Rundblick-Unna » Schon vor einem Jahr 100 rumänische Metallräuber verhaftet: So ausgeklügelt und perfide funktioniert organisierte Bandenkriminalität

Schon vor einem Jahr 100 rumänische Metallräuber verhaftet: So ausgeklügelt und perfide funktioniert organisierte Bandenkriminalität

Die Verhaftung einer neunköpfigen Einbrecherbande aus Rumänien mitten in Königsborn am Freitag (mit tonnenweise gestohlenem Metall auf vier Transportern) hat zu einer Rekordzahl von Leserzugriffen und einer Flut von Kommentaren geführt.

Mit welchem System diese Banden vorgehen und in welch großem Stil sie operieren, zeigt ein Blick zurück: Am 19. Februar 2014 – also genau ein Jahr vor dem Zugriff in Königsborn – wurden in Dortmund auf einen Schlag gleich 100 Rumänen festgenommen, die in straff organisierten Banden Metallfirmen ausgeraubt hatten. Die Polizei konnte so rund 230 Einbrüche in Metallfirmen aufklären, ging aber noch von einer deutlich höheren Dunkelzahl aus.

Der Ermittlungserfolg lieferte aufschlussreiche Hintergründe über die Art und Weise, wie ausländische Banden operieren.

Im Sommer 2013 kam ein junger rumänischer Arbeiter aus der Dortmunder Nordstadt zur Polizei und packte aus. Er sei in seiner rumänischen Heimat angeworben worden, um in Deutschland zu arbeiten. Als er in der Nordstadt ankam, erfuhr er, dass er für Familienclans Einbrüche begehen soll. Das Gehalt: 150 bis 200 Euro pro Tat.

Von dem Geld musste er dem Kopf seiner 15köpfigen Bande Miete und Essensgeld bezahlen. Rund 20 Euro im Monat soll er für eine Matratze bezahlt haben. Für das Auffüllen des Kühlschranks hielten die Chefs wieder die Hände auf. Mit 15 Mann schliefen sie in einer Wohnung: Der Brigaden-Führer im eigenen Zimmer, der Fahrer ebenso. Die Arbeiter teilten sich ein Zimmer mit mehreren Matratzen. Die Arbeiter werden regelmäßig ausgetauscht.

So arbeiten die Brigaden:

15 Männer bildeten einen Trupp: Der Brigade-Führer hatte die Aufsicht über einen Fahrer und mehrere Arbeiter: Die sogenannten „Pfeile“ kundschafteten die Ziele im Internet aus, die „Toten“ waren für die Schwerstarbeit vor Ort zuständig

Wenn der Tattag, einzelne Gruppen griffen bis zu drei Mal in der Woche zu, gekommen war, reisten die Täter mit mehreren Fahrzeugen zu den Tatorten. Anfahrt, Tat, Abtransport und Verkauf geschahen unabhängig voneinander. Tatfahrzeuge waren ältere Sprinter-Modelle mit ausländischen Kennzeichen für das Metall. Die Einbrecher reisten mit Großraumwagen wie Ford Galaxy an.

Vor Ort beobachteten die Täter die Firmen weiter. Wenn es so weit war, schnitten sie sich durch die Außenhaut der Firmen. Jetzt begann die Arbeit der sogenannten „Toten“. Ihre Aufgabe war es, per Hand die tonnenschwere Beute in die Sprinter zu schaffen.

Teilweise war die Ausbeute so gut, dass die Brigaden weitere Fahrzeuge nachgeordert haben. „Die Täter waren dann 400 Kilometer unterwegs“, berichtete die Dortmunder Kripo.

Das Diebesgut ging zu Händlern in den Niederlanden und in Bochum. Dort häuften sich seit der Eröffnung des beschuldigten Metallhändlers Lastwagen, die in ganz Deutschland gestohlen wurden und dort nur abgestellt waren. Wenn die Kapazität der Sprinter nicht mehr ausgereicht hat, stahlen die Täter weitere Fahrzeuge, berichtet Kriminalhauptkommissar Buchholz.

Die Sprinter waren alle älteren Baujahrs, die Beute teilweise so schwer, dass die Fahrzeuge auf der Felge über die Autobahn fuhren.

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Die Karte zeigt den Aktionsradius der organisierten Bande, die die Polizei genau heute vor einem Jahr dingfest machte. Nach diesem Prinzip funktioniert nach den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft die organisierte Bandenkriminalität im großen Stil generell.

Für Einbrüche in ganz Deutschland verantwortlich

Die Täter waren mindestens für 230 Taten verantwortlich, der Schaden ging in den zweistelligen Millionenbereich. Am schlimmsten traf es einen Unternehmer aus dem Hochsauerlandkreis. Der Automobilzulieferer konnte durch zahlreiche Einbrüche der gleichen Täter nicht mehr liefern und ging pleite.

Insgesamt griff die Polizei 100 Einbrecher auf, die Staatsanwaltschaft erließ 40 Haftbefehle. Die erste Festnahme geschah am 4. November. Aber auch davon ließen sich die Einbrecher nicht abhalten: „Sie redeten nur darüber, wie blöde die Täter waren, sich erwischen zu lassen“, berichtete die Kripo. Die Staatsanwaltschaft erhob 20 Anklagen, davon 6 in Unna. Der Vorwurf lautete auf „schweren Bandendiebstahl“, für den Haftstrafen zwischen einem und zehn Jahre vorgesehen sind.

Kommentare (4)

  • Helmut Brune

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    Ich hoffe, daß das aufrollen der Banden gelingt und meinetwegen sollten alle Täter mindestens 10 Jahre Haftstrafe bekommen.

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  • Barbara Möller via Facebook

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    Es wird immer schlimmer, offene Grenzen gut und schön, das Resultat ist erschreckend.

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  • Ni Bu via Facebook

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    Es besser wenn man die anders bestraft die in den Flieger setzten und zurück den passiert ja nichts zu richtig die haben trotzdem ein warmen Hintern im Gefängnis

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  • Sigrid Degner-Schulte via Facebook

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    Die Grenzen müssen auch wieder dicht gemacht werden, sonst bringt das alles nichts.

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