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Steuerschlupflöcher für Großkonzerne bescheren Unna zweistelligen Gewerbesteuer-Einbruch

Die Stadt hat ihr Planziel bei der Gewerbesteuer klar verfehlt. Das Ergebnis am Jahresende 2014 lag um 11,5 Prozent unter den Erwartungen. Ein ernüchterndes Ergebnis.

28 Mio. Euro hatte sich Unna ausgerechnet, über 3 Mio. weniger sind es am Ende geworden. Gegenüber dem Vorjahr klingelten über 2 Mio. (8 Prozent) weniger in der Kasse, teilte die Stadt heute mit.

Wie der Blitz aus heiterem Himmel kam dieser Steuereinbruch nicht; er hatte sich im Sommer drohend abgezeichnet, weshalb Kämmerer Karl-Gustav Mölle (Bild) denn auch am 20. August die Haushaltssperre verhängte.

„Die Entwicklung der Gewerbesteuer hat uns im Jahr 2014 sehr viel Kopfzerbrechen bereitet und den Haushalt in Vibration versetzt“, kommentiert Mölle die missliebige Entwicklung. „Es schmerzt, sehen zu müssen, dass immer mehr Firmen immer weniger Steuern vor Ort zu zahlen haben – trotz bester Jahresergebnisse.“ Das liegt an der legalen Möglichkeit von Großkonzernen, Gewinne vor Ort mit Verlusten des Mutterkonzerns irgendwo anders in Deutschland zu verrechnen und so die Steuerlast zu senken. „Diese Steuervermeidungsstrategien haben richtigerweise zu einem Aufschrei in der Bevölkerung geführt. International agierende Großkonzerne diktieren die Taktfolge von Haushaltssicherungsmaßnahmen“, fasst Mölle dieses hochgradige Ärgernis scharf zusammen.

Ärgerlich vor allem ja deswegen, weil die Zahl gewerbesteuerpflichtiger Betriebe erneut kräftig gewachsen ist: 90 mehr als 2013 gibt es jetzt in Unna, insgsamt 2.536. 16 Betriebe – 45 Prozent mehr als im Vorjahr – haben sogar den Spitzensatz von über 250.000 € Gewerbesteuer an die Stadt gezahlt. Bemerkenswert sei weiterhin, dass fast zwei Drittel der Betriebe gar keine Gewerbesteuer zu entrichten hatten, so der Kämmerer.

Das – sehr vorsichtig veranschlagte – Planziel für 2015 hofft die Stadt mit 22,5 Mio. Euro zu erreichen.

 

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