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Überraschender Vorstoß in der Osternachtspredigt: Kath. Gemeinden sollen „Tafel“ mit neuen Räumen helfen

Überraschender Vorstoß in der Osternachts-Predigt in St. Katharina. Die katholischen Gemeinden sollen der „Tafel“ im Kreis Unna aktiv mit neuen Räumlichkeiten helfen. Dies forderte – für manche Gottesdienstbesucher in verblüffender Deutlichkeit – Gemeindereferent Ludger Büngener, der die Osternachtspredigt hielt. Provokant kleidete er seine Überlegung in die Formulierung: „Sind unsere Pfarrhäuser nur als verlängerte bürgerliche Wohnzimmer zu verstehen? Ich glaube: nein!“

Ludger Büngener

Sein Vorstoß war mit dem Leitungsgremium des Pfarrverbundes nicht abgestimmt, erklärte Büngener gestern auf Nachfrage unserer Redaktion. „Meine Äußerung war als eine mögliche Idee zu verstehen, konkrete Hilfe zu leisten. Ich möchte einen Diskurs in unseren Gemeinden anregen, aufrütteln, zum Nachdenken anregen, die Auferstehungsbotschaft konkret werden zu lassen. Eher als ,genereller´Fingerzeig…“

Büngeners genereller Fingerzeig hat einen sehr konkreten dringlichen Hintergrund. Zum 30. September verliert die Tafel im Kreis Unna ihre Ausgabestelle in Königsborn. Der Mietvertrag für die Räume an der Fliederstraße sind gekündigt, bestätigte Leiterin Ulrike Trümper vorige Woche gegenüber Antenne Unna.

Da die Tafel für Bedürftige eine enorm wichtige Anlaufstelle sei und zunehmend auch Flüchtlinge mit Lebensmitteln versorge, ist es nach Ludger Büngeners Selbstverständnis eine Selbstverständlichkeit, dass die katholischen Gemeinden in Unna sich um Hilfe bemühen. Sie sollen sich in den folgenden Wochen in dem von Büngener angeregten Diskurs Gedanken darüber machen, in welchem kirchlichen Gebäude – bzw. Pfarrhaus – eine Ersatzausgabestelle für die Tafel eingerichtet werden könnte.

Tafel Unna Ausgabe

Die Kündigung des Mietvertrags in Königsborn ist für die Tafel deshalb so problematisch, weil dort auch die Lebensmittel für alle übrigen Ausgabestellen gelagert werden. Die Tafel Unna beliefert von Königsborn aus Ausgabestellen nahezu im gesamten Kreisgebiet: Unna-Massen (Melanchthon-Haus), Holzwickede, Fröndenberg, Lünen, Bönen, Werne, Bergkamen und Selm. Viele Menschen, wissen die Ehrenamtlichen, sind auf die kostenlosen Nahrungsmittel angewiesen.

In den vergangenen Jahren hat die Tafel im Kreis Unna kreisweit rund 10.000 Tafelausweise an Bedürftige ausgegeben. Dazu zählen Arbeitslose (darunter viele Alleinerziehende), Geringverdiener und Senioren, die von ihrer schmalen Rente nicht leben können. Die meisten von ihnen, schildert die Tafel auf ihrer Homepage eindringlich das Problem,  kommen trotz Sparsamkeit nur schwer über die Runden. Sei das Geld knapp, werde häufig bei der Ernährung gespart.

„Insbesondere frisches Obst und Gemüse sowie Milch und Fleisch werden zu Luxusgütern, die sich die Betroffenen oft nicht leisten können. Gleichzeitig fallen täglich in Supermärkten, in Hotels und Restaurants, auf Veranstaltungen, Wochenmärkten oder im Einzel- und Lebensmittelgroßhandel große Mengen Lebensmittel an, die im Wirtschaftskreislauf nicht mehr verwendet werden, obwohl ihr Zustand noch einwandfrei ist.“

Die Tafeln bemühen sich um einen Ausgleich: Sie sammeln überschüssige Lebensmittel, die sonst vernichtet würden, und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen – kostenlos oder zu einem symbolischen Betrag. Eine Idee, von der alle profitieren: Bedürftige erhalten qualitativ hochwertige Nahrungsmittel, Lebensmittelspender übernehmen soziale Verantwortung und reduzieren Entsorgungskosten.

„Tafeln sind Orte der Begegnung, hier entstehen neue Kontakte und Freundschaften“, betonen die Initiatoren außerdem den wichtigen sozialen Aspekt der Ausgabestellen. „So wird ein soziales Netz geknüpft, das allen hilft.“

Die Tafeln und der Bundesverband finanzieren sich in erster Linie über private Spenden. Darüber hinaus erhalten sie Sachspenden in Form von Lebensmitteln, Gutscheinen oder fachlichem Know-how. Bundesweit unterstützen tausende Betriebe und Unternehmen die Tafeln: Bäckereien, Fleischereien und Supermärkte spenden Lebensmittel, Kfz-Werkstätten reparieren Tafel-Fahrzeuge, Grafiker und Druckereien erstellen Informationsmaterial.

(Fotos: Tafel Unna)

Kommentare (1)

  • Jama To

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    Ich finde es für Ehrenamt sollte man auch die Helfer schätzen! Was leider fehlt! Bei Tafel fällt das besonders! Nach meiner Unfall, vor paar Jahren habe ich das auch eingestellt! Noch nicht einmal ein gute Besserung gab’s! Obwohl ich mich abgemeldet habe und meine Beinbruch gemeldet habe! Armutszeugnis für solche Organisation!

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