Rundblick-Unna » Sedanstraße bleibt Sedanstraße – trotz „historischer Vorbelastung“

Sedanstraße bleibt Sedanstraße – trotz „historischer Vorbelastung“

Das Votum unserer Leser war erschlagend eindeutig, und die Vernunft hat aus ihrer Sicht obsiegt. Die Sedanstraße in Massen bleibt Sedanstraße; Punktum. Sie wird nicht umbenannt, weil der Name „Sedan“ an die Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870 erinnern könnte, wo die deutschen Truppen die Franzosen vernichtend schlugen. Ein Bürger hatte in einem Antrag genau deswegen gefordert, die Straße umzubenennen. Im Sinne der deutsch-französischen Freundschaft. „Unnötig“ war noch das mildeste Urteil unserer Leser nach unserer Berichterstattung über das Vorhaben. Viele kanzelten den Plan als vollkommen hirnrissig ab.

Der Stadtentwicklungsausschuss urteilte kurz und bündig. Er erteilte einer Umbenennung einstimmig eine Absage und entschied ebenso einstimmig, dass die Straßenschilder mit kurzen Erklärungsschildchen bestückt werden sollen zur Frage „wer oder was war ,Sedan´, was geschah dort, wie stehen wir heute dazu“. Was genau draufstehen wird, soll der die Arbeitsgruppe entscheiden, die sich seit einiger Zeit auf Bürgermeister Werner Kolters Initiative mit „fragwürdigen“ Straßennamen in Unna befasst.

Dr. Peter Kracht Massen

Massens Ortsvorsteher Dr. Peter Kracht (Bild oben), der als promovierter Historiker diesem Arbeitskreis angehört, hatte den Vorschlag kleiner Zusatzbeschilderung bei der Diskussion um die Sedanstraße vorgebracht. Es könnte, so seine Überlegung, zum Beispiel darauf stehen: „Zur  Mahnung und Erinnerung an Millionen gefallener Soldaten unterschiedlicher Nationen“.

Dass dieser Arbeitskreis überhaupt im vorigen Jahr neu gebildet wurde, lag an neueren Forschungen über westfälische Dichter und Literaten, deren Andenken durch Straßennamen wachgehalten wird. Manche dieser Autoren – so hat sich jetzt gezeigt – standen (vermeintlich oder offensichtlich) dem Hitler-Regime näher, als bisher bekannt war. „Es wird in mehreren westfälischen Städten derzeit intensiv darüber diskutiert, ob diese Straßennamen geändert werden sollen oder gar müssen“, weiß Peter Kracht. In Unna gab es voriges Jahr bereits eine entsprechende Diskussion über die Wagenfeldstraße. Denn auch ihr Namensgeber Karl Wagenfeld, ein westfälischer Dichter, ist wegen seiner heute bekannten Nähe zum Nationalsozialismus umstritten. In Münster wurde bereits der „Hindenburgplatz“ wieder in „Schlossplatz“ umbenannt. Massens Sedanstraße hingegen darf auch künftig historisch kundige Betrachter an die Schlacht von Sedan erinnern.

Kommentare (10)

Kommentieren