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The Show must go on: Umjubeltes Tribut an Mercury

queen kings unna aufmacherbildRappelvoll, ausverkauft, ein Gedränge wie auf der Südtribüne und die Stimmung so ein bisschen vergleichbar g…l – also genial…: Nein, also an der genialen Tribute-Reihe kann es am wenigsten liegen, dass die Lindenbrauerei so in Schieflage geraten ist, am Freitagabend erzitterte das Kühlschiff jedenfalls unter den unvergessenen Mega-Hits von Freddie Mercury´s Queen und dem Toben und Klatschen der Zuhörer – zumeist Queen-Fans der ersten Stunde, so weit das rein optisch und von der Textsicherheit her zu beurteilen war, viele haben Queen noch im Radio gehört und auf MC (Musikcassetten) aufgenommen oder sogar noch live auf der Bühne erleben können.

Mirko Bäumer: Eher Bon Jovi als Freddy Mercury

Was in den 70ern Queen war, sind jetzt die Queen Kings. Die kündigen ihre Auftritte selbstbewusst als „More than just a tribute“ an und versprechen nicht zuviel, auch wenn Leadsänger Mirko Bäumer optisch eher entfernt an Bon Jovi erinnert als an den legendären Queen-Frontmann, doch simmlich passt es ganz gut; überhaupt erwarten die Fans hier gar keine leibhaftige Mercury-Reinkarnation: Einige in der ersten Reihe tragen stolz ihre Band-T-Shirts mit Aufdruck „The Queen Kings“, nicht etwa Queen. Die Nachfolger haben ihre Anhänger schon dicht um sich geschart.

Man vergisst nach mehr als drei Jahrzehnten irgendwie all die wahnsinnig genialen Stücke, die Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon seit den frühen 70er Jahren auf die Bühne gebracht und auf Zelluloid gepresst haben…. „We will, we will rock you…“ der Mega-Mitsing-, Mitklatsch-, Mitstampf-Hit, „Crazy little thing called love“ – das Kühlschiff wogt, wippt, swingt und schnippt. Bei „Bicycle Race“ klingeln alle fünf Bandmitglieder neckisch zum Schluss mit bunten Fahrradschellen, da gibt´s kaum noch ein Halten bei den Fans.

Queen im  Schnelldurchlauf

Manche Queen-Mega-Hits – „We are the champions“ ist ein Beispiel – kann schon jeder fünfjährige BVB-Fan mitgröhlen (womit wir wieder bei der Südtribüne wären), aber die Band hat noch ganz andere, sehr tolle Stücke produziert: Die operettenhafte Rock-Hymne „Bohemian Rhapsody“ zum Beispiel, im Original stolze sechs Minuten lang („Is this the real life / is this just fantasy…“)… – das wuchtig-rockige „Liar“: „Das kennen hier zumindest alle, die ein Rock-T-Shirts tragen“, ruft Sänger Mirko Bäumer blendend gelaunt, „und alle anderen lernen es jetzt im Schnelldurchgang kennen!“ Damit behält er absolut Recht, denn bei den Queen Kings ist Mitsingen Pflicht und niemand darf schummeln. Das weiß man in Unna, das Queen-Tribut rockt schließlich nicht zum ersten Mal das Kühlschiff.

Bei „I want to break free“ brüllt Mirko „Arme hoch – alle!!“, und tatsächlich schwingen (fast) alle Arme in die Senkrechte. Bassist Rolf Sander, der 2006 von Brian May und Roger Taylor persönlich für das Queen-Musical „We will rock you“ ausgewählt wurde (und sogar bei einem Live-Konzert mit ihnen zusammen spielte), darf sein Musikertalent bei einem zehnminütigen Solo beweisen, und bei „Under pressure“ kommt Sängerin Susann Bollier zum Zug – in Netzstrümpfen und knappem Mini rockt sie aus dem Bühnendunkel nach vorn ins Scheinwerferlicht und legt mit Mirko zusammen ein umjubeltes Rock-Duett hin, das Publikum tobt.

Ganz kurze Getränkepause stört die Stimmung

Leicht abtörnend wirkt die „kurze Pause“, die der Sänger gleich im Anschlus an die Liebesballade „Love of my Life“ ankündigt (der Lovesong nur mit Gesang und Akustikgitarre vorgetragen) – also eine, „okay, ganz kurze“ (Getränke-)Pause, weil die, die so mittig im Gedränge stehen, echt nicht da rauskommen“. Das Kulturzentrum muss Geld durch Bewirtung hereinbekommen, gut und schön, aber bitte keine Pausen mitten in Rockkonzerten – das geht irgendwie gar nicht, auch wenn das Publikum sich artig fügt. Was soll es auch sonst machen.

Egal jetzt, das Tolle an den Queen Kings ist, dass sie sich mit Sängerin Susann mutig auch an die komplexen vielstimmigen Chorsätze wagen und konsequent immer wieder unbekanntere Songs dazwischenstreuen, ohne sich von fragenden Gesichtern beeindrucken zu lassen. Beim Konzert im Kühlschiff ist gleich der vierte Song schon eher nicht so bekannt, „Death on two legs“. Aber eingerahmt von „Killer Queen“ und „I want to break free“ hält die Band ihr Publikum auf gleichbleibendem Stimmungsniveau, und wer sich umblickt, sieht überhaupt manche Kenner, die jede Note und Silbe auswendig mit geschlossenen Augen herunterbeten können. Und dies auch tun, inbrünstig und irgendwie voll auf Retro.

Vorfreude auf die nächsten Retro-Konzerte

Vorfreude jetzt schon auf die nächsten Tribute-Konzerte: Creedance Clearwater Revival (CRR) am 30. November, Dire Straits am 11. April 2014. Die Queen Kings spielen als Nr. 14 dieses Abends „The Show must go on“ – jenen letzten Song von Freddie Mercury, mit dem sich der bereits vom Tod gezeichnete Sänger von der Bühne, seinen Fans und seinem schillernden Leben verabschiedete. „The Show must go on“ könnte man, nein muss man als Leitmotiv über der Eingangstür der Lindenbrauerei festnageln.

Kommentare (1)

  • regina ranft

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    hallo silvia,
    wir haben noch nie künstler zu einer zwangs- getränkepause verdonnert!und werden das in zukunft
    auch nicht tun! die künstler entscheiden,ob sie eine pause machen wollen.
    und willst du mal was über die hintergründe des finanziellen engpasses hören? dann melde dich bei mir.
    ansonsten toller artikel!
    gruß regina

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