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Vernichtendes Urteil: „Schalander für Gastronomie komplett ungeeignet“

In 33 Jahren sind dem Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) „selten Räume begegnet, die (…) für einen gastronomischen Betrieb so ungeeignet sind wie der Schalander“. Deutlicher geht´s kaum noch.

Mit diesem vernichtenden Urteil von Claus Altendorf, seit Jahrzehnten Geschäftsführer des Dehoga-Bezirksverbandes Westfalen, bekommt die Debatte ums Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei erneut Zündstoff. Denn die Idee, das soziokulturelle Zentrum könne durch einen gastronomischen Betrieb Gewinne erwirtschaften, hält der erfahrene Gastro-Experte für „absolut lebensfremd“, da viele Gastronomiebetriebe eher Verluste erwirtschafteten oder bestenfalls auf bescheidenen Gewinnen herumdümpelten.

Erschwerend hält Altendorf die Räumlichkeiten der Kulturzentrumskneipe Schalander für gänzlich ungeeignet, um überhaupt Gastronomie in ihnen zu betreiben: sowohl die Lage wie die Ausstattung betreffend. Die Inneneinrichtung könne „man nur noch als nicht zeitgemäß bezeichnen“, heißt es in der schriftlichen Quintessenz des Gastro-Experten, und insesondere müssten „die Lichtverhältnisse komplett neu gestaltet werden“. Um den Schalander so umzubauen, dass er „eine breitete Publikumssschicht anspricht“ – auf Deutsch: gewinnträchtig werden könnte – ,wäre nach Altendorfs Schätzung ein sechsstelliger Betrag erforderlich.

Die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse des Kulturzentrums seien „insgesamt ordentlich“, schreibt der Dehoga-Chef der Lindenbrauerei-Chefin Regina Ranft und ihrem Team anerkennend ins Buch. Dennoch sieht die Gesamtsituation problematisch, unter anderem wegen der Personalkosten – die in einem sozio-kulturellen Zentrum naturgemäß höher seien als in einem reinen Gastrobetrieb.

Schalander Halloween Ranft

It´s Partytime im Schalander – wie hier im vorigen Jahr bei der Halloween-Party steigen in der Kulturzentrumskneipe regelmäßíg Sessions, Konzerte und Feten. Nennenswerte Gewinne sind damit aber nicht zu erwarten, urteilt der Hotel- und Gaststättenverband: Er hält die Räume für „gänzlich gastronomie-ungeeignet“.

Claus Altendorf spricht bzw. schreibt das nicht in die Luft hinein, sondern nahm das Kulturzentrum im Allgemeinen und den Schalander im Besonderen jüngst bei einer Besichtigung selbst unter die Lupe. Seine Quintessenz mitsamt den Empfehlungen an Lindenbrauerei-Geschäftsführerin Regina Ranft hat die Piratenpartei unter der Schlagzeile „Experte sieht erheblichen Investitionsbedarf im Kulturzentrum“ auf ihrer Homepage publiziert.

Ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen die Piraten messerscharf: „Wenn an dem Ansatz festgehalten wird, dass sich das Kulturzentrum aus den vermeintlichen Gewinnen des Schalanders mitfinanziert, sind erhebliche Investitionen in die Räumlichkeiten erforderlich. Ansonsten muss ein anderes Finanzierungsmodell gefunden werden, wenn die Kreisstadt Unna ihren Einwohnern auch langfristig niederschwellige sozio-kulturelle Angebote bereitstellen will.“ Auf dem gegenwärtigen Niveau jedenfalls werde das Kulturzentrum nicht auf Dauer erfolgreich betrieben werden können.

Es läuft also immer wieder auf dieselbe Kernfrage hinaus – die Piratin Heike Palm so treffend auf den Punkt brachte: „Wollen wir ein sozio-kulturelles Zentrum mit Gastronomie? Oder Gastronomie mit Sozio-Kultur? Wir werden uns entscheiden müssen…“

(Foto oben: Rinke, oben re.: Kulturzentrum Lindenbrauerei)

 

Kommentare (2)

  • regina ranft

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    der schalander ist die kulturkneipe der lindenbrauerei,bzw.die inhalte,die veranstaltungen,die abende unter freundInnen! und das ist eine einzigartige 17 jährige erfolgsgeschichte! und dafür hat uns die dehoga auf vorschlag von herrn ass. altendorf vor ein paar jahren einen preis verliehen!
    claus altendorf hat das “ vernichtende urteil“ über den standort, den umbauten raum und die sich daraus ergebende fehlende rentabilität gesprochen.vorallem aber über die theorie,dass mit gaststätten kulturelle oder soziale einrichtungen finanziert werden könnten!

    liebe gäste! keine sorge,der schalander läuft weiter,er trägt seine kosten und mit eurer hilfe! auch
    weiterhin die konzerte,das rudelsingen,besonders unsere echte liebe,die borussia übertragungen und auch noch den einen oder anderen gast,der nicht soviel geld hat!! finanziell rettet der schalander das kulturzentrum nicht,aber dessen tiefere bedeutung entscheidet sich auch an
    seinem tresen…….

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  • regina ranft

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    genau das! kulturkneipe eben und bernies frikadelle zum fußball schmeckt einfach lecker…

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