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Sieben Tage, die an Grenzen brachten: Dank für den Einsatz der Flüchtlingshelfer

Sieben Tage, die an Grenzen brachten. „Die Not ist viel größer, als wir uns vorstellen können“, zieht Pfarrer Hartmut Görler ernst Bilanz. Nur kurze sieben Tage beherbergte die evangelische Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen im „Haus der Mitte“ in Stentrop 43 Frauen, Männer und Kinder, die in ihren Heimatländern um ihr Leben fürchten müssen. „Eine kurze, aber unglaublich intensive und lehrreiche Woche“, bilanzierte Görler am Samstagabend vor dem Haus der Mitte, wo die Kirchengemeinde für den beispielhaften Einsatz der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer  herzlich „Danke schön“ sagte. Bei 200 Bratwürstchen – fachmännisch gegrillt vom Hausmeisterehepaar Vinka und Karl Heuser -, Bier und Erfrischungsgetränken gab es einen nachdenklichen Blick zurück auf jene kurzen sieben Tage, die „uns an unsere Grenzen brachten; und in denen wir unglaublich viel gelernt haben“, drückte Görler es aus.

Flüchtlingshelferfete Stentrop 2

In einer sehr persönlichen Erklärung bekannte sich der Fröndenberger Pfarrer zu einem Gefühl „tiefer Beschämung“. „Diese Menschen haben Schicksale erlitten, die können wir uns hier gar nicht vorstellen. Männer, Frauen, alte Leute, Kinder mussten aus ihrer Heimat fliehen, weil ihnen dort der Tod droht. Mitten in der Nacht kamen sie hier bei uns an, durften eine kurze Woche Sicherbeit und etwas Heimatgefühl erleben. In diesen wenigen Tagen wurden persönliche Beziehungen aufgebaut, intensive Begegnungen fanden statt. Und schon nach einer Woche mussten die Menschen wieder in den Bus und weiterfahren, weiter ins Ungewisse. Das ist alles tieftraurig.“

„Für jeden Schweinetransport gibt es höhrere Standards“, ergänzte Jörg Gemballer vom DRK-Kreisverband hart und präzise. Er leitete die Einsatzeinheit 3 des DRK (Unna, Fröndenberg, Schwerte und Holzwickede), die für die Einrichtung der Notunterkunft im Haus der Mitte und die Versorgung der 43 Flüchtlinge zuständig war. Gemeinsam mit den Feuerwehr-Löschgruppen Bentrop und Warmen – diese begingen am  Helferdank-Samstag allerdings ihren Florianstag. Sowie: mit Unterstützung von Kameraden der Feuerwehr Unna. Diese stießen später zum Helferfest dazu: Sie waren zuvor noch in Kamen beschäftigt, wo die Notunterkunft in der früheren Polizeiwache weiter ausgeweitet wird. Auf schon 300 Menschen ist die Zahl der Flüchtlinge dort bis zum Wochenende angewachsen.

Flüchtlingshelferfete 3

„Und es werden überall noch viel mehr werden“, ist sich Jörg Gamballa sicher. Seine DRK-Einheit war in der kurzen Woche in Stentrop „in der Spitze mit 33 Leuten“ im Einsatz, rund um die Uhr. „Kochen, die Flüchtlinge betreuen, Wäsche waschen; die Betten aufbauen und nach der Abreise wieder abbauen…“ Die Essensversorgung übernahm im Verlauf der Woche das Schmallenbachhaus, zahlreiche Mitglieder der Kirchengemeinde halfen ebenfalls beispielhaft mit, erklärte Superintendentin Annette Muhr-Nelson voller Dankbarkeit. „Es war tatsächlich sehr, sehr spontan“, erinnerte die Kirchenkreischefin: „Montags machten wir das Angebot, donnerstags standen hier die ersten Betten. Solch eine Kurzfristigkeit mobilisiert aber auch Kräfte. Ärmel hoch – wir packen es jetzt an. Und irgendwie schafft man es.“

Landrat Michael Makiolla sprach als Chef des DRK-Kreisverbandes gleichfalls seinen Dank und zugleich seine enorme Anerkennung aus – diese richtete er auch gleich an seinen Mitarbeiter Georg-Jürgen Wirth, der in der Kreisverwaltung für den Bevölkerungsschutz zuständig ist.  Superintendentin Muhr-Nelson lag viel daran, auch einmal die „positiven Aspekte unserer Willkommmenskultur“ herauszustreichen. „Ganz viele Menschen hier sind bereit, spontan zu helfen. Und es gibt sehr viele mehr, die positiv reagieren, als die, die Vorbehalte gegen Flüchtlinge haben.“ Auch wenn es nur eine kurze Woche war, schloss Muhr-Nelson ihren Rückblick: „Wir haben diesen 43 Menschen in diesen sieben Tagen das Gefühl gegeben: Eure Not ist uns nicht egal. Wir helfen.“

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