Rundblick-Unna » Stürmischer Beifall für Königsborner Pfarrerin: In sozialer Verantwortung sind alle – Kirche, Politik und Stadt

Stürmischer Beifall für Königsborner Pfarrerin: In sozialer Verantwortung sind alle – Kirche, Politik und Stadt

„Die Kirche ist nicht allein in sozialer Verantwortung“ – weder für die Tafel Unna noch für die Königsborner Jugendarbeit: Für ihre deutlichen Worte an die Unnaer Politik (http://rundblick-unna.de/koenigsborner-pfarrerin-kritisiert-unnaer-politik-kirche-ist-nicht-allein-in-sozialer-Verantwortung/) hat Pfarrerin Hannelore Hollstein bei unseren Lesern einen verbalen Beifallssturm ausgelöst.

Das ganze Wochenende liefen auf unseren Bericht Kommentare ein, in gleich drei parallelen Facebook-Foren wurde engagiert kommentiert: auf unserer Rundblick-Seite sowie in zwei Unnaer Gruppen, eine größere interne und eine kleinere offene Gruppe.

Pfarrerin Hannelore Hollstein

Uneingeschränktes Lob für ihre klaren Worte bekommt Pfarrerin Hannelore Hollstein in den sozialen Netzwerken.

 100 Prozent Zustimmung, teils leidenschaftlich formuliert, gibt es für Hannelore Hollsteins Mahnung: Die soziale Verantwortung für den Stadtteil Königsborn könne nicht (länger) die (evangelische) Kirche allein tragen. Die Kirchengemeinde engagiert sich seit vielen Jahren sehr stark im größten Unnaer Stadtteil., stellte der Tafel Unna kostenlos das Gebäude an der Fliederstraße für die zentrale Lebensmittelausgabe zur Verfügung. Bis sie der Tafel jetzt kündigte, da sie die Immobilien aus Kostengründen verkaufen muss. Auch die Kinder- und Jugendarbeit im „Taubenschlag“ wird, muss die Kirchengemeinde aufgeben.

 Pfarrerin Hollsteins Kritik richtete sich an die Lokalpolitik, namentlich an den SPD-Vorstand in Königsborn, der die Kirche über die Presse an ihre soziale Verantwortung erinnert hatte. Diese „moralische Keule“ – nach jahrelangem faktischem alleinigem Engagement für die Bedürftigen in Königsborn – „das schmerzt besonders“, machte Hollstein im Gespräch mit unserer Redaktion unumwunden klar.

Die Reaktion unserer Leser ist eindeutig. „Sie spricht die Wahrheit.“RICHTIG!!“ „Wo sie recht hat, hat sie recht!“ Der persönliche Einsatz der engagierten Pfarrerin wird hervorgehoben: „Ich bewundere sie“, schreibt eine Leserin auf Facebook. „Sie ist immer für einen da, sie tut so viel und sie hat auch vollkommen recht.“

Direkt an Hollsteins Adresse richtete eine andere Leserin ihre Zustimmung: „Bravo, Hannelore! Mein Kompliment für deinen Mut, das endlich mal auszusprechen!  Wenn man an seine Grenzen kommt und weit darüber hinaus, dann muss man leider irgendwann Konsequenzen ziehen. Vielleicht wird sich die Politik dann mal auf ihre eigene soziale Verantwortung zurückbesinnen. Es wurde ja viel eingespart in den letzten Jahren. Ich sag z. B. nur “Schwimmbäder?!”

 Eine weitere Kommentatorin stimmt zu und ergänzt: „Ich finde, es ist bitter, dass nicht alle Gemeinden lautstark die Verantwortung der Kommunen für die Armen in unserer Mitte einfordern! Schlieβlich ist auch das ihre Aufgabe … sich in jeder Form um die Notleidenden zu kümmern!“

Zustimmung bekommt die Königsborner Gemeinde auch aus dem politischen Spektrum: „Tafeln als Akuthilfe, für in absolute Armut gefallene Großstädter, sind ok. Als flächendeckendes Mittel der Armutsbekämpfung sind sie der Offenbarungseid des Sozialstaats neoliberaler Prägung“, schreibt ein Grünen-Mitglied. Und aus sozialdemokratischen Reihen kommt die vehemente Überzeugung: „Es ist ,gewählte´ Aufgabe, auf unsere Jugend/Zukunft zu achten und auch zu investieren! Geht mal alle ab von den sozialen Lasten und Kosten! Es gibt auch Familien, die gegen Kosten kämpfen. Willkommen im Leben… die Leidtragenden sind immer die Kinder.“

Ein kritischer Leser nimmt auch den Bürgermeister direkt in die Verantwortung: „Hätte unser lieber Herr Kolter letztes Jahr seine Wahl angestrebt, bräuchte man jetzt nicht 150 000 Euro verschwenden! Damit hätte man viel Not lindern können.“

Die Kirchengemeinde hat der Tafel als Ersatz für die gekündigten Räume an der Fliederstraße das Kinder- und Jugendhaus Taubenschlag an der Kamener Straße angeboten. Dessen Nutzung für die Jugendarbeit wird zum Sommer 2016 aufgegeben – auch aus finanziellen Gründen. Eine Besichtigung des 100 Jahre alten, stark renovierungsbedürftigen Gebäudes wird Ende dieser Woche stattfinden, sagte uns Tafel-Chefin Ulrike Trümper.

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