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"Die SPD hat Fehler gemacht. Außer in Unna"

Wie wenig der  SPD-Bundestagsabgeordneter Oliver Kaczmarek doch über seinen SPD-Kreisverband weiß. „Der drittgrößte Kreisverband in NRW“, begründet er, warum der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel zum SPD-Bürgerfest gekommen ist.

Kaczmarek hat recht, aber sein Parteichef bringt viel bessere Gründe für einen Besuch auf dem Marktplatz in Unna. 45 Minuten redet Gabriel kurzweilig, verquickt geschickt die Geschichte der SPD mit aktuellen Wahlkampf-Themen und lobt immer wieder die SPD „hier in Unna“ – teils mit einem Augenzwinkern.

Etwa so: „Unsere Partei musste nie den Namen ändern, weil wir uns für etwas schämen müssten.“ Klar habe auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in 150 Jahren Fehler gemacht, „außer hier in Unna“. Gelächter, Applaus. Und „außer in Unna“ lässt der Niedersachse nicht nur einmal fallen.

Auch seine Zusammenfassung von 150 Jahren SPD ist kurzweilig, auch weil ein Obermassener Genosse zur Kaiserzeit vorkommt. Dazu Geschichten, „wie es sie nur in der SPD geben kann“, wie Gabriel sagt. Etwa von dem 96-Jährigen, den Gabriel jüngst für 80 Jahre Mitgliedschaft ehren durfte.

Oder der Mann, der mit seinem Vater zu Beginn des Nationalsozialimus die SPD-Flagge im Garten vergraben hat und nach Kriegsende wieder ausgrub. Aber weil der Sozialdemokrat im Osten wohnte, verschwand das rote Stück Stoff schnell wieder unter der Erde und kam erst nach dem Mauerfall wieder zu Tage. Und was war das erste, was der Mann gemacht hat? „Er ist wieder in die SPD eingetreten.“

Wahlkampf und die Geschichte der Partei

57 Tage vor er Bundestagswahl durfte natürlich auch ein wenig Wahlkampf nicht fehlen. Geschickt kombiniert in die Geschichte der Partei, forderte er Mindestlohn,  eine andere Europapolitik und mehrmals, überhaupt zur Wahl zu gehen. Denn der größte Feind seiner Partei sei nicht Angela Mekrel, sondern der Verdruß der Leute, dass sich eh nichts ändere und nur das Geld regiere. –

Sigmar Gabriel fordert Klinkenputzen von seinen Genossen

Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel redet auf dem Marktplatz in Unna. Er hält die Festrede auf dem Bürgerfest anlässlich des 150. Geburtstages der Partei. Foto: Tobias Kestin

Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel redet auf dem Marktplatz in Unna. Foto: Tobias Kestin

Und daran müssten sich auch die zahlreich erschienen Ortsverbändler verteidigen. Wahlkampf unpersönlich über das Internet sei schön und gut, aber „das wichtigste elektronische Mittel im Wahlkampf ist die Türklingel.“ Die Genossen sollen vor die Tür und die Bürger persönlich überzeugen.

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