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Veröffentlichung von Fahndungsfotos: Warum dauert das eigentlich fast immer Monate?

Vor anderthalb Monaten startete die Kreispolizeibehörde Unna die Fahndung nach einem Gemäldedieb, der am 16. Dezember in der Buchhandlung Hornung am Mart zugegriffen hatte. Fast drei Monate später erst wurden die Fotos veröffentlicht – obwohl der Mann darauf hervorragend zu erkennen war.

Anderes Beispiel: die Fahndung nach Tankstellendieben an der Massener Straße. Veröffentlicht wurden die hervorragenden (Porträt-)Fotos des Täters am 10. März, ebenfalls ein Vierteljahr nach der Tat. Oder – noch länger her: Die Polizei veröffentlichte kurz vor Weihnachten Bilder eines diebischen Pärchens, das im August (!) zwei Bekleidungsschäfte in Unna und Kamen bestohlen hatte. Ebenfalls ein halbes Jahr liegt der EC-Kartendiebstahl in einem Zug nach Dortmund zurück, den wir heute Morgen veröffentlichen – weil jetzt erst die Bilder aus der Überwachungskamera freigegeben wurden.

Man fragt sich: Wieso dauert das so irre lange? Viele unserer Leser kommentieren solche „Spätzünderfotos“ kopfschüttelnd nur noch mit „… was soll das jetzt noch bringen. Da kann man´s auch gleich lassen.“

Gemäldedieb

Ein Vierteljahr verstrich zwischen Tat und Fahndungsbeginn: Mitte Dezember stahl dieser Dieb ein antikes Gemälde in der Buchhandlung Hornung, heute vor einer Woche – am 5. März – stellte die Polizei die Bilder aus der Überwachungskamera online. Dass Monate zwischen Tat und Fahndung verstreichen, ist die Regel und begründet sich im deutschen Strafrecht.

 

Könnte man in vielen Fällen vermutlich auch, da die gesuchten Kriminellen nach so langer Zeit meist zigmal über alle Berge sind. Die Polizei hat die Schnelligkeit von Fahndungsveröffentlichungen jedoch nicht in der Hand. Die Anforderungen an die Veröffentlichung eines Fahndungsfotos sind in der deutschen Rechtsprechung immens hoch.

Die Vorschriften sind in Paragraf 131 der Strafprozessordnung niedergelegt. Bilder aus Überwachungskameras (wie auch z. B. an Geldautomaten) kommen erst dann überhaupt (!) für eine Öffentlichkeitsfahndung in Frage, wenn keine anderen Ermittlungsansätze mehr Erfolg versprechen. Die Überlegung dahinter ist, dass solche Fahndungen einen massiven Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung bedeuten.

Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft dürfen eigenmächtig Fahndungsfotos veröffentlichen. Dafür ist immer ein Beschluss durch einen Richter nötig. Das hat folgenden Grund: Wären die gesetzlichen Hürden an die Veröffentlichung nicht erfüllt, liefe ein entsprechender Antrag der Staatsanwaltschaft schnell ins Leere.

Eine Öffentlichkeitsfahndung mit Bildern darf daher nur äußerst restriktiv angewandt werden. Schneller geht es in der Regel, wenn ein Kapitalverbrechen vorliegt und dringend Zeugen gesucht werden, deren Erinnerung nicht verblassen soll: So wie bei dem Mord an einem 43jährigen Dortmunder am 1. Weihnachtstag in Hörde.

Kommentare (2)

  • Jens Kampe via Facebook

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    Ein schlechter Witz…

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  • Matthias Ratton

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    Das alles ist absolut überzeugend und glaubhaft dargestellt. Wenn, ja wenn… Ich stelle mir gerade einmal vor da wird einem hochrangiger Politiker unseres Landes oder sonst eine höher gestellte Persönlichkeit auch nur das Fahrrad entwendet und es gibt Fotos über den Täter. Ich bin mir sicher, dass die Fotos noch am gleichen Tag öffentlich gemacht werden. Es kommt darauf an, wer man ist.

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