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Studie zum Freizeitverhalten: In Unna läuft viel – aber man weiß davon zu wenig

Stell dir vor, es gibt Freizeitangebote, und niemand weiß was davon – oder erfährt erst was davon, wenn das Event schon wieder vorbei ist. Konkret: Unna hat ein Problem, seine eindeutig vielfältigen Angebote – ob Ausstellungen, Konzerte, Weiterbildung oder Sport – breit gestreut an den Mann und die Frau zu bringen.

Die ist eines der Kernergebnisse einer frisch gedruckten Studie zum Freizeitverhalten der Menschen in Unna. Zweite Kernaussage: Die Unnaer sind überraschend sportlich. Sportive Bewegung zählt zusammen mit Lesen (siehe Foto oben rechts)  und Gartenarbeit zu den liebsten Hobbys der Bürger in der Kreisstadt.

Kernaussage Nummer drei: Der Unnaer an sich ist an bürgerschaftlichem Engagement und auch an Kommunalpolitik interessiert. Aber: Er bringt sich nur konkret ein, wenn ihn das Thema unmittelbar berührt – was jetzt letztlich nicht die große Überraschung ist. Beispiel: Eltern gründen eine Elterninitiative, um die Grundschule ihres Kindes vor der Schließung zu bewahren.

Besagte Studie hatte der Demografie-Arbeitskreis Unna im April zusammen mit der Hochschule für angewandtes Management gestartet. Mit Online-Fragebögen und solchen in klassischer Papierform, die in den öffentlichen Einrichtungen der Stadt auslagen. 451 Teilnehmer füllten die Bögen komplett aus. Etwas mehr weibliche (55 Prozent) als männliche, der Großteil mit Hochschulabschluss, zu 40 Prozent aus der Oberstadt, zu 20 Prozent aus Königsborn und zu 10 Prozent aus Massen. Fast ein Drittel der Befragten sind Singles, das Durchschnittseinkommen liegt recht hoch: Jeder vierte Haushalt verfügt über ein Nettoeinkommen von 4000 Euro.

Ach ja, die Altersfrage: ein Großteil zwischen 40 und 59 Jahre, 10 Prozent jünger als 20, knapp ein Viertel zwischen 20 und 40 Jahre. Ältere ab 70 sind ebenfalls mit 13 Prozent vertreten.

Recht interessant, bemerkte die federführend für die Umfrage verantwortliche Prof. Dr. Vanessa Haselhoff: Der Großteil der Befragten arbeitet Vollzeit, hat aber trotzdem genügend Zeit für seine Hobbys. Eben für Sport (ein Drittel in Vereinen), Lesen und Gärtnern, ebenso ist Radfahren beliebt. Mit seinem Selbstverständnis als Kulturstadt macht Unna offenbar schon manches richtig: Fast die Hälfte der Befragten sind mit dem Angebot generell zufrieden, der Renner – altersübergreifend – sind Musik, Feste jeder Art und Kinobesuche. Hingegen ziehen Ausstellungen und Lesungen bei der breiten Masse keinen Hering vom Röster.

Kino

Ihr Kino – das Filmcenter an der Massener Straße – sollte die Kreisstadt hegen und pflegen. Kinobesuche sind zusammen mit Musikveranstaltungen und Festen aller Art der Renner bei den Unnaern, so ein Kernergebnis der Studie zum Freizeitverhalten.

Negativ überrascht das geringe Interesse an Weiterbildung: Mehr als die Hälfte nutzt die Angebote der VHS überhaupt nicht, 43 Prozent lassen die ZIB-Bibliothek links liegen, und 78 Prozent ignorieren das Selbstlernzentrum bzw. kennen es überhaupt nicht. Hier wie auch in anderen Bereichen, schlussfolgerte Rita Weißenburg (ZIB) und Gerd Steinschen (Demografie-Arbeitsgruppe) am Montagabend bei der Vorstellung der Studienergebnisse, müssen die jeweiligen Akteure ihre Angebote noch offensiver publik machen. Und sich mit ihren Angeboten besser abstimmen – nicht, wie neulich erst, zwei Ausstellungseröffnungen am selben Tag um 11 Uhr.

Und beim Publikmachen dessen, was Unna alles an Schönem für die Freizeit bietet, müsse man auch offensiver auf die neuen Medien setzen, rät Prof. Dr. Vanessa Haselhoff. Spezeill um die jüngeren Zielgruppen (überhaupt noch) zu erreichen.

Klaus Dunker, früherer Stadtdirektor und rühriges Mitglied im Demografie-Arbeitskreis, formulierte die Aufforderung energisch und direkt: „Es läuft viel mehr in Unna, als man weiß. Es besteht eine Bringschuld von allen.“

Die Ergebnisse der Umfrage, vor allem die konkreten Einzelanregungen, werden in den kommenden Wochen konkret an die jeweiligen Adressaten herangetragen.

 

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