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Trotz Ermittlungen: Forschungsprojekt LaSiSe „voll auf Kurs“

Es geht um möglichen Fördergeldbetrug in Millionenhöhe, staatsanwaltliche Ermittlungen, rote Zahlen eines Vorzeige-Forschungsprojekts und Konflikte mit Gesellschaftern. Die exklusiven Enthüllungen des aus Unna stammenden Welt-Redakteurs Kristian Frigelij haben die Chefs des Forschungs- und Technologiezentrums Landungssicherheit Selm (LaSiSe) in Erklärungsnöte gebracht. Verantwortlich für das Renommierprojekt, das auch von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Kreis Unna gepusht wurde, ist eine gemeinnützige Betreibergesellschaft. Diese ließ die Teststrecke für beladene Fahrzeuge in Selm überwiegend mit öffentlichen Geldern bauen.

Der Geschäftsführer dieser „LaSiSe“-Gesellschaft, Ralf Damberg, wusste, dass die „Welt“ seit Längerem recherchierte und über Betrugsvorwürfe berichten würde. Die schwerwiegenden Enthüllungen blieben undementiert: dass die Staatsanwaltschaft Dortmund wegen Verdacht auf Fördergeld-Betrugs gegen den Geschäftsführer ermittelt, dass es Konflikte unter den bisherigen 19 Gesellschaftern gibt.

Gegenüber den Journalisten gab sich die Geschäftsführung jedoch bisher überzeugt: Alle strafrechtlichen Vorwürfe, die über anonyme Anzeigen erhoben wurden, werden sich als gegenstandslos erweisen. Und das finanzielle Defizit der LaSiSe in Höhe von 1,2 Mio. Euro, so Damberg, sei kalkuliert gewesen. Der Wirtschaftsprüfer habe alle Vorgänge für unbedenklich erklärt, schrieb die LaSiSe in einer zweiseitigen Pressemitteilung. Der Aufsichtsrat sekundierte: „Ralf Damberg hat als Geschäftsführer einen prima Job gemacht. Unser Forschungszentrum ist voll auf Kurs.“ Das Aufsichtsgremium sei seit ca. einem Jahr (November 2013), über die Ermittlungen informiert.

Die rund 6 Millionen teure Teststrecke wurde im Vorfeld zum „Leuchtturmprojekt“ für den Kreis Unna und weit darüber hinaus für die Region erklärt. Mit mehr als 4,3 Millionen Euro haben Land NRW und EU das Projekt gemeinsam gefördert. Diese Fördermittel fließen die ganze Zeit über weiter: trotz der Ermittlungen wegen Betrugsverdachts und trotz der immer zwielichtigeren Rolle, die mittlerweile die IHK zu Dortmund mit ihrem Präsidenten Udo Dolezych in der Gemengelage spielt: Er und sein Sohn Tim Dolezych gehören zu den 19 Gesellschaftern der LaSiSe. Gegen Udo Dolezych und den IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz hat der Bundesverband der freien Kammern Strafanzeige wegen Verdachts auf Vorteilnahme gestellt (Rundblick berichtete). Denn das Engagement der IHK überschreite „bei Weitem“ die Grenzen des Zulässigen, in denen ein Verband gewerbliche Wirtschaft fördern dürfe.

 

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