), im Unnaer Osten (Lünern) und in Schwitten.

(Archivfoto: Volksbank-Hauptstelle Unna am Nordring)


Peter Zahmel

Zum Thema ein INTERVIEW mit Unnas Volksbank-Chef Peter Zahmel, das wir im Spätherbst 2016 führten.

Herr Zamel, bei unserem Interview heute ist zufällig Weltspartag. Ziemlich viel los bei Ihnen in der Hauptstelle. Direkter Kontakt mit dem „Volk“ scheint der Volksbank also nach wie vor sehr wichtig zu sein?

Peter Zamel: Wissen Sie, ich bin so richtig Volksbänker! Wenn es keinen direkten Kontakt zum Kunden mehr gibt, verlieren wir unsere DNA. Daher orientieren wir uns permanent und intensiv nicht nur an jetzigen Marktbewegungen, sondern beschäftigen uns natürlich auch mit der Zukunft und den zukünftigen Kunden.

Widerspricht das nicht der gleichzeitigen jetzt kommenden gravierenden Ausdünnung Ihres Filialnetzes? Die Volksbank wird in der Region 30 von ursprünglich 79 Filialen schließen, das ist beschlossen und wurde auch offen kommuniziert. Betroffen sind auch Standorte in Unna, Holzwickede und Fröndenberg. Muten Sie Ihren Bankkunden vor Ort damit nicht schmerzliche Einschnitte zu?

Peter Zahmel: Dass das für viele Kunden schmerzlich ist, ist mir bewusst. Wie überall ist hier in Unna und der Region ein Umbruch spürbar. Das betrifft den Einzelhandel und betrifft auch die Finanzdienstleister vor Ort. Immer mehr Kunden erledigen ihre Bankgeschäft ausschließlich per Onlinebanking: Die sogenannten Steckdosenbanken haben dazu beigetragen, dass zahlreiche Kunden ihrer Bank vor Ort Ade gesagt haben. Nicht nur die Volksbanken mussten und müssen sich diesen Trends anpassen und ab und an auch einmal unschöne Entscheidungen treffen. Dazu gehört dann auch die Umstrukturierung eines Geschäftsstellennetzes, leider. Wir sind gut aufgestellt und müssen das auch zukünftig bleiben, im Sinne unserer Kunden und Mitarbeiter. Vielerorts werden wir ja SB-Servicestellen erhalten…

bei einigen kooperieren Sie mit der Sparkasse, die ja ebenso Geschäftsstellen schließt und praktisch die gleichen Gründe dafür anführt.

Peter Zahmel: Ja, was wiederum zeigt, dass diese Umbrüche eben grundsätzlicher Natur sind. Wir bieten aber weiterhin auch Service für Kunden zu Hause an bzw. bauen ihn aus. Kein Kunde muss sich im Stich gelassen fühlen.

Ungewisse Zukunft der Banken, Vertrauensverlust, anhaltende Nullzinsphase…. wohin geht die Reise, wie schätzen Sie die nächsten Jahre ein?

Peter Zamel: Die Finanzkrise vor ziemlich genau 8 Jahren hat nicht nur die Bankenwelt erschüttert, sondern den gesamten Weltmarkt. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass Banken pleite gehen. Das ging sicherlich auch vielen anderen Menschen so, die durch den Crash das Vertrauen in Banken verloren haben und ihnen seitdem die Schuld geben.

Standort Unna – aus Ihrer Sicht ein angenehmer? Fühlen Sie sich hier wohl – „als Volksbanker“ und als Bürger dieser Stadt?

Peter Zahmel: Nach vielen beruflichen Jahren in Dortmund bin ich 2004 nach Unna gekommen, und seit gut 4 Jahren wohne ich jetzt hier. Letzteres beantwortet dann auch schon den zweiten Teil Ihrer Frage (lacht). Unna hat eine besondere Qualität, die man einfach lieb gewinnen muss. Die Stadt ist nicht so groß, dass man in der Anonymität versinkt, aber auch nicht so klein, dass irgendwann Langeweile entstehen könnte. Die Stadt hat für jeden etwas zu bieten und wir müssen alle gemeinsam daran arbeiten, dass das auch so bleibt.

Sie sind in Ihrer Person diesbezüglich ja auch selbst emsig am Ball, wird das neben Ihrem Beruf nicht oft ziemlich stressig?

Peter Zamel: Das ist sicherlich so. Dennoch finde ich es wichtig und auch spannend, sich selbst einzubringen. Wen man etwas für seine Stadt erreichen will, kann man meiner Ansicht nach nicht in einer Zuschauerfunktion verharren, sondern muss aktiv teilnehmen, d. h. jeder für sich kann seine Stadt mit attraktiv halten. Daher sollte auch zukünftig in Dinge investiert werden, die unsere Stadt über die Ortsgrenzen beliebt gemacht haben und machen.

Wie die Lichtkunst?

Peter Zahmel: Ja, wie die Lichtkunst zum Beispiel. Nur ein Beispiel von vielen!

Zum Schluss die klassische Frage eines Interviews: Hat Volksbank-Chef Peter Zahmel noch Zeit für Hobbys und hat er ein liebstes Hobby?

Peter Zahmel: (lacht) Ja: Kochen! Ich liebe es zu kochen und liebe natürlich auch zu essen, gutes Essen. Auch Kunst liebe ich. Meine besondere Leidenschaft ist jedoch das Jagen – wobei ich nicht der Trophäensammler bin! Es ist für mich aber einfach einzigartig, mit meinem Hund ganz früh morgens in der Natur unterwegs zu sein und die Natur und die Ruhe zu genießen…. einfach herrlich!

Mit Peter Zahmel sprach Frank Kuhlmann.

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