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Interview: "Verklebte Fenster sind nicht gut"!

startEin Interview mit Werner Kolter, Bürgermeister der Kreisstadt Unna. Das Gespräch führte Frank Kuhlmann, aufgezeichnet von Silvia Rinke.

Herr Kolter, 75 000 Euro außer Plan in diesem Jahr für die Lindenbrauerei. Eine Mehrheit im Rat hat Ihrem Vorschlag zugestimmt. Wie rechtfertigen Sie diese Zusatzausgabe vor den Bürgern?
Werner Kolter: Ich sehe diese 75 000 Euro als notwendige einmalige Überbrückung für das laufende Jahr entsprechend der Empfehlung der Gutachter. Die Lindenbrauerei ist ein wesentlicher Bestandteil der Unnaer Kulturszene, die viele interessante Veranstaltungen anbietet. Problematisch sind zunehmende Belastungen wie z.B. steigende Energiekosten. Deswegen muss intensiv an neuen Konzepten und auch an weitergehenden Kooperationen mit allen Akteuren der Kultur- und Stadtmarketingszene gearbeitet werden. Das alles braucht Zeit.

Die CDU ist mit dieser Form von Entwicklungshilfe überhaupt nicht einverstanden. Sie möchte die Bürger per Ratsbürgerentscheid darüber entscheiden lassen, wieviel Kultur sich Unna noch leisten soll und darf. Wieviel Kultur darf sich Unna leisten – Antwort des Bürgermeisters?
Werner Kolter: Wir haben hier in Unna eine spannende, auch junge Kulturszene. Wir sollten daher unserer Stadt weiterhin ein lebendiges, offenes Profil geben. Dazu zählt insbesondere ein vielfältiges Kulturangebot, dazu zählen aber auch gute Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten und eine attraktive Innenstadt. In Unna trifft man sich mit guten Freunden!

Sie sprechen die Innenstadt an. In Unna beginnt gerade, was die Nachbarstadt Kamen bereits umfassend umgesetzt hat: die Erneuerung und Modernisierung der Fußgängerzone und des weitläufigen Innenstadtbereichs. Unna hat den neuen Busbahnhof, wann kommt der Rathausplatz an die Reihe?
Werner Kolter: Aktuell steht zunächst die Neugestaltung des Kirchplatzes an. Anschließend sollten wir abschnittsweise an die Überplanung der Fußgängerzone gehen, auch unter Beteiligung der Anwohner und Händler. Auch das Rathausumfeld bietet noch erhebliches Potenzial: wir haben einen modernisierten Bahnhofsbereich und einen modernen Busbahnhof. Der geplante zweite Bauabschnitt auf der Tiefgarage und der Rathausplatz sind die aktuellen Herausforderungen und Chancen.

Es wäre ja schon schön, wenn der Platz begrünt wäre und mehr Außengastronomie anbieten würde.
Werner Kolter: Außengastronomie ist ein ganz entscheidender Faktor zur Belebung unserer Innenstadt. Entsprechende Anträge sollten im Rahmen des rechtlich Zulässigen großzügig beschieden werden. Unser Alter Markt ist dafür ein sichtbar positives Beispiel.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Fußgängerzone?
Werner Kolter: Unna verfügt über eine sehr attraktive und gut aufgestellte Einkaufszone. Umso mehr ärgert mich jeder einzelne, auch kurzfristige, Leerstand. Verklebte Schaufenster sind nie gut.

Sind denn die Vermieter zu gierig? Müssten die Mieten einfach niedriger sein? Oder wieso passiert dort nichts?
Werner Kolter: Mein Standpunkt hierzu: lieber mal eine niedrigere Miete und dafür Kontinuität mit einem attraktivem Angebot als monatelange Leerstände oder ständige Wechsel. Man sollte faire und realistische Mietpreise im Auge behalten, denn der Druck auf unsere Innenstädte durch den Internethandel wird extrem zunehmen. Ich rege an, dass sich Händler, Vermieter, Werbering-Vorstand und Stadt sehr bald zu einem runden Tisch treffen.

Und was halten Sie von Einkaufscentern, Shopping-Paradiesen?
Werner Kolter: 1999 gab es eine sehr aufgewühlte und kontroverse Diskussion um den Standort „Viktoria“ nördlich der Bahnlinie. Das Ergebnis war sehr eindeutig: citynahe, großflächige Einkaufszentren gefährden unsere historisch gewachsenen Innenstädte. Darum sollten wir diese tatkräftig weiterentwickeln, gemeinsam mit allen Akteuren!

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