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„Unna hat wohl nur eine Wahl – Werner Kolter“: Dazu nickt sogar der CDU-Chef vor laufender Fernsehkamera

„Unna hat wohl nur eine Wahl: Werner Kolter.“ Und: „Ich muss feststellen: Gegen diesen Kolter ist in Unna kein Kraut gewachsen.“ Nach diesem Fernsehbeitrag von gestern Abend könnte die CDU ihren Tagesordnungspunkt „Bürgermeisterkandidat“ am Freitag bei ihrer Stadtverbandsversammlung eigentlich direkt in die Tonne werfen. Die „Abstimmung“, die an diesem Abend erfolgen soll, wirkt schon jetzt wie eine Farce.

Die WDR-Lokalzeit strahlte gestern Abend einen Beitrag über den amtierenden und wieder antretenden SPD-Bürgermeister aus, der Unnas Christdemokraten schon mit der Titelzeile die Entscheidung praktisch vorwegnahm: „Unna hat wohl nur eine Wahl: Werner Kolter.“ Zumal sich in dem Beitrag nicht nur Bürger auf dem Alten Markt und in der Fußgängerzone eifrig lobend über Kolter auslassen, sondern auch CDU-Chef Gerhard Meyer.

Gerhard Meyer CDU

Meyer zollt dem SPD-Bürgermeister vor der Kamera großkoalitionären Respekt und verliert kein Wort über einen – noch zumindest theoretisch möglichen – eigenen Kandidaten. Statt dessen sagt der CDU-Vorsitzende über den SPD-Bewerber, dass dieser auch aus CDU-Sicht „tief ins bürgerliche Lager eingedrungen“ sei und „auch ein bisschen die bürgerliche Sprache“ verkörpere. Kolter sei „kein Straßenkämpfer“. Und damit offenbar problemlos auch für jeden CDU-Anhänger wählbar, das jedenfalls schwingt mit.

Nochmal zur Erinnerung: „Eigentlich“ ist die Entscheidung der CDU über einen eigenen Kandidaten am 13. September noch völlig offen. Denn zwei der fünf Ortsunionen sprachen sich vehement für eine christdemokratische Kolter-Alternative aus, und die finale Abstimmung erfolgt erst am Freitagabend. Aber, tja – möglicherweise, es scheint so, ist tatsächlich auch für die CDU (-Spitze) längst schon alles entschieden. Wenn sie Werner Kolter haben können, brauchen sie nichts eigenes. Ironie aus.

Jedenfalls bekommt bzw. behält Unna mit Werner Kolter einen Netten. Charlotte Kunert, Grünen-Chefin, spricht WDR-Redakteur Kay Bandermann diese freundliche Beschreibung des SPD-Bürgermeisters ins Mikrofon: „Er ist ein charismatischer, netter Mensch. Die meisten Menschen mögen ihn.“ Werner Kolter offenbart gegenüber dem Fernsehteam freilich seine leichten Schwierigkeiten mit der Vorstellung, als Alleinkandidat überhaupt einen Wahlkampf zu führen. Es stelle es sich schwierig vor, die Bürger von der Wichtigkeit einer „Wahl“ zu überzeugen, bei der es ohnehin nur einen Gewinner geben könne.

Der Schlusssatz des WDR-Beitrags spricht jedenfalls Bände: „Es sieht so aus, als müsste Werner Kolter Wahlkampf gegen sich selbst machen.“

Link zum WDR-Beitrag: http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit/lokalzeit-aus-dortmund/videounnahatwohlnureinewahlwernerkolterwarum100.html

 

Kommentare (11)

  • Helmut Brune

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    Wahlkampf gegen sichselbst, die Debatten möchte ich sehen. ha ha ha

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  • Christel Heinze via Facebook

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    Ich mag Werner Kolter sehr,als Bürgermeister und auch persönlich……… aber als CDU-Mitglied fühle ich mich von meinem Stadtverbandsvorsitzenden echt verschaukelt. Warum sollte ich da am Freitag noch zur Stadtverbandssitzung gehen???? Da verbringe ich doch lieber den Abend mit meiner Familie!

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  • Gerd Neumann

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    Ist schon toll. Da sagt Herr Meyer monatelang, er wolle die „Basis“ befragen und die Entscheidung den Mitgliedern überlassen und lässt das ganze monatelang in den Ortsverbänden beraten.
    Nun verkündet er im TV die Entscheidung und geht davon aus, dass sein scheindemokratisches Taktieren bei der großen Abstimmung mitgetragen wird.
    Mal schauen, ob ihm das mal wieder so reibungslos gelingt.

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  • Ernst F.

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    Na super, so sieht also ein basisdemokratischer Abstimmungsprozess unter Meyer aus. Das Ergebnis der Bürgermeisterfrage war ja vorher bekannt, aber dass er es jetzt schon vor der entscheidenden Sitzung im Fernsehen verbreitet, ist ein Schlag ins Gesicht für alle CDU-Leute, die an ein wirklich offenes Ergebnis geglaubt haben.

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  • J.Müller

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    Genau das selbe hat bei Bekanntwerden der Kandidatur Kolters auch der Fraktionsvorsitzende der CDU gesagt und ist dafür von Meyer öffentlich gedemütigt worden. „Bei uns wird das nicht von Heckmann entschieden, sondern von der Basis.“ Welch eine Heuchelei!!

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  • Jama To

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    Es gehört viel Mut sich zu einem anderen zu bekennen! All Respekt!

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  • Fürst

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    Wenn Wahlen dem Bürger etwas bringen würden, wären sie verboten!
    Wir leben un ‚mal in einer Parteien-Diktatur.

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  • Elke Schmidt

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    …und wer nicht spurt, der fliegt ?…oder geht freiwillig…

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  • Bastian D.

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    Jetzt kommt doch bestimmt gleich wieder so ein triefender Kommentar eines devoten Parteisoldaten, der diese Selbstentlarvung Meyers „schönzuschreiben“ versucht.

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  • Rudolf Fröhlich

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    Es ist schon merkwürdig, mit welchem Eifer sich hier manche (die vermutlich überwiegend nicht mal ansatzweise zu Wählern der CDU gehören), zu einer Thematik äußern, die einzig und allein Sache der CDU ist. Die gleichen Personen haben offenbar aber kein Problem damit (oder noch nicht registriert?), dass alle anderen Parteien in Unna ebenfalls keinen Kandidaten aufstellen wollen. DIE haben das wohl überwiegend am grünen Tisch entschieden. Bei der CDU machen das am 24.04. die Mitglieder! Und zu den Aussagen von Gerd Meyer: Es gehört allemal mehr Mut dazu, eine (unpopuläre??) Meinung zu vertreten, als der Masse nach dem Mund zu reden. Es sind anscheinend überwiegend die erklärten Gegner der CDU, die sauer sind, dass es möglicherweise (denn entschieden ist das noch keinesfalls!!) keinen CDU – Gegenkandidaten geben könnte. Und zu Frau Christel Heinze, die ja CDU – Mitglied ist: Frau Heinze, w e n n Sie einen CDU-Kandidaten wünschen, dann sollten Sie am Freitag auch Ihre Stimme dafür abgeben. Den Abend dann zu Hause auf dem Sofa zu verbringen, wäre dann die völlig falsche Reaktion! Ich persönlich habe mich übrigens bekannterweise aus verschiedenen Gründen gegen einen CDU-Konkurrenten gegen Herrn Kolter ausgesprochen, aber ganz sicher nicht deswegen, weil ich die SPD so toll finde. Wir sind eine demokratische Partei und werden das demokratisch, d.h. per Mehrheitsbeschluss entscheiden. Und ich bin sicher: Wir alle sind Demokraten genug, andere Meinungen auch zu achten und am Ende ein mehrheitliches Votum, egal ob dafür oder dagegen, zu akzeptieren!

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