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UKBS zum Wohnungsmarkt in Unna: „Ja – es gibt Wartelisten“ – Vor allem Familien haben Probleme

„Ja – natürlich gibt es Wartelisten.“ Unumwunden bestätigt der Chef des kommunalen Wohnungsunternehmens UKBS, Matthias Fischer, gegenüber unserer Redaktion die angespannte Lage auf dem Unnaer Wohnungsmarkt.

Die Knappheit insbesondere an preiswertem Wohnraum bzw. Sozialwohnungen war in den Focus gerückt, als  die Stadtverwaltung vorletzte Woche vor der Politik ihr Konzept für kurzfristige Flüchtlingsunterbringung  vorstellte. Dies soll mit einer vorsorglichen Anmietung von Wohnungen übers Stadtgebiet verteilt geschehen, damit ein „Wohnungspool“ auf Reserve für kurzfristig zugewiesene anerkannte Asylanten zur Verfügung steht.

In der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses vor der Osterpause hatte die Politik diesem Modellversuch mit breiter Mehrheit zugestimmt. Als  Devise gilt: Dezentrale Unterbringung statt Zentrierung von Flüchtlingen. Dies diene auch der Integration, denn anerkannte Asylbewerber „bleiben bei uns“, wurde argumentiert. Faktisch können anerkannte Geflüchtete nach 3 Jahren unbeschränktes Bleiberecht beantragen und nach 6 Jahren eingebürgert werden.

Klaus Göldner

Kritische Nachfragen zu der vorsorglichen Anmietung von Wohnungen durch die Stadt stellte in der Sitzung allein Klaus Göldner von der Freien Liste Unna (FLU).  Ob für Geflüchtete nicht auch die renovierten Wohnungen in der Landesstelle Massen geeignet wären, wollte er wissen;  und ob es nicht problematisch wäre, dem ohnehin knappen Unnaer Wohnungsmarkt den begehrten Wohnraum „auf Vorrat“ für Flüchtlinge zu entziehen?

Allein durch diese sehr sachlich formulierte (und zuvor schriftlich eingereichte) Anfrage sah sich der FLU-Fraktionsvorsitzende „in eine Ecke gerückt“, wie er selbst mit vernehmlichem Nachdruck reklamierte. Von CDU-Fraktionschef Rudolf Fröhlich kam der Vorwurf, Göldner würde „unterirdische Fragen“ stellen und Gruppen gegeneinander aufhetzen: Flüchtlinge und (sozial benachteiligte) Einheimische. Diese Konkurrenz um Wohnungen und auf dem Arbeitsmarkt gebe es längst, wies Göldner die Anwürfe scharf zurück.

UKBS Fischer V

UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer sagte im Gespräch mit unserer Redaktion Folgendes zu der heiklen Thematik:

„Ja, das ist schon eine problematische Situation. In Unna eine große, preiswerte Wohnung zu finden ist schwierig. Leerstände sind deutlich zurückgegangen.“

Auf Vorrat Wohnungen anmieten, um kurzfristig zugewiesene Flüchtlinge unterbringen zu können, täten andere Städte auch, die Überlegungen der Stadtverwaltung könne er nachvollziehen, so Fischer. Die Stadt stehe in der Pflicht, zugewiesene Flüchtlingen unterzubringen. „Ich kann aber auch die Befürchtungen von Wohungssuchenden in Unna nachvollziehen. Das ist schwierig und kurzfristig nicht zu lösen.“

So plant die UKBS z. B.  an der Heinrichstraße in Königsborn den Neubau von ca. 40 Wohnungen, in dem Altgebäude wohnen nur noch wenige Mieter. Bis die neuen Wohnungen aber bezugsfertig sind, wird es bis 2018/19 dauern, sagt Matthias Fischer. Auch die rund 140 geplanten neuen Wohnungen an der Potsdamer Straße (diese sind kein UKBS-Projekt) werden erst in 2 Jahren schlüsselfertig sein. Das brauche alles seine Zeit, bedauert Fischer. „Und uns fehlen zudem geeignete Grundstücke, um die fehlenden Wohnungen kurzfristig zu bauen.“

Können sich Wohnungssuchende bei der UKBS auf Wartelisten setzen lassen? „Ja, natürlich“, bietet Matthias Fischer an. „Gerade Familien haben wir schon besonders im Blickpunkt, und es werden immer mal Wohnungen frei.“ Im Durchschnitt habe die UKBS jährlich 250 Mieterwechsel. Diese Zahl bezieht sich allerdings nicht nur aufs Stadtgebiet Unna, sondern auf den gesamten Bestand der UKBS  – aktuell  2.862 Wohnungen kreisweit.

Hier das Statement der CDU


WIR – Wohnen im Revier

„Die kommunale Wohnungswirtschaft hat eine besondere Verantwortung. Sie muss eine führende Rolle übernehmen!“ Davon zeigte sich Matthias Fischer nach einer Tagung der kommunalen Wohnungsunternehmen des Ruhrgebiets („WIR – Wohnen im Revier e.V.) überzeugt. Der steigende Wohnraumbedarf erfordere den Neubau von Wohnungen, die bezahlbar, generationsgerecht und energieeffizient seien.

Bei der Fachtagung „WIR-FORUM“ in Gelsenkirchen erörterten die Vertreter aus Wohnungswirtschaft, Kommunen und Politik gemeinsam mit Landes-Staatssekretär Michael von der Mühlen die aktuelle Entwicklung des Wohnraumbedarfs. Anhand wissenschaftlicher Untersuchungen wurde deutlich, dass auf die kommunalen Wohnungsunternehmen „vor Ort“ besondere Herausforderungen zukommen. Hier muss es vor allem um die Steigerung des Wohnungsneubaus und um die Verbesserung der Infrastruktur gehen, aber auch zum Beispiel um die Errichtung von Kinder-Tagesstätten und Flüchtlingsunterkünften.

Die Expertenrunde machte auch auf brennende Probleme aufmerksam: So fehle es schlichtweg an Bauland, vor allem zu bezahlbaren Konditionen. Zudem würden immer häufiger neue Anforderungen an die Neubauten gestellt.

Immerhin verfügten die 14 in der Gruppe „WIR“ zusammengeschlossenen kommunalen Wohnungsunternehmen über rund 94.000 Wohnungen, darunter die UKBS mit 2.862 Wohnungen. „WIR“ repräsentiere damit eine der größten Anbietergruppen von professionell bewirtschafteten Wohnungen im Ruhrgebiet, stellte Fischer heraus.

Kommentare (11)

  • Helmut Brune

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    Den Entzug von Wohnungen aus dem Angebot, um sie „Auf Vorrat“ für Flüchtlinge zu reservieren, kann ich auch nicht Gutheißen. Also finde ich die Fragen des Hernn Göldner auch nicht so Unterirdisch. Die Herren Politiker und Manager sollten ihre Besprechungen und Planungen beschleunigen, damit so Schnell wie Möglich etwas Handfestes entstehen kann, was den Wohnungssuchenden hilft.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Was an einer sachlichen Anfrage überhaupt „unterirdisch“ sein soll, erschließt sich dem normalen Betrachter gänzlich nicht.

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  • fürst

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    …und schon ist die vorausgegangene Behauptung, es gebe keine Wartelisten, vom Tisch.
    Keinen kümmerst es, wer da warum zuvor die Unwahrheit darstellte.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Weil diese Behauptung schlicht lächerlich war und das auch jeder wusste/weiß, fürst.

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  • Mike

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    UNglaubliche Politiker die meinen sie könnten die Bürger veräppeln und selbst gute Politiker wie Hr. Göldner werden versucht als Buhmann hinzustellen, gut das bald Wahlen sind und man diese Leute abwählen kann.

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  • Markus Antonius

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    Es ist genau diese Unehrlichkeit der Systemparteien, die die Wähler den Populisten von Rechts und Links in die Arme treibt.

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  • Hans Bergmann

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    Also unterirdisch und unchristlich finde ich, der Bevölkerung Wohnungen wegzunehmen oder nicht den hier schon immer Lebenden zu lassen, um sie Fremden zu geben, die nach 3 Jahren wieder nach Hause gehen, wenn der Krieg vorbei ist. Hat schon jemand mal gefragt, ob Merkels Gäste es überhaupt erwarten ?!? Vielleicht sind sie ja mit bescheidenen Wohnungen zufrieden und wollen den Gastgebern nichts wegnehmen, weil sie einfach nur froh sind, überlebt zu haben…

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  • Herbert

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    Was ist denn an der Frage des Herrn Göldner unterirdisch? Unterirdisch ist die Scheinheiligkeit der CDU, die kaum noch zu ertragen ist. Hier wird von christlicher Nächstenliebe gefaselt, aber in Bund und Land versucht die CDU alles, um Flüchtlinge schnell wieder los zu werden. Für wie doof haltet ihr die Wähler eigentlich?

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  • Alexander O.

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    Als sogenannter Spätaussiedler habe ich die erste Zeit nach meinem Zuzug in Unna Massen verbracht. Nach kurzer Zeit war ich selbst dafür verantwortlich, meine Angelegenheiten zu regeln. Ich glaube, dass Selbstverantwortung auch wichtig für eine Integration ist.

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    • fürst

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      Richtig. Hilfe zur Selbsthilfe ja, aber keine Gängelei!

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  • Christel

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    Ja auf jeden Fall Alexander, aber die Parteien SPD/CDU scheinen sich in den letzten Jahren um 180 Grad gedreht zu haben.

    Heute wird alles auf dem Silbertablett serviert. Der Bürger braucht selbst nichts mehr tun und bekommt alles in den Hintern geschoben. Als Dank wählt er dann eine GroKo, die den Bürger entmündigt hat. So braucht der Bürger nicht mehr nachdenken und nur noch sein Kreuzchen an die 1. oder 2. Stelle zu setzen.

    Damit braucht die GroKo sich dann im Wahlkampf auch nicht mehr anstrengen, die Stimmen haben sie dann schon „im Sack“.

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