Rundblick-Unna » „Tafelrunde“ erzielt überraschenden Durchbruch: Tafel bleibt bis 31. 3. in Königsborn – und soll künftig Zuschüsse bekommen

„Tafelrunde“ erzielt überraschenden Durchbruch: Tafel bleibt bis 31. 3. in Königsborn – und soll künftig Zuschüsse bekommen

Überraschender Durchbruch der  gemeinsamen „Tafelrunde“ heute Abend für die Tafel Unna. Die Lebensmittelausgabe in Königsborn bleibt bis Ende März 2016 weiter im ev. Paul-Gerhardt-Haus an der Fliederstraße – die ev. Kirchengemeinde verlängert dem Tafel-Verein den gekündigten Mietvertrag um ein halbes Jahr. In dieser Zeit – faktisch ab heute – soll die Bedürftigeneinrichtung zum kreisweiten Politikum werden – und entsprechend öffentliches Geld bekommen.

Konkret sollen sich alle Städte und Gemeinden des Kreises, die die Tafel von Königsborn aus mit Lebensmittel für Bedürftige versorgt, künftig an einer Sockelfinanzierung beteiligen. Bisher finanziert sich die Tafel ausschließlich über Spenden und Sponsoren, sie bekommt keinen Cent Zuschüsse von Städten, Kreis, Land. Dies soll, muss sich nun ändern, sind sich zumindest schon einmal die Ratsfraktionen in Unna einig.

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Volle Tische und Stühle bei der „Tafelrunde“. Fast 40 Besucher waren am frühen Abend ins Paul-Gerhardt-Haus gekommen. Die Runde ging mit überraschend konkreten Ergebnissen auseinander.

Überraschend handfeste Ergebnisse erzielte damit am frühen heutigen Abend die „Tafelrunde“ im Paul-Gerhardt-Haus; ein von Rudolf Fröhlich (CDU) initiiertes gemeinsames „Krisengespräch“ mit Vertretern aller politischen Fraktionen, der Stadt Unna, der ev. und kath. Kirche und natürlich der Tafel selbst.

Zur Erinnerung: Die Lebensmittelausgabe hatte für ihren langjährigen Standort in den Räumen der ev. Kirche an der Fliederstraße die Kündigung erhalten, da die Kirche das Gebäude verkaufen will und muss. Die Frist über den 30. 9. hinaus zu verlängern sei jedoch nie ein Problem gewesen, unterstrich Pfarrerin Susanne Stock am Abend vor großer Runde – (fast 40 Besucher waren Fröhlichs Einladung gefolgt, so dass sogar extra Stühle herbeigeschafft werden mussten).

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Tafel-Geschäftsführerin Ulrike Trümper, Vorstandskollege Roland Lutz (re.); li. Ludger Büngener, Pastoralverbund St. Katharina Unna, zu dem die Herz-Jesu-Kirchengemeinde Königsborn gehört. Büngener fand im diesjährigen Osternachtsgottesdienst überraschend klare Worte an die Adresse der katholischen Gemeinden: Für die Tafel sei Hilfe angesagt.

Eine konkrete Lösung des Raumproblems böte sich einen Steinwurf weit direkt in Königsborn an: An der Zechenstraße stünde der Tafel ein leeres Firmengebäude zur Verfügung, das so sagte Tafel-Chefin Ulrike Trümper, gut in Frage käme – „es kostet aber 4000 Euro Miete.“ Bei dieser Summe zogen viele Anwesende hörbar die Luft ein.

„Für uns sind 1000 Euro Kaltmiete das Limit“, sagte Roland Lutz vom Tafel-Vorstand klipp und klar. Aber dann müsse eben endlich, nach über elf Jahren reiner Spendenfinanzerung, über „ein Finanzpaket aus öffentlichen Mitteln“ reden,  forderte Anabela Dias de Oliveira vom Drogenabhängigen-Hilfsprojekt LÜSA deutlich. „Das ist eine Tür, die man bisher noch gar nicht aufgemacht hat.“ Jetzt steht sie offen.

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Man sprach klare Worte – auf Seiten der Tafel wie auch auf der der ev. Gemeinde.

Die Forderung, endlich ausgesprochen, nach öffentlicher Unterstützung für die Tafel griff die Gabriele Meyer (CDU) als Vorsitzende des Sozialausschusses gleich offen auf. „Es stimmt, Sie sind nie mit Zuschüssen bedacht worden, und darüber müssen wir konkret nachdenken. Es ist aber auch eine Kreisaufgabe„, nahm sie die anderen Kommunen in die Pflicht, in der die  Tafel Unna insgesamt 3500 bedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.

980 Tonnen Lebensmittel werden jährlich umgeschlagen, bilanzierte Ulrike Trümper, von Geschäften gespendete Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden. Ausgabestellen sind in Königsborn und Massen sowie in Bergkamen, Holzwickede, Fröndenberg, Lünen, Bönen und Selm. „Wenn Bönen eine eigene Tafel hatte, würden die Menschen schlicht und ergreifend verhungern“, nannte Trümper die dringende Notwendigkeit einer weiterhin gemeinsamen großen zentralen Lebensmittelsammel- und Ausgabestelle.

Die ist nun mal in Königsborn verwurzelt und soll, muss dort bleiben, warb der Tafel-Vorstand für ein gemeinsames Bemühen um Standorterhalt. Die einzige passende Räumlichkeit, die in wochenlanger Suche gefunden wurde, ist freilich – mit 4000 Euro Monatskaltmiete – nicht eben billig.  Doch bisher konnte die Tafel eben auch die Räume der ev. Gemeinde kostenlos nutzen, „wir bezahlen hier nur die Betriebskosten, 200 Euro“, machte Ulrike Trümper dieses Entgegenkommen der Königsborner Kirchengemeinde noch einmal klar.

Nichtsdestotrotz habe sie es „nicht schön gefunden, als mir am 31. März völlig unvorbereitet die Kündigung zum 30. 9. zu Hause vorbeigebracht wurde“, sagte die Tafel-Vorsitzende deutlich zu den beiden Pfarrerinnen Susanne Stock und Hannelore Hollstein, die mit am Tisch saßen. Auch Pfarrer Andreas Taube war gekommen, die Runde war damit komplett. Man habe Fristen einhalten müssen, verteidigte Susanne Stock diese (abrupt wirkende) Kurzfristigkeit.

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Vorn links neben Pfarrerin Hollstein: Synodalassessor Hans-Martin Böcker aus Kamen, der momentan während der Vakanz die Superindentin / den Superintendenten des Kirchenkreises vertritt.

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Initiator Rudolf Fröhlich (CDU) zwischen den Pfarrerinnen Hannelore Hollstein (li.) und Susanne Stock.

Nichtdestoweniger wird der Mietvertrag nun verlängert um ein halbes Jahr – bis zum 31. März nächsten Jahres. Neuneinhalb Monate lang kann die Tafel also erst einmal weitermachen wie bisher. Die Politik versucht bis dahin über den Kreistag und die Bürgermeisterkonferenz ein gemeinsames Finanzierungsmodell auf die Beine zu stellen, so dass man der Tafel im günstigsten Fall am Ende das passende Mietobjekt an der Zechenstraße bezahlen kann.

Abzüglich des Eigenanteils, den die Tafel selbst zahlen könnte – immerhin 1000 Euro – bliebe für die Kommunen ein gemeinsamer Restbetrag von 36 000 Euro zu tragen.

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Vertreter der Lokalpolitik: Sarah Göldner (FW/FLU, 2. v. li.), Christoph Tetzner (Piraten, re.).

Die Freude über diese interfraktionelle Einigkeit war allen Besuchern der „Tafelrunde“ anzusehen, einschließlich den anwesenden Politiker des Unnaer Rates. Freilich warnte Piraten-Fraktionschef Christoph Tetzner (der der Tafel übrigens eine eigene Immobilie angeboten hatte – die leider nicht passte) nach dem vielversprechenden Gesprächsergebnis: „Es darf nicht wieder so kommen wie bei der Werkstatt im Kreis Unna, wo Unna allein alle Zuschüsse zahlen muss.“ Diesmal sind alle in der Pflicht.

Nächster Beschlusstermin in Sachen Tafel: Haupt- und Finanzausschuss Unna, Donnerstag, 11. Juni, 17 Uhr, Ratssaal.

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Für die Königsborner Gemeinde als Zuhörer da: Pfarrer Andreas Taube (2. v. li). Re. Dietrich Schneider vom Ev. Kirchenkreis.

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