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Schöpfer des Hammer Glaselefanten stellt in Fröndenberg aus

Der Glaselefant verfolgt Horst Rellecke. Das Los eines Künstlers, der in einem genialen Moment ein Werk für die Ewigkeit schuf und es nun Zeit seines Lebens wie eine Bürde mit sich herumschleppen muss.
Der gläserne Elefant im Maximilienpark Hamm, größte Jumbo-Plastik der Welt, ist eine gewaltige Bürde. Sich so extrem auf dieses zugegeben geniale Kunstwerk reduziert zu sehen, „das hat mich oft verletzt“, gestand Horst Rellecke ein, als er am Sonntag im Kunstladen Fröndenberg (Alleestraße 15) eine gänzlich von Elefanten losgelöste Ausstellung eröffnete: „Was macht das Biest mit meinem Auge“.
Dieses „Biest“ ist ein Gorilla – auf den ersten Blick eine Fotografie, doch mit feinsten Strichen so naturgetreu gezeichnet, dass man jedes Affenhaar sieht. Über das Original wacht der Künstler eifersüchtig in seinem Privatbestand. Manche Bilder wie dieses gibt er nicht her, würde sie auch für große Summen nicht verkaufen. Denn dieses Auge, welches der grimmige Affe entschlossen in der behaarten Faust gepackt hält, steht für Relleckes eigenes Augenlicht. Dieses hätte er vor drei Jahren beinahe verloren. „Ich hatte eine Netzhautablösung und hab´ jede Komplikation mitgenommen, die habhaft war.“ Existenziell bedrohlich ist diese Vorstellung für einen Maler: nicht mehr sehen zu können.
Horst Relleckes Augenlicht wurde „nach großem Theater“ gerettet, und der Künstler setzte diese einschneidenden Erfahrungen in das Bild mit dem Gorilla um. „Ich wollte wissen, wo ich stehe.“ Das „Biest“, erklärt er, steht für die Krankheit.
Dass die Reduzierung dieses vielseitigen Künstlers auf seinen Riesen-Glasjumbo wirklich ungerecht ist, beweist der Querschnitt von Druckgrafiken, Radierungen und Lithografien, die bis zum 10. August im zum „Kunstladen“ umgemodelten leeren Ladenlokal an der Alleestraße 15 zu sehen sind. Nicht in allen kehrt das Auge als Thema wieder. „Engel für Württemberg“ zum Bespiel war Bestandteil einer viel beachteten Ausstellung in Stuttgart: „Sieben handverlesene deutsche Künstler stellten jeweils sieben ausgewählte Bilder in einer Kirche aus“, berichtet Rellecke.
Hingegen rollt beim „lachenden Architekten“ ein Männchen ein Auge vor sich her über ein Drahtseil; und dem Werk „Der Glaselefant im Auge eines richtigen Elefanten“ muss man auch nichts hinzufügen, selbst sich hier schon wieder der Elefant in den Vordergrund drängt. Auch Monika Kostorz, die als ls stellvertretende Bürgermeisterin die Vernissage eröffnete, konnte sich den Hinweis auf den Glaselefanten nicht verkneifen, schwenkte jedoch gleich um zu Relleckes vielfältigem Gesamtrepertoire. „,Die Bauchpinselung´ – schon den Titel find´ ich klasse“, lobte sie das so originell betitelte Bild an der rechten Wand, „und wir haben in Fröndenberg auch ein Werk von Ihnen: eine Schnecke, , die sich – ohne Bezug zu Beamten“ (beifälliges Lachen) – „durch das Rathaus schlängelt.“
Das Bild „Lippespringer“ hat Rellecke übrigens einem (zu seinem Leidwesen nie geschaffenen) Monumentalwerk gewidmet: Einer 51 Meter hohen Skulptur über der Lippe in Hamm. „Das wäre ´ne Nummer geworden.“ Relleckes Fazit – als Architekt und Künstler: „Ich kann groß und teuer – aber nicht klein und billig.“ (sia)

Horst Rellecke, Maler und Architekt aus Möhnesee, schuf von 1981 bis 1984 das heutige Wahrzeichen der Stadt Hamm: Einen 35 Meter hohen begehbaren Glaselefanten. Diese größte Jumbo-Plastik der Welt wurde anlässlich der Landesgartenschau in Hamm aus der alten Kohlenwäsche der stillgelegten Zeche Maximilian (heute Maxipark) geschaffen. Wer im gläsernen Rüssel nach oben fährt, genießt den Panoramablick aus 35 Metern Höhe über die gesamte Stadt Hamm und das Umland.
Die Ausstellung „Was macht das Biest mit meinem Auge“ (Grafik und Malerei) ist bis zum 10. August an der Alleestraße 15 in Fröndenberg zu sehen.

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