Rundblick-Unna » „Unnas Erfolgsrezept: Das eine zu tun, ohne das andere zu lassen“ – Interview mit Horst Bresan, UN-Marketing

„Unnas Erfolgsrezept: Das eine zu tun, ohne das andere zu lassen“ – Interview mit Horst Bresan, UN-Marketing

Nach dem italienischen Fest… ist vor dem Stadtfest. Wieviel Kultur kann, darf und sollte sich Unna jetzt und in Zukunft noch leisten? Dazu sprachen wir mit Horst Bresan, Geschäftsführer des Stadtmarketings Unna.


 

Herr Bresan, während unseres Gesprächs tauchten die Lichtbauer aus Bari die Innenstadt gerade in Millionen bunter Lichter. Un(n)a Festa Italiana ist Unnas einzigartiges Aushängeschild – bis zu einer Viertelmillion Besucher an fünf Festa-Tagen sprechen für sich. Wird sich eine Stadt in der Haushaltssicherung künftig derartige Großvranstaltungen künftig noch leisten können? Wird es noch genügend Spielraum für die Festa geben in der neuen Kultur-gGmbH, die Unnas Kulturangebote ab Sommer neu strukturieren soll?
Horst Bresan: Großveranstaltungen wie unser Stadtfest oder die Festa Italiana führen viele Menschen nach Unna. Sie sind ein erstklassiges Angebot, um die Vorzüge unserer Stadt einem großen Besucherkreis zu vermitteln. Sie sind gut für unser Stadtimage und schaffen positive Erlebnisse, die mit Unna verbunden werden. Und in der Regel geben unsere Gäste auch noch Geld aus, was bei der Unnaer Gastronomie oder dem Einzelhandel für zusätzliche Umsätze sorgt.
Veranstaltungen des Stadtmarketings haben allerdings kein festes Budget, welches gekürzt werden könnte. Sie sind so organisiert und geplant, dass die Kosten durch die Einnahmen der Veranstaltung erwirtschaftet werden.

Passt die Rechnung denn auch bei unfestlichem Wetter? Wenn wir mal auf die letzte Festa Iltaliana vor zwei Jahren zurückblicken: Sie versank am Eröffnungstag im kalten Regen. Das kann ja nun faktisch jedes Mal passieren. Zahlt das Stadtmarketing in solchen Jahren drauf? Und wenn ja, wieviel?
Horst Bresan: Leider können auch wir vom Stadtmarketing den Sonnenschein nicht buchen. Daher schwanken unsere Erlöse witterungsbedingt. Das ist ein völlig normaler Vorgang. Wir berücksichtigen dieses „Wetterrisiko“ aber in unserer Finanzplanung. Unsere Erfahrung zeigt allerdings, dass meist schon während einer mehrtägigen Veranstaltung wetterbedingte Umsatzschwankungen ausgeglichen werden. So übrigens auch bei der Festa 2013, die wirklich sehr nass und kalt begann. Das Risiko ist also überschaubar.

Festa Italiana sonnig (2)

Also sind Unnas „Markenveranstaltungen“ wie das italienische Fest oder das Stadtfest trotz Spardiktat weiter für Sie vertretbar?
Horst Bresan: Wie gesagt, das Risiko ist bekannt, eingeplant und es ist überschaubar. Bei Ihrer Annahme fehlt ja auch die volkswirtschaftliche Komponente, die Berücksichtigung der Wertschöpfungskette für die lokale Wirtschaft. Die Festa Italiana beispielsweise löst eine Wertschöpfung der ersten Stufe von mindestens fünf Millionen Euro aus.

Was hält Unnas Marketing-Chef aus fachlicher Sicht von Vorstößen wie: Stadtfest um einen Tag verkürzen, entweder den Freitag oder den Sonntag streichen, weniger Bühnen, weniger Bands…?
Horst Bresan: Diese Vorschläge stammen aus der Zeit unmittelbar nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg 2010. Damals ging es darum, ein Konzept zu entwickeln, das ein Maximum an Sicherheit für die Besucher und Teilnehmer unserer großen Feste schafft. Niemand wusste zunächst, wie der Punkt „Sicherheit“ – als Qualitätskriterium – bei der Veranstaltungsorganisation zu bewerten ist. Jeder ahnte aber, dass Sicherheit mit Sicherheit Geld kostet.
Letztlich haben wir in Unna gemeinsam mit den beteiligten Fachleuten eine vorbildliche – und bezahlbare Lösung – finden können. Die Kürzungsvorschläge waren damit vom Tisch.

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Wie ist denn Ihre persönliche Meinung zum Kleinsparen großer Stadtfeste?
Horst Bresan: Eine Entwicklung, die ich sehr bedauere. Gerade aus unsern Nachbarstädten hört man immer wieder von diesen Maßnahmen. Da wird das Programm bis zum Erdrücken eingedampft oder auf einen einzigen Künstler mit Bekanntheitsgrad reduziert. Wir in Unna haben hingegen eine generationenlange Entwicklung unserer Veranstaltungen erfahren. Es ist gut, dass wir für Klein und Groß, für Jung und Alt eine Angebotsmixtur vorhalten, dass sollte auch weiterhin unsere Stärke in der Region sein.

Fürchten Sie ein Hauen und Stechen um jeden Euro, wenn die Kulturveranstaltungen in Unna ab Sommer/Herbst unter dem Dach der gGmbH gebündelt sind?
Horst Bresan: Diese Idee stammt aus einer Begutachtung der Unnaer Kulturangebote im Herbst 2013 und wird aktuell auf Machbarkeit geprüft. Es ist derzeit noch zu früh, um belastbare Prognosen abzugeben. Aber grundsätzlich verfolgt dieser Gedanke eben nicht das Ziel, ein Hauen und Stechen zwischen wem auch immer auszulösen.

Sie haben im Kulturausschuss zur Vorstellung der neuen gGmbH wörtlich gesagt: „Es geht um die Frage: Was an Kultur können wir uns noch leisten?“ Wie beantworten Sie diese Frage denn selbst?
Horst Bresan: Die Kreisstadt Unna befindet sich seit den 1990er Jahren in der X-ten Fortschreibung der Haushaltssicherung, um ihre vielfältigen Aufgaben zu finanzieren. Bei allen Beratungen ging und geht es immer um die Frage: Wieviel können wir uns noch von A, B oder C leisten. Als freiwillige Aufgabe steht die Kultur dabei immer im Fokus. Die Politik hat in all den Jahren stets Augenmaß bewiesen und gute Beschlüsse gefasst. Denn das kulturelle Angebot beeinflusst wie kaum ein anderer Faktor das Image, den Erlebniswert und Wohlfühlgrad unserer Stadt. Bei Bewohnern und Besuchern gleichermaßen. Das hat die Politik erkannt und wird dieses Pfund nicht mit leichter Hand aufs Spiel setzen.

Stadthalle Kamen

Wieso brauchen Unna und Kamen nur sechs Kilometer entfernt zwei Stadthallen?
Horst Bresan: Diese Frage müssten Sie eigentlich in Kamen stellen.

Wieso? Weil Kamen 15 000 Einwohner weniger hat und keine Kreisstadt ist?
Horst Bresan: Also – grundsätzlich sind Stadthallen eine wichtige Infrastruktureinrichtung. Sie dienen der lokalen Wirtschaft als Ort der Kommunikation, fördern die kulturelle Vielfalt und das gesellschaftliche Leben einer Stadt. Das gilt in Unna wie in Kamen. Aber eine kommunale Infrastruktur kostet Geld – ob es Turnhallen sind, Grünanlagen oder eben auch Stadthallen. Beide Hallen in Unna und Kamen verfügen über individuelle Stärken und sprechen durchaus unterschiedliche Kunden an. Die Unnaer Stadthalle wurde schon in den 1970er Jahren als Theater- und Kongresshaus konzipiert und sollte die Angebote Kamener Konzertaula ergänzen. Das war Konsens. Die Stadthalle Kamen kam dann erst später dazu – in der prosperierenden Zeit um die deutsch-deutsche Wiedervereinigung.

Wie wirtschaftlich kann/muss man an die Planung kultureller Veranstaltungen herangehen? Die Grünen vertreten die Meinung, man muss gerade auch Nischenkultur besetzen, CDU-Chef Gerhard Meyer findet das hingegen unverantwortlich – gerade in heutigen Spar-Zeiten. Ihre Meinung?
Horst Bresan: Die Lokalpolitik ist ein Spiegelbild unserer Bevölkerung; und da bestehen nun mal grundsätzlich unterschiedliche Haltungen. Das macht die Arbeit um die beste Entscheidung in einer Kommune ja so spannend. Allerdings kann man Ihre Frage nur etwas tiefgreifender beantworten, denn es gibt in dieser Sache kein Gut oder Mangelhaft.

bUNt Interkulturelle Woche

Kulturzentrum Disco

Was ist aus Ihrer Sicht denn das Optimum?
Horst Bresan: Die Kommune muss nach meinem Verständnis eine kulturelle Grundversorgung sicherstellen. Wichtig dabei ist die Frage, ob ein kulturelles Angebot Denkanstöße liefern kann, einen Kreativitätsschub auslöst oder einfach nur ein gutes Gefühl hinterlässt. Da sollte der wirtschaftliche Erfolg nicht unbedingt oberste Priorität haben. Und vergessen wir bitte nicht die Grundlage für den guten Ruf Unnas als Kulturstadt: Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Das war bislang immer unsere Erfolgsrezeptur.

Braucht Unna doppelte Ü-30-Partys in Stadthalle und Lindenbrauerei?
Horst Bresan: Sie sprechen unterschiedliche Veranstaltungsformate an, die über Konzept und Werbung unterschiedliche Zielgruppen erreichen. Beide Partys funktionieren und tragen zur Wirtschaftlichkeit der Veranstaltungshäuser bei. Was sollte also dagegen sprechen?

Vielleicht die Vorgabe, Kulturveranstaltungen zu bündeln?
Horst Bresan: So lange beide Konzepte ihrem Veranstaltungsort ausreichend Publikum und Erträge bringen, drängt sich dafür keine Notwendigkeit auf.

Was ist Ihrer Ansicht nach die größte Stärke der Stadthalle und welche die größte Stärke der Lindenbrauerei?
Horst Bresan: Unsere Stadthalle punktet als gute Stube der Stadt in der Multifunktionalität und Größe. Hier ist nahezu jede Produktion auf hohem Niveau umsetzbar. Sie bietet moderne Technik und eine hervorragende Akustik, die Künstler schätzen – aber auch fürchten (schmunzelt). Die Lindenbrauerei hat ihre Stärke in den Inhalten: Experimentierfeld, Ideen- und Projektschmiede. Und ganz klar Veranstaltungsort und Treffpunkt für Vereine, Initiativen und Einzelkünstler. Es gibt zudem eine gemeinsame Stärke: Mitarbeiter, die sich voll und ganz für den Erfolg ihrer Angebote einsetzen. Das ist gut für Unna, gut für die Kultur in unserer Stadt.

kultur

Verstehen Sie sich gut mit Regina Ranft?
Horst Bresan: Sehr gut! Wir plaudern gerne bei ein/zwei Lindenbier.

Welches Kulturangebot bzw. welche Event/s besuchen Sie privat – als Unnaer Bürger – am liebsten?
Horst Bresan (lacht) Fragen Sie mal Eltern nach ihrem Lieblingskind! Im Ernst, diese Frage kann ich unmöglich beantworten, ich bin da sehr breit aufgestellt. Ich besuche gerne Veranstaltungen unter freiem Himmel oder gehe ins Kino. Ich mag Public Viewing ebenso wie ein Konzert italienischer Tenöre. Ich höre gern Konzerte, schaue mir Bühnenstücke an und habe nichts gegen einen Abend mit einem lustigen Komödianten. Und Gänsehaut bekomme ich noch immer bei den vielen Ahh’s und Ohh’s, wenn bei der Festa die Lichter eingeschaltet werden.

Festa Italiana 2015 (30)

 

Und zum Schluss vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: „Unna wäre für mich keine Kulturstadt mehr, wenn…“
Horst Bresan: „… wenn wir, Politik – Verwaltung – Bürger, nicht mehr für das Beste in der Region streiten – unser Unna.“


– Das Interview finden Sie in gedruckter Version (leicht gekürzt) in unserem Rundblick-Monatsmagazin, das kostenlos in Unna, Kamen, Bergkamen, Fröndenberg und Holzwickede ausliegt.

Kommentare (1)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Der Mann verfügt meiner Ansicht nach über ausreichend Kompetenz. Gerade die Vielfältigkeit des kulturellen Angebots in Unna gefällt mir auch sehr. Darum komme ich auch immer wieder gerne nach „meinem Unna“ . Schönes Interview!

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