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Straßenräuber erwischt und gleich danach wieder frei

Sie rissen zu dritt ein Raubopfer zu Boden, raubten ihm sein Handy, verletzten den 42Jährigen leicht, wurden dank guter Beschreibung und hellwacher Polizeibeamter kurz darauf erwischt….

– und durften nach kurzem Zwischenstopp auf der Polizeiwache direkt wieder rausspazieren.

Einer dieser inzwischen fast zahllosen zweifelhaften Ermittlungs“erfolge“, die die Dortmunder Polizei hörbar verstimmt mit dem Satz beendet: „Nach Abschluss aller polizeilichen Maßnahmen mussten sie wieder entlassen werden.“

„Sie“ waren im vorliegenden Fall 3 junge Männer, die am Abend des 1. Weihnachtstages in der nördlichen Innenstadt einen 42-Jährigen aus Gelsenkirchen überfielen. Er ging gegen 20.30 Uhr auf der Krimstraße nahe der Heiligegartenstraße entlang, als ihn das kriminelle Trio plötzlich zu Boden riss und ihm das Handy entwendeten. Das Opfer verletzte sich, die Täter rannten davon.

Im Bereich Heiligegartenstraße/Andreasstraße entdeckten Polizeibeamte im Rahmen der Fahndung ein Trio, auf das die Zeugenbeschreibung passte. Noch bevor die Polizisten die Männer erreichten, warfen diese offensichtlich etwas weg. Gefasst wurden sie trotzdem kurz darauf.  Ganz in der Nähe fand sich denn auch das gestohlene Handy.

Die Männer (laut Polizei zwei 17- und ein 18-jähriger Dortmunder) traten den Weg ins Polizeigewahrsam an – um es freilich, siehe oben, kurz darauf wieder zu verlassen. Keine ausreichenden Haftgründe.

Ein weiterer Straßenraub passierte am Dienstagmorgen im Stadtteil Huckarde, hier konnten die Täter flüchten: http://rundblick-unna.de/weiterer-strassenraub-in-dortmund-morgens-um-7-30-uhr/

 

Ähnliche Berichte:

http://rundblick-unna.de/dreimal-in-folge-erwischt-auf-bewaehrung-frei-dennoch-keine-haftgruende/

http://rundblick-unna.de/244-promille-plus-marihuana-polizeibekannter-gewalttaeter-sticht-zu-fehlende-haftgruende-freigelassen/

http://rundblick-unna.de/bei-ticketkontrolle-gepruegelt-und-bespuckt-haftgruende-sind-das-nicht/

Aber es geht auch anders: http://rundblick-unna.de/rabiater-landwirt-27-muss-sich-vor-richter-verantworten/

 

Polizei Handschellen

Die Frage der ausreichenden Haftgründe beleuchteten wir im vorigen Jahr einmal näher anhand eines damals aktuellen Vorfalls:

Erwischt – und gleich wieder frei: Was sind eigentlich „ausreichende Haftgründe“?

Einbrecher werden auf frischer Tat oder kurz nach der Tat erwischt, sind zum Teil bereits einschlägig polizeibekannt. Und doch lässt die Polizei – „muss“ die Polizei, wie es in vielen Polizeimitteilungen inzwischen formuliert ist – sie nach der Vernehmung gleich wieder laufen lassen: weil „keine ausreichenden Haftgründe“ vorliegen.

Unsere Leser kritisieren die Praxis immer wieder kopfschüttelnd, z. B. aufgrund eines Berichts über drei in Dortmund gefasste blutjunge Einbrecherinnen (14,  14, 17). Auch die fast volljährige Älteste „von ungeklärter Herkunft“ musste gleich wieder laufen gelassen werden, – musste „aufgrund fehlender Haftgründe“ gleich wieder entlassen werden. Um direkt die nächste Straftat zu begehen?, kritisierten Rundblick-Leser das ihrer Ansicht viel zu lasche Gesetz.

Um einen Tatverdächtigen oder sogar überführten Täter in die Zelle zu verfrachten, hat der Gesetzgeber in Deutschland in der Tat hohe Hürden errichtet. Gegenüber dem Beschuldigten muss zunächst dringender Tatverdacht vorliegen. Ein so dringender, dass eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ besteht, dass der Beschuldigte später verurteilt wird.

Zweite Voraussetzung ist ein Haftgrund. Der häufigste ist Fluchtgefahr:  Es ist nicht nötig, dass der Beschuldigte sich bereits versteckt hält oder auf der Flucht ist. Fluchtgefahr kann auch gegeben sein, wenn den Betreffenden nichts hält (keine familiären/persönlichen Bindungen).

Wenn der Verdächtige – wie im Fall der erwischten jungen Einbrecherin – keinen festen Wohnsitz vorweisen kann, darf dies nicht als Fluchtgrund angeführt geben. Dies ist laut Gesetzgebung „unstatthaft, da es sich um eine formelhafte Wendung handelt“. Die Haftgründe sind statt dessen ausführlich darzulegen.

Auch Verdunkelungsgefahr ist ein häufiger Grund, den Betreffenden fürs Erste hinter Schloss und Riegel zu verfrachten. Der Beschuldigte soll durch das Wegsperren davon abgehalten werden, Beweismittel zu vernichten, zu verändern oder Zeugen zu beeinflussen.

Damit ausländische Kriminelle abgeschoben werden können, sind eine rechtskräftige Verurteilung sowie eine Mindestfreiheitsstrafe erforderlich (z. B. zwei Jahre Jugendhaft ohne Bewährung).

– Quellen: Rechtslexikon online, Wikipedia

 

Kommentare (16)

  • Dagobert

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    Jetzt bin ich aber wirklich überrascht, dass einer dieser „Dortmunder“ schon 18 sein soll. Üblicherweise behaupten solche „Dortmunder“ aus der Nordstadt doch, dass sie allesamt 17-jährig seien.
    Möchte die Polizei Dortmund nicht auch verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und endlich mal mit den Berichten über „Dortmunder“ aufhören ?

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    • Silvia Rinke

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      Ein „Dortmunder“ ist ein Mensch, der in Dortmund gemeldet ist, also ist die Bezeichnung an sich völlig korrekt.

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      • Dagobert

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        Absolut richtig, Frau Rinke !
        Die Bezeichnung „Dortmunder“ist aber leider genauso informationsarm wie die Bezeichnung „Mensch“.
        Wollen wir wetten, dass die einzigen Verbindung dieser Herrschaften zu Dortmund der gemeldete Wohnsitz in Dortmund ist ?
        https://www.welt.de/politik/deutschland/article160108846/Medien-sollten-Taeter-Herkunft-grundsaetzlich-nennen.html
        Zumindest ist es erfreulich, dass die ersten Politiker sich meiner Meinung anschließen…..
        Wie Herr Scheuer richtig erkannt hat, geht es hierbei um die Glaubwürdigkeit der Medien, der Politik und der Polizei.

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        • Silvia Rinke

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          Dass die Täterherkunft grundsätzlich genannt werden sollte, ist bekanntermaßen ja auch unsere hier vertretene Linie, da alles andere lediglich Gerüchte und wachsendes Misstrauen schürt.

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          • Dagobert

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            Ich weiß, diese klare Linie ist einer von vielen Gründen, warum ich den Rundblick-Unna lese und weiterempfehle. :-)

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            • Silvia Rinke

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              Firma dankt. :-)

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            • Silvia Rinke

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              Um Spekulationen auch hier zu beenden: Die jungen Männer haben Migrationshintergrund. Quelle Polizei.

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            • Dagobert

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              Der Migrationshintergrund ist jetzt nicht so überraschend.
              Überraschend ist, dass die Quelle (Polizei Dortmund) nachträglich die Wahrheit sagt. Wäre es nicht sinnvoller, von Anfang an die Bevölkerung vollständig zu informieren ?
              Durch diese Vertuschung hat (mal wieder) die Glaubwürdigkeit der Polizei Dortmund langfristig Schaden genommen.

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              • Silvia Rinke

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                Die Polizei gibt solche Informationen „auf Nachfrage“ immer heraus, Dagobert, tat sie bisher jedenfalls immer. Alles ANDERE wäre jetzt überraschend gewesen.

                Antworten

  • Mike

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    Unsere Justiz ist eine einzige Lachnummer, ein Paradies für Kriminelle

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  • Silvia Rinke

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    Es gehört denke ich nicht viel dazu, um vorauszusagen: Wenn sich diese lasche Praxis nicht ändert, werden die Kriminellen der Polizei immer fröhlicher auf der Nase herumtanzen, weil – „passiert ja eh nix“, selbst wenn man (auch mehrmals hintereinander) auf frischer Tat erwischt wird, beim Raub Menschen verletzt und möglicherweise noch vorbestraft ist. Beispielfälle haben wir inzwischen hinreichend im Archiv gespeichert.

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  • Silvia Rinke

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    Facebookkommentare:

    Sven Arnt Fester Wohnsitz, noch nicht „genug“ auf dem Kerbholz, also keine Wiederholungsgefahr begründbar, Jugendliche die eh aller Vorraussicht nach vor dem Jugendrichter kein Jahr Freiheitsstrafe zu erwarten haben und Juristen die solche Fälle halt so lange sezieren, bis am Ende sogar der Raub juristisch in Frage gestellt wird. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass es bei der U Haft nur um die Sicherung des Strafverfahrens geht und nicht um eine vorgezogene Strafe. Lösung könnten da Schnellgerichte sein oder deutlich beschleunigte Verfahren. Frustriert einen das?! Ja, sehr. Kann die Polizei aber nicht ändern. Es fehlt an Konsequenz und Härte, auch im Jugendstrafrecht. Es hat sich ein bürokratisiertes Monstrum etabliert, dass selbst einfachste Sachverhalte juristisch immer weiter seziert, bis am Ende nix mehr übrig bleibt, dass sehr selbstverliebt und viel zu träge reagiert.

    Rundblick Unna (sia) Danke für diese fundierten Einblicke, Sven Arnt.

    Stefanus Maxus Das ganze bescheuerte Jugendtstrafrecht gehört abgeschafft. Mit zwölf rumv..eln, mit vierzehn Mofa fahren, mit 16 Leichtkraftrad, mit siebzehn mit dem Auto auf die Menschheit losgelassen werden, mit achtzehn wählen…aber mit 21 noch nicht juristisch voll einsichtsfähig sein? Findet den Fehler…

    Degirb Gnoleic Vielen Dank, Sven Arnt für diese fundierte Aufklärung, die mir ehrlich gesagt sehr die Augen geöffnet hat

    Mario Linke Was ist wenn ich mich wehre und den Typen auf die Mütze hauhe dann bin ich vorbestraft??

    Thomas Gragen Eigentlich nicht. Da kommt der Notwehr Paragraph zur Anwendung.
    Nur Verhältnismäßigkeit wird geprüft.
    Also nicht 25 x ins Gesicht hauen😎

    Rundblick Unna (sia) Sehr prägnant erklärt – ein bisschen wie bei der Sendung mit der Maus. Keine Fragen offen. 😉

    Rundblick Unna 😀 Oder Peter Lustig…

    Susanne Appelstiel Sie darf nicht! !

    Rundblick Unna Zusatz – wir nehmen an, dies ist eine Antwort auf die Frage von Doris Hegemann-Lenz.

    Thomas Gragen
    Und wehe ich wehre mich und haue einen um, dann bekomme ich eine Anzeige obendrauf.

    Mario Linke Das meine ich doch wenn man sich wehrt ist mann der doofe und man wird bestraft.armes Deutschland

    Sonja Lisa Schröder Also es ist schon echt traurig wie es hier läuft statt opferschutz wird hier der Täter immer mehr geschützt arm ist das einfach

    Thomas Repping Richtig die Polizei muss mehr Freiheiten gegenüber Kriminellen haben .

    Lo Rena Ich sag ja immer wieder, Gutmenschen und Kuschel- Politik 😠

    Stefanus Maxus Aber der wütende Landwirt, der vor einiger Zeit mit dem Trecker die Radfahrer scheuchte, weil sie durch sein Feld geradelt sind, kam direkt in U-Haft! Aber auch solches „Pack“ lässt man direkt wieder auf uns los http://www.waz.de/…/obdachloser-angezuendet-alle… Und da wundern sich die Politfuzzis über immer mehr Bürgerwehren oder Aufrufe zur Selbstjustiz?

    Mario Linke Das ist Deutschland unsere Gesetze narrenfreiheit für Idioten 😭

    Ingeborg Böttger
    Typisch – Deutschland –

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  • Luenne

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    Jeder Bundestagsabgeordnete sollte mal eine Woche nur Polizeiberichte lesen und sich dann die Frage stellen ob das alles so sinnvoll ist. Am meisten stört mich das man als Opfer immer der Idiot ist. Täterschutz sozial Programm und und und und das Opfer kriegt meist überhaupt nichts ausser die Angst erneut Opfer zu werden

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  • MW85

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    Bleibt nur noch Kopfschütteln! Die AFD kann frohlocken!

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  • fürst

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    Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse u.a. auch in Berlin, ist m.E. festzustellen, daß Deutsche nur noch als „Opfer“ betrachtet werden. „Wann schlagen wir endlich zurück?“ (Trump). –
    Es wurde zu den Tätern ein Migrationshintergrund festgestellt. Gewünschte Differenzierung: Nicht alle Migranten werden zu Straftätern.

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  • Willy

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    Diese Politik und die Art wie die Justiz mit Kriminellen umgeht, wird uns noch schwer zu schaffen machen.

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