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Stadt sagt Kurpark-Familientag wegen Streik ab – Kritik wird lauter: „Langsam unzumutbar für Eltern“

Bereits seit dreieinhalb Wochen streikt nun schon der Sozial- und Erziehungsdienst – und auch die Mitarbeiter der Unnaer Stadtverwaltung sind daran beteiligt. Das hat nun Folgen auch für bislang Unbeteiligte.

Denn die streikbedingt enge Personal- und Organisationssituation im Jugendamt hat dazu geführt, dass der diesjährige Familiensonntag im Kurpark ausfallen muss. Geplant war der muntere Trubel für übernächsten Sonntag, 14. Juni. Er konnte aber, weil die Personaldecke so ausgedünnt war (und immer noch ist), nicht in der nötigen Form vorbereitet werden, teilt die Stadt auf ihrer Homepage mit. Daher sagt sie das Fest ersatzlos ab.

Eine Leserin aus Unna, die frisch von der Absage erfuhr, macht ihrem Ärger heute in einem Statement an unsere Redaktion Luft. „Ich finde, langsam nimmt das unzumutbare Formen an“, kritisiert die Mutter eines schwerbehinderten Jungen. „Der lange Streik bringen nicht nur Eltern in Schwierigkeiten, wochenlang ihre Kinder im Betreuung zu bringen… sondern enttäuschen auch nun die Kinder und Bürger der Stadt Unna, die sich schon sehr auf dieses Fest gefreut haben.“

Wenn das Fest schon 14 Tage vor dem geplanten Termin abgesagt wird, gehen doch die Jugendamtmitarbeiter, Erzieher, Pädagogen pp. davon aus, dass sie noch länger streiken werden…?, mutmaßt die Leserin. Doch reichte laut Stadt einfach schon bisher die Zeit nicht aus, um den Kurparktrubel vorzubereiten. Selbst wenn der Streik heute noch enden würde (was nicht der Fall sein wird), könnte der Zeitverlust durch die vergangenen schon über drei Streikwochen kaum mehr wettgemacht werden.

Streik Verdi Erzieher

Protestplakate der streikenden Sozial- und Erziehungsdienstmitarbeiter am Freitag vor Pfingsten vor der Unnaer Bürgerhalle.

Unsere Leserin glaubt an eine absehbare Einigung ohnehin nicht mehr. „Mich würde es nicht wundern, wenn der Streik bis zu den Sommerferien erweitert wird“,  befürchtet sie. „Und dann sind natürlich erst  einmal sechs Wochen Ferien!“

Muss das wirklich sein?, fragt die streikgenervte Mutter und zählt die Auswirkungen auf, die sie konkret seit dreieinhalb Wochen beobachtet: „Selbst bei wichtigen Gerichtsterminen erscheinen nicht die Jugendgerichtshilfen; bei einer Adoptionsvermittlung sagt das Jugendamt nicht einmal Termine ab. Und bei der Familienhilfe des Jugendamtes wird zur Zeit keine Hilfe angeboten.“ So sind auch die Außenbüros des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) des Kreises Unna in Howi, Fröndenberg und Bönen weiterhin geschlossen und ebenso wie die dortigen drei Jugendzentren – alle in Kreisträgerschaft. Wir berichteten darüber.

„Und jetzt werden sogar Feste abgesagt!“, ärgert sich die Unnaerin.“Was mich betrifft: mein Sohn (seit Geburt erkrankt, mit Schwerbehinderung) soll eine Therapie machen, diese das Jugendamt mir vermittelt hat. Jetzt geht es hier nicht vorwärts, weil ich niemanden beim Jugendamt erreichen kann. Die zugesagte Hilfe eines Jugendamt-Mitarbeiters gibt es z.Zt. nicht; z.B. mich zu den ersten Gesprächen zu begleiten. Ich kann weder meine Fragen los werden noch jemanden erreichen. Ich weiß nun nicht, ob das mit der Therapie/Maßnahme was wird oder wann sie anfangen kann.“

Ihr Fazit – sehr kritisch und langsam ohne jedes weitere Verständnis für die unbefristet Streikenden: „Ich muss nun zusehen, wie ich mit den derzeitigen Problemen alleine klar komme.“

Kommentare (10)

  • Katja Mette via Facebook

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    Es ist sicher nicht einfach für viele. Aber mit dem Gehalt und den Anforderungen klar zu kommen ,und das das ganze Jahr ,ist sicher auch kein Kinderspiel.

    Ich frage mich da was nun wichtiger ist. Ein Fest oder anständig bezahlte Jobs.
    Das man ernsthaft Schwierigkeiten hat seine Kinder so lange betreut zu bekommen kann ich nach vollziehen. Aber den Sonntag bekommt man doch wohl auch so schön gestaltet mit Kindern.

    Das beantragte Förderungen mal 3 Wochen auf eis liegen finde ich jetzt auch nicht so dramatisch. Normal dauert es eh Wochen bzw. Monate bis man so Anträge durch hat. Da spreche ich aus Erfahrung.

    Ich finde das Jammern wegen der Streiks echt bescheiden.
    Würden die Leute nicht auf die Straße gehen geht es weiter Berg ab mit den Arbeitsbedingungen hier.

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  • Helmut Brune

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    Ein Streik ist im Grunde ein Druckmittel, um eine Einigung über ein Problem zu erreichen. Wenn dieser jedoch zu lange dauert, verliert er an Druck und damit auch an Glaubwürdigkeit. Dann bleiben nur noch ärgerliche Fakten übrig, wie enttäuschte Menschen, die zusehen müssen, wie sie mit den Folgen eines Streiks fertig werden. Gerechte Bezahlung für ehrliche Arbeit muß schon sein. Persönlich fällt mir auf, daß sich im Allgemeinen bei Arbeitgebern immer mehr eine Verhärtung und Brutalität breit macht. Keine günstige Entwicklung.

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  • Christel Heinze via Facebook

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    es trifft leider nicht die, die es treffen sollte, sondern die schwächsten Glieder der Gemeine, die Kinder!!! Dazu die Eltern, die sich um die Betreuung der Kids kümmern müssen… zusätzlich noch hohe Kosten zahlen müssen!!!!!

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  • Viviana Jensen via Facebook

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    Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Druck nicht auch den Familienfrieden stört.

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  • Jama To via Facebook

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    Es ist langsam unverschämt! Andere Schwerst Malocher kommen mit gerade 1100 € netto nach Hause und streiken nicht! Und wie Schwer ist die Kinder zum Betreuuen zeigt uns Stadt Aachen! Da Betreuuen die Mutter abwechslungsweise die Kinder!

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  • Christian Schulze via Facebook

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    Hart bleiben sollten die Kommunen! Die Forderungen sind unverschämt und in der Sache unbegründet!

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  • Re Gina via Facebook

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    Kindergärtnerinnen und andere Erzieher (z.B. in Kinderheimen) haben einen harten Job und viele Kinder (besonders Kleinkinder) gleichzeitig zu betreuen ist eine große Verantwortung und Aufgabe…klar, dass man dafür angemessen bezahlt werden will. Aber diesen Kindergarten-Job mit der Büroarbeit im Jugendamt zu vergleichen hinkt. Sicher ist Büroarbeit auch ein harter Job….aber da hängen auch oft Familienschiksale (Adoption, Pflegefamilienbetreuung, Gerichtsverhandlungen mit Jugendlichen, Familienhilfe, usw.) dran……und wenn bei wichtigen Terminsachen die Termine nicht eingehalten werden und deswegen eine Adoption, Heimunterbringung, Therapien, usw. nicht vollzogen werden können, geht das zu weit. Das Kindeswohl hat Vorrang ?! Grundrechte, Artikel 6, Abs. 1 Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung !…außer wenn wochenlang das Jugendamt streikt ! Druckmittel : die Kinder / das Kindeswohl / die sozialschwachen Familien !

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  • Silvia Nielinger via Facebook

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    Erst wenn immer mehr Eltern und andere Bürger sich empören,wird wohl endlich die Politik wach und muss sich bewegen.Es geht nicht nur um angemessene Bezahlung,es geht auch um vernünftige Arbeitsbedingungen gen um den hohen Anforderungen in den sozialen Berufen gerecht werden zu können. So lange die Bürger nicht den Druck auf die Politiker erhöhen,wird sich nichts ändern.

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  • Sascha Skro via Facebook

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    Die Leute müssen halt abgelenkt werden, damit man sich nicht um die wichtigen Sachen kümmert. So ein Streik ist dafür eine gute Möglichkeit. Man hetzt die Leute gegeneinander auf und niemand interessiert sich z.B. für die deutschen Truppen an Russlands Grenzen, Merkels krimineller Vergangenheit, pädophilen Grünenpolitiker oder ähnlichem. Die Mitarbeiter der Kitas sind doch nur Mittel zum Zweck und im Endeffekt wird sich eh nicht großartig was ändern…so wie immer halt.

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