Rundblick-Unna » Unna Helau und Alaaf: Helmut Scherers erster Karnevalswagen von 1956 steht seit heute im Museum

Unna Helau und Alaaf: Helmut Scherers erster Karnevalswagen von 1956 steht seit heute im Museum

Der Körper mit Holzwolle hübsch kugelrund gestopft, auf dem Kopf ein dicker Stahlhelm, der hohl „Klong!“ macht, wenn man dranschlägt. Dies ist der klassische Westfale! Gut im Futter und ein alter Sturschädel. Westfalia heißt der schelmisch grinsende Schnauzbartherr, wie er da so kerzengrade in seiner kunterbunten Kohlenlore hockt. Seit heute steht er im Museum. Dem für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund. Helau!

Helmut Scherer

Helau? Jawoll. Oder Alaaf, jedenfalls, egal ob Helau oder Alaaf. Unnas liebenswerter Oberjeck Helmut Scherer hat es zu musealen Würden geschafft. Nicht er selbst natürlich (Scherer mag 80 sein, aber er ist längst nicht museumsreif), nein – aber sein Wagen: der allererste Karnevalswagen, mit dem der ober-karnevalsversessene Helmut Scherer 1956 erstmals durch Unna zog und mit dem er im Jahr darauf beim Rosenmontagszug in Bergkamen mitmarschierte. Kamelle, Alaaf und Helau!

Helmut Scherer

Humorfreie Empfehlungen, der Herr Oberjeck möge seine Pappnase nebst Karneval doch bitte am Rhein lassen oder, besser noch, im Rhein versenken, haben Scherer nie gestört, ebenso wenig wie der moralinsaure Hinweis darauf, dass der Westfale generell zum Lachen bestenfalls im Kohlenkeller verschwindet, um nach denkbar kürzester Zeit gänzlich humorbefreit mit einem Glas Essiggurken in der Faust und Spinnweben im Barthaar wieder am westfalengrauen Tageslicht aufzutauchen.

Nein, unser Helmut Scherer hat die Narretei in Unna hoffähig gemacht, selbst jetzt als Karnevals-Pensionär bleibt ihm der 11. 11. der höchste Feiertag im Jahr, und beim Kinderkarneval im Februar zog er fast 800 bunt geschminkten und kostümierten Minijecken stolz durch die Fußgängerzone voran.

Helmut Scherer

So weit zum Herrn Scherer. Jetzt noch kurz zu seinem ersten Karnevalswagen, der frisch zum Museumsstück geadelt wurde: Hinten prangt das Unnaer Stadtwappen drauf, frisch und duftend ist der Wagen mit Blumen geschmückt (da der Westfale, erklärt Scherer, ein Auge fürs Schöne hat und Blumen mag); das putzige Nicolai-Fachwerkhaus als „Kühlerfigur“ vorne drauf ist die Ehrerbietung an Scherers Heimatstadt, und der feiste Leib Westfalias – mit Holzwolle dick gestopfte Schlafanzugjacke – dient als dezenter Hinweis darauf, dass sich der Westfale gern und oft so richtig den Wanst vollschlägt.

Helmut Scherer

Der dicke Stahlhelm seht für den Dickkopf, den sturen Bauernschädel… und, ach ja, auch eine Brille thront normalerweise noch auf Westfalias Nase, nur für die Reise nach Dortmund hat Scherer sie ihm zur Sicherheit abgenommen. Bruchgefahr. „Der Westfale hat gern den Durchblick“, verrät Helmut Scherer die Symobolik dieses Requisits. Ob er ihn auch immer hat, den Durchblick, bleibt dahingestellt. Jedenfalls hätte (und hat) der Westfale sehr gern Recht.

Die Kulturgeschichtler aus dem Museum Dortmund sandten übrigens von sich aus die Anfrage nach Unna, ob man da nicht etwas so ganz Typisches, ganz Unna-mäßiges hätte, das als kulturgeschichtliches Kleinod für die Nachwelt taugen täte….? Die Frage landete bei Kulturhistroriker und Kreisheimatpfleger Dr. Peter Kracht sowas von haargenau richtig, und flugs schlug er den ersten Karnevalswagen des kleinsten Karnevalszugs der Welt vor  – im nächsten Jahr immerhin sechs runde Jahrzehnte alt.

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Die Museumsvertreter waren schier aus dem Häuschen, berichtete Helmut Scherer heute strahlend vor Glück und stolz. Ja, und so schoben und zogen denn heute um 10.10 Uhr zwei karnevalsliebende Stadtwerkemitarbeiter den musealen Jeckenwagen aus dem Keller des Katharinenhospitals ans Tageslicht, um den sturschädeligen Herrn Westfalia in seiner närrisch bunten Kohlenlore mit liebevoller Sorgfalt in den Stadtwerke-Lieferwagen zu verfrachten.

Helmut Scherer stieg glücklich mit ein und begleitete sein heimatkulturgeschichtliches Kleinod auf seiner Ehrenfahrt über die B 1 nach Dortmund. So ziemlich genau um 11 Uhr 11 dürfte das jecke Ausstellungsstück im Museum angekommen sein. Unna Helau und Alaaf!

Unna Wappen

Kommentare (4)

  • Margarethe Strathoff

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    Ein wirklich liebevoller Bericht über einen Herrn, der weit über Unna´s Grenzen hinaus „unser Unna“ bekannt gemacht hat. „UNna“ ist eben bunt und einfallsreich und unser kleiner Karnevalszug ist auch gar nicht mehr wegzudenken – dann würde ein Stück Heimat fehlen – Helau und viel Erfolg

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  • Helmut Brune

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    Dem Mann würde ich liebend gern nochmal begegnen. So um 1964 herum haben wir zusammen im Fanfarenzug des Burgerschützenvereins gespielt.

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