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Schlachtfest mit zitternden Bässen und Feuerbällen

Stahlzeit spielt nicht nur die Musik nach, sondern kopiert auch die Rammstein-show. Foto: Silvia Rinke

Stahlzeit spielt nicht nur die Musik nach, sondern kopiert auch die Rammstein-show. Foto: Silvia Rinke

Whooom! und rrumms! Bässe zittern, Feuersäulen schießen rechts und links auf der Bühne hoch und die Wiese davor schwarz vor Menschen, die die Vorwarnung „bitte Abstand halten!!!“ bitte buchstabengetreu nehmen. Denn wenn „Stahlzeit“ Olafs Tattoo-Party rockt, geht es ähnlich pyrotechnisch mit Knalleffekten zur Sache wie bei Rammstein in Echt. Die echte Band heizte am Samstagabend den 40 0000 Besuchern des Wacken-Open-Airs ein, während die bestimmt gleichfalls ein- bis zweitausend Tattoopartygäste am Salzweg von „Stahlzeit“ was auf die Ohren bekamen.

Die inzwischen europaweit bekannte Rammstein-Coverband rockte zuletzt vor fünf Jahren das Tattoo-Fest, damals unter Blitz- und Donnergetöse sowie Wolkenbrüchen vom Heftigsten. Diesmal ging es wettertechnisch ungleich entspannter zu, und deshalb gab Olaf seinem Top-Act Stahlzeit auch erst mal gut Zeit. Erst um 22 Uhr rummste der erste Bass und zischte die erste Feuerfontäne in den Abendhimmel, der sich bereits nachtschwarz verfinsterte.
Den Rekordandrang zur Jubiläumsparty, 20 Jahre Tattoofestival in Königsborn, war dem Zugpferd Stahlzeit/Rammstein ebenso geschuldet wie dem Idealwetter für so ein Festival: Warm bis nach Mitternacht, so dass das Bier und die Non-Alkoholika in Strömen flossen, aber nicht mehr diese Wüstenhitze wie freitags.

Riesenschlange vor dem Kassenhäuschen

Schlangen bildeten sich dennoch zusehens vor den Kassenhäuschen, vor allem zwischen 21 und 22 Uhr mussten die Besucher bis zu einer halben Stunde Wartezeit einkalkulieren, um ihre Wertmarken zu ergattern. Da sorgte wohl neben den Massen eventuell auch der krumme Bierpreis für Verzögerungen, denn 2,30 Euro pro Marke bedeutete ständiges Wechselgeldhervorkramen und -rausgeben.

(Fast) wie das Rammstein-Original

Rammstein-Fans geben sich mit „Stahlzeit“ annähernd das Original, wobei vor allem die morbide Show von Sänger und Bandleader Heli Reißenweber Ekeleffekte der besonderen Art auslöst. In Schlachterkluft torkelt der 48-Jährige bei „Mein Teil“ auf die Bühne, die Schürze blutbesudelt und mit triefendem Schlachtermesser herumfuchtelnd.

Damit schlachtet er wie Hannibal Lecter sado-genüsslich seinen Kompagnero ab, der in einem gigantischen Holzfass martialisch schreiend um sein Leben bettelt. Das abgeschnittene „Teil“ wird dann noch in der Luft geschwenkt und sich vor die Lenden gehalten, das ist nicht mehr jugendfrei, und Besucherinnen schreien denn auch „Mach dich nackich!“ und „Ausziehn!“

[quote]“HEIRATE MICH“[/quote]

„Heirate mich“ hat einen ähnlich morbiden Inhalt, nur dass die Hauptperson dankenswerterweise nicht erst hingemetzelt werden muss – sie ist bereits tot. Der Geliebte kommt nicht drüber hinweg – „Die Trauer nahm ihm alle Sinne, wacht jede Nacht bei ihrem – STEIN…“, und dann weiß man als Rammstein-Fan, was kommt, nämlich dass der Trauernde die geliebte Leiche ausgräbt… sein röhrend geheultes „Heirate mich!“ begleitet Stahlzeit mit orangeroten Feuerkugeln, deren Hitze bis in die fünfte Reihe auf der Haut kribbelt.

Spektakulär ist Reißenwebers Auftritt zu dem wuchtig-bedrohlichen Song „Rammstein“, mit dem die Flugkatastrophe von Ramstein im August 1988 (70 Tote) beschrieben wird: „Ramm-stein… ein Kind stirbt… Massengrab…. Blutgeruch in der Luft…“ Der Sänger tritt mit weit aufgerissenen Augen und Mund in einem brennenden (!) Mantel auf die Bühne und lässt sich, während er sich wie ein Roboter gaanz langsam dreht, gaanz langsam abfackeln…

 Die wahrscheinliche erste Pause der Welt

Irritierend ist direkt nach dem Kracher „Benzin“, bei dem die Stimmung auf dem Höhepunkt kocht, die plötzliche Ankündigung des Stahlzeit-Bandleaders: „Wir machen jetzt etwas, was wir noch nie gemacht haben…“ na hallo, und jeder denk, klasse, gibt´s wieder ´nen Knalleffekt mit Feuer und explodierenden Bässen, doch nein – „… wir machen jetzt eine Pause.“ Wie, Pause – mitten in einem Hardrockkonzert…?! Die in Wacken würden Rammstein die Bühne zerlegen… doch Reißenberger meint es Ernst, „15 Minuten. Auf besondere Bitte von Olaf.“

Der will verständlicherweise noch seine eigene Dessous- und Feuershow unterbringen, bevor direkt nach dem „Stahlzeit“-Konzert die Massenabwanderung einsetzt. Dennoch ist bei vielen Rammstein-Fans die Stimmung erst mal dahin, und viele trinken noch eben schnell ihr Bier aus und gehen dann gleich. Bevor es mit krachigen, aber auch schön melodisch-sentimentalen Rammstein-Hits („Ohne dich“) weitergeht.

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Die Tattooparty in den sozialen Medien


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