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Totenglöcklein für Anne-Frank-Realschule, Platznot für Gymnasien und Gesamtschulen

Für die Anne-Frank-Realschule sind die Tage gezählt. Vor dem Schulausschuss am Dienstagabend zog Schulentwicklungsplaner Dr. Ernst Rösner ein in dieser Deutlichkeit schmerzliches, aber offenbar unumgängliches Fazit: Unna hat Bedarf an einer Realschule – aber eben nur an einer, und diese ist nicht die Anne-Frank-Schule in Königsborn, sondern die Hellweg-Realschule in Massen.

Diese wird – zweites Fazit – bei einem Wegfall der Schwesterschule in Königsborn Raumprobleme bekommen, doch nicht dauerhaft, da die Schülerzahlen generell sinken. Ein drittes Fazit, das Dr. Rösner aus dem Anmeldeergebnis der vorigen Woche sowie einer Elternbefragung von Zweit- und Drittklässlern zog: Unnas drei Gymnasien und die beiden Gesamtschulen stehen vor einem Luxusproblem – „sie werden überlaufen“, drückte Rösner es offen aus. Was ihn sogleich zu der Empfehlung führte, künftig konsequent zuerst die Unnaer Kinder aufzunehmen und auswärtige Schüler notfalls strikt abzuweisen.

Beide Realschulen schwächelten bei der am Freitag zu Ende gegangenen Anmelderunde, doch das Resultat für die Anne-Frank-Schule ist verheerend. Sie verlor, verglichen mit dem Vorjahr, 22 neue Schüler. Der Trend weg von der Realschule ist landes- und bundesweit und wird sich fortsetzen, warnte Ernst Rösner mit dem deutlichen Wink an Holzwickede, wo gerade überlegt wird, selbst noch eine eigene Realschule zu gründen. „Auf Basis des Elternwillens wäre eine solche Schule durchaus realistisch, sie wäre sogar komfortabel zweizügig“, erklärte Rösner. „Das ginge aber drastisch auf Kosten des Clara-Schumann-Gymnasiums, das sogar in seinem Bestand gefährdet wäre.“ Der Schulentwicklungsplaner, dessen Empfehlungen gerade in Holzwickede kritisch gesehen werden (da er sich z. B. die Josef-Reding-Hauptschule betreffend massiv zu Ungunsten der Schule verschätzte), gab der Emschergemeinde einen kühnen Rat: „Alle drei Schulen auflösen und eine neue Gesamtschule gründen.“ Ein Raunen ging durch den Saal, doch Ernst Rösner war nie bekannt dafür, ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Unna wird in den kommenden Jahren mit einem Run auf Gymnasien und Gesamtschulen fertig werden müssen. Die neuen Anmeldezahlen ergeben 107 neue Schüler für beide Realschulen (darunter 44 Einpendler), 316 für die drei Gymnasien (darunter 67 Einpendler) und 348 für die beiden Gesamtschulen – mit allerdings 154 Einpendlern, was 44 Prozent ergibt. Um Planungsgrundheit für die nächsten Jahre zu bekommen, wurden zudem 1040 Eltern von derzeitigen Zweit- und Drittklässlern über ihre künftige Präferenz befragt: 984 schickten ihre Fragebögen zurück, „das sind sensationelle 95 Prozent“, lobte Rösner. Das Ergebnis: überraschend gut für die Schulform Realschule (141 „Votes“, davon 66 bei den Zweitklässler- und 75 bei den Drittklässlereltern). Satte 292 fürs Gymnasium 142/150) sowie 149 für die Gesamtschule (74/75). Die Realschulvertreter bat Rösner dennoch: „Gehen Sie nicht davon aus, dass es so wird. Ich will Sie nicht in trügerische Ruhe versetzen. Keine Schulform – auch nicht die Hauptschule – hat in diesem Jahr so drastisch verloren wie die Realschule.“ Es gelte, den Elternwillen zu respektieren, meinte Rösner, als früherer Realschüler selbst nicht ohne Bedauern. Und Fakt sei, dass die Realschule mit dem Auslaufen der Hauptschule zur „Basisschule“ werde. Man kann dazu auch drastisch sagen: Restschule.

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