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Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen: Unna ist nicht allein – Sogar Großstädte testen es

Tempo 30 auf Unnas Hauptverkehrsachsen: Kein einziger Rundblick-Bericht bisher hat eine derartige Lawine fassungsloser und meist empörter Kommentare ausgelöst wie der gestrige zu den Ergebnissen des Verkehrslärm-Gutachtens.

Danach wäre Tempo 30 auf Unnas Hauptverkehrsstraßen – Verkehrsring, Friedrich-Ebert-Straße, Hammer Straße – durchaus praktikabel, ohne den Verkehr zum Erliegen zu bringen. Dafür nähme die Geräuschbelästigung um ca. 3 Dezibel ab. Die Diskussion, ob das Sinn macht, läuft derzeit in vielen Städten.

Es geht im Zuge der Umsetzung einer EU-Richtlinie auch in Unna zunächst um den Lärmaspekt, nicht um die Frage der Sicherheit. Diese erhöht sich durch langsameres Fahren innerstädtisch beträchtlich. Studien in der Schweiz (derzeit Vorreiter für Tempo 30) haben ergeben, dass die Zahl sowie Schwere der Unfälle durch Tempo 30 statt 50 um bis zu einem Viertel (25 Prozent) abnahm.

In Unna – zur Erinnerunng – geht es aktuell um die Frage: Wie kriegen wir die Straßen leiser? Viele Nachbarstädte tüfteln derzeit ebenfalls an dieser Frage. Alle haben leere Kassen, insofern – das wurde auch bei der Diskussion im Unnaer Verkehrsausschuss deutlich – wäre Temporeduzierung zunächst mal die kostengünstigste Lösung.

Die Stadt Essen – im Gegensatz zu Unna sogar eine Großstadt – hat seit Ende September auf drei Hauptverkehrsstraßen probeweise die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h herabgesetzt, um die Anwohner vor Lärm zu schützen. Das Tempolimit gilt aber nur nachts. Essen folgt damit einem Göttinger Modellversuch.

Wer sich in Essen auskennt: Die dortigen Tempo 30-Testabschnitte liegen auf der Steeler Straße, der Gladbecker- und der Stauderstraße. Wer sich nicht auskennt: Alles sind vielbefahrene Durchfahrtstraßen. Jetzt untersucht die Stadt, ob die Fahrer auf andere Strecken ausweichen, ob sich an der Geschwindigkeit wirlich etwas ändert – auf Deutsch: ob sich die Fahrer an 30 km/h halten – und natürlich, ob es weniger lärmt. Dauerhaft stehenbleiben sollen die Schilder, wenn es leiser wird und gleichzeitig nicht andere Straßen zusätzlich belastet werden.

Damit dieser Ausweicheffekt in Unna vermieden würde, müsste – sofern die Stadt z. B. auf der Friedrich-Ebert-Straße und der Kamener Straße Tempo 30 einführt – zwingend auch die Hammer Straße als direkte Parallelstraße temporeduziert werden. Denn sonst wäre klar, was passiert: Ein Großteil des überörtlichen Verkehrs würde am Kreisverkehr kurzerhand rechts ab Richtung Hammer Straße ausweichen, um den 30er-Bereich zu umfahren.

Der ADAC Nordrhein geht ebenso wie der Gutachter im Auftrag der Stadt davon aus, dass der Lärmpegel durch 20 km/h weniger um 2-3 dB sinkt – doch glaubt die Autofahrerlobby: „Das nimmt man überhaupt nicht wahr.“ Außerdem sei nicht die Geschwindigkeit maßgeblich für die Geräuschentwicklung verantwortlich, sondern die Frage klugen oder eben nicht zu klugen Schaltens: Tempo 30 im zweiten Gang sei unter Umständen lauter als Tempo 50 im vierten oder gar fünften Gang.

Tempo 30

Demnächst (wieder) auf Pferden durch Unna? Manche unserer Leser glauben bei der Überlegung „Tempo 30 auf Unnas Hauptverkehrsstraßen“ an einen schlechten Scherz.

 

Kommentare (1)

  • Sascha Krieg

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    Für 2-3 Dezibel weniger so ein Affentheater!Ich glaube auch kaum, dass sich viele daran halten würden!Die Leute die da wohnen, wussten schon vorher, dass es Hauptverkehrsstraße sind!Und jetzt wird da so ein Mist veranstaltet!?

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