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Schneise der Verwüstung – und niemand merkt´s? Videokameras in der City wären kaum durchsetzbar

Vandalen schlagen nachts eine Schneise der Verwüstung durch die Innenstadt, und niemand bekommt etwas mit? Darüber schüttelten nicht nur unsere Leser nach unserer gestrigen Berichterstattung vielfach ihre Köpfe.

Auch die Polizei vermochte heute nicht so recht nachvollziehen, wieso von dem kompletten Dutzend Sachbeschädigungen in der Nacht auf Sonntag offenbar niemand etwas gesehen und vor allem gehört hat. Denn die Randalierer schlugen wie berichtet reihenweise Schaufensterscheiben sowie Fenster von Privathäusern in der Innenstadt ein und schmetterten in einem Fall sogar einen Stehtisch (!) in eine Scheibe. „Das macht doch höllischen Krach!“, wunderten sich Leser und Kommentarschreiber über die bisherige komplette Fehlanzeige an aufgeschreckten Augenzeugen.

Auch Polizeisprecher Ralf Hammerl von der Kreispolizeibehörde hat für diesen Mangel an zielführenden Hinweisen keine plausible Erklärung. „Es waren ja auch Privathäuser betroffen, in denen jemand wohnt“, wundert er sich .“Und die Spur der Verwüstung zog sich durch den ganzen Innenstadtbereich. Wir möchten noch einmal an alle Bürger dringend appellieren, sofort den Notruf zu wählen, wenn sie nachts oder auch tagsüber verdächtige Beobachtungen machen oder verdächtige Geräusche hören. Ein Klirren mitten in der Nacht, wenn so ein Stehtisch gegen ein Fenster fliegt, müsste doch eigentlich jemandem auffallen.“

Ein Geschäftsmann von der Massener Straße regte heute aufgrund der wüsten Ereignisse öffentliche Überwachung an. „Die Innenstadt braucht Überwachungskameras in der Fußgängerzone“, schreibt der Geschäftsinhaber als Kommentar auf unseren Vandalismusbericht. „Die Verkabelung liegt doch schon für Hotspots. Die Polizei hätte ein besseren Überblick, falls mal was sein sollte und sieht auch, wohin die Leute gehen. In jedem Laden wird man doch schon gefilmt. Die Cams kosten doch fast nichts mehr.“

Hierzu schränkt Polizeisprecher Hammerl allerdings gleich ein: Das geht so einfach nicht. „Für Videokameras im öffentlichen Raum gibt es ganz enge gesetzliche Grenzen“, erklärt er den gravierenden Unterschied zwischen privater und öffentlicher Kamera-Überwachung. „Ein Ladeninhaber darf drinnen in seinem Geschäft jeden Winkel mit Kameras überwachen – er darf auch seinen Eingangsbereich filmen. Aber keinen Millimeter Gehweg. Damit machte er sich aus Datenschutzgründen strafbar.“

Fußgängerzone

Für Videoüberwachung im öffentlichen Raum – wie hier der Fußgängerzone auf der Bahnhofstraße – gelten aus datenschutzrechtlichen Gründen engmaschige gesetzliche Vorgaben.

 

Lokalpolitiker, die Videoüberwachung im innerstädtischen Raum durchsetzen wollen, rennen dementsprechend oft gegen Windmühlen an: In Meschede (Hochsauerlandkreis) wurde eine eigentlich schon abgestimmte Kameraüberwachung der Fußgängerzone erst vor wenigen Wochen im Rat plötzlich gestoppt. Die Stadt wollte durch die Kameras dem grassierenden Graffiti-Vandalismus begegnen. Doch die Ratsmehrheit stoppte den Antrag.

Der NRW-Landesdatenschutzbeauftragte Ulrich Lepper pocht darauf, dass sich Bürger im Raum „frei und unbeobachtet bewegen dürfen“. Bisher sind landesweit nur an Kriminalitäts-Schwerpunkten in Düsseldorf und Mönchengladbach Kameras auf öffentlichen Plätzen installiert. Aus Sicht der Datenschützer reichen z. B. Graffiti-Schmierereien rechtlich nicht aus für den Einsatz von Kameras. Zerschlagene Fensterscheiben wie in Unna wären dementsprechend ebenfalls nicht ausreichend.

Die Webcam, die auf den Alten Markt in Unna gerichtet ist, zählt im Übrigen nicht als Überwachungsinstrument, erklärt Ralf Hammerl. „Sie filmt nicht fortlaufend das Geschehen – und die Bilder lassen sich nicht ranzoomen“, erklärt er den Unterschied zwischen Cam und Cam. Die Aufnahmen aus der Webcam würden außerdem nicht abgespeichert. „Und in der Nacht zeigt die Webcam lediglich eine schwarze Fläche“, so Hammerl. „Personen sind nicht erkennbar – meistens sind sie im Dunkeln noch nicht einmal sichtbar.“

– Link zu unserem Ursprungsbericht und den bisherigen Kommentaren:

http://rundblick-unna.de/dutzendweise-sachbeschaedigungen-vandalen-randalierten-heute-nacht-in-der-innenstadt/

Kommentare (20)

  • Gero Bangerter via Facebook

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    Die Gesetzeslage in unserem Land nützt den Straftätern mehr als ihren Opfern.

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  • Ildi Bildi via Facebook

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    Traurig,aber wahr :( einige Politiker vollen das aber nicht wahr haben.

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  • Margarethe Strathoff

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    Täter- vor Opferschutz? Auch eine gute Debatte. Leider aber auch schon höchstrichterlich entschieden. Ich für meinen Fall, werde meine Kamera aktivieren und den oder die Täterin öffentlich machen. Sie können mich ja dann gerne – mit Sicherheit auch aus öffentlichen Mitteln gefördert – verklagen. Verkehrte Welt. Habe ich kein Anrecht auf „Schutz meines Eigentumes“? Warum kann der öffentliche Verkehrsraum nicht gesichtet werden? Es gibt mittlerweile externe Speicherplatten, die nach 12 – 15 Stunden automatisch überspielt werden. Doch wenn es um Straftaten geht, sollten diese Aufnahme zugelassen sein und gespeichert werden dürfen. Mich interessiert es nicht, wer mit wem wann und wo spazieren geht, aber bei Sachbeschädigungen/körperliche Gewalt hört der Spaß auf. Vielleicht sehen es die sogenannten Datenschützer anders, wenn sie selbst mal betroffen sind. Jeder weiß, dass er im Flughafengelände und in allen Bahnhöfen gefilmt wird. Wo ist das Problem bei weiteren öffentichen Gebäuden, Fußgängerzonen? Darf ich hier nicht sicher durchgehen?

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    • Jörg Hißnauer

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      Ich verstehe und unterstütze die Aussage von Herrn Lepper ausdrücklich.
      Diese steht nicht im Gegensatz zum Überwachungsvorschlag von Frau Strathoff. Die WebCam über dem Marktplatz ist erlaubt (was ja OK ist) aber eine Überwachung von Massener Straße, Bahnhofstraße, Wasserstraße und Gerhard-Hauptmann-Straße ist es nicht? Irgendwie vermisse ich da die Argumentation. Kommerz ist OK, Sicherheit nicht unbedingt?
      Wird der/die Bürger/in nicht ausreichend geschützt, schützen diese sich selber. Wie z. B. In den Vereinigten Staaten. Dort gehört Selbstschutz zur Tagesordnung. Wenn dort an einem Grundstück das Schild mit der Aufschrift „WE don’t call 911″ (Wir rufen hier nicht die Polizei), bricht dort keiner ein. Klingt gut, ist es aber nicht. Da verlieren auch schon mal harmlose Schüler, die Bier suchen, ihr Leben.
      Es bedarf dringend einer besseren Vorsorge unter Einsatz moderner Technik. Nicht nur sagen, was nicht geht, sondern sagen, was ginge, wenn….. Umdenken ist angesagt. Und zwar schnell bis ganz schnell.

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  • Gero Bangerter via Facebook

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    Frau Strathoff, ich stimme Ihnen vollkommen zu. Der sichtbare Schaden ist immer die eine Sache, der emotionale Schaden die andere, die oft leider heruntergespielt oder ausgeblendet wird.

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  • Martina Ta via Facebook

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    Auf jeden Fall!! Ich schließe mich dem Kommentar von Margarethe Strathoff voll und ganz an. Es ist schlimm genug, dass wir soweit sind, dass wir unser Hab und Gut mit solchen Mitteln schützen müssen. Woanders gibt es schon Kameraüberwachung, also warum nicht auch hier! Wer nichts zu verbergen hat, den stört es nicht!!!

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  • Jama To

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    Es will keine wissen wie lange man nicht selbst betroffen wird!
    Ich hab Unfall gehabt auf einem Weg wo Täglich paar hundert Leute durch gehen! Es sind auch während des Rettung Aktion Leute die Selben Wege gegangen! Als Zeugen hat sich leider keine gemeldet! So ist auch mit dem Vandalismus! Drei Affen handeln! Nicht Sehen, nicht Hören nicht Wissen! Traurig aber wahr!

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  • Acki Schröter via Facebook

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    In einigen us-amerikanischen städten gibt es die öffentlichen kameras schon lange. Das ergebnis: kein rückgang von verbrechen.

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  • Sascha Krieg

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    Die Amis haben se doch sowieso nicht alle.Da hat doch jeder Hans und Franz ne Knarre!Überwachung zur Sicherung einiger Bereiche wäre doch gut.Wer sich dagegen quer stellt,hat wirklich etwas zu verbergen!Mich würde es nicht stören,zumal ich sowieso eher selten, also nur zur Kirmes, Weihnachtsmarkt, oder Unna Festa Italiana, im Innenstadtbereich bin!

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  • Gero Bangerter via Facebook

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    Angesichts der positiven Mehrheitsmeinung zu einer Verbesserung der Sicherheit stellt sich doch die Frage, wessen Interessen eigentlich die Mehrheit der Politiker vertritt, wenn man in den Parlamenten so stur ist.

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  • Martina Tsatsoulis via Facebook

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    Vielleicht kein Rückgang von Verbrechen aber wie sieht es denn mit der Aufklärung aus?

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  • Cab

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    Wer unerlaubt öffentlichen Grund überwacht, ist ebenso kriminell wie diese hirnverbrannten Vandalen

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  • Michi

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    Richtig Cab ! Bei einigen Kommentaren hier zu emotionalen Themen hat man das Gefühl, die Kommentatoren möchten den Rechtsstaat verlassen, zur Anarchie und Selbstjustiz aufstacheln.

    Wenn man jede Kriminalitätsmeldung in geballter Form örtlich und überörtlich darstellt, entsteht schnell der Eindruck all das nähme Überhand.

    Was sagen statistische Werte über einen längeren Zeitraum dazu ? Und betrifft es einen Ort oder viele ?

    Die KFZ Aufbrüche haben ja dann wohl wieder abgenommen oder ?! weil da ja nicht mehr drüber berichtet wird…. Wie sieht denn die Polizeistatistik eines oder über 5 Jahre aus ?

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  • Sven Hilbk

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    Gibt es keine Möglichkeit eines Bürgerentscheids??? Letzten Endes wird ja die Datenschutzkeule zum „Schutz“ der Bürger geschwungen. Wenn ich jedoch als Bürger nicht diesen, sondern den Schutz durch Überwachung haben will und er mir Verweigert wird, verwandelt sich der Datenschutz zum Täterschutz. Dadurch wird doch die Datenschutzgeschichte zum Feind der Bürger anstatt zu einem Sicherheitsinstrument.

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  • Cab

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    An der aktuellen Sicherheitshysterie ist der Rundblick Unna nicht ganz unschuldig. Diese Delikte gab es auch früher, jedoch fanden sie selten Eingang in die Lokalpresse. Dazu war das gedruckte Wort, der Platz in einer Zeitung, einfach zu wertvoll. Jetzt werden wir mit Informationen bombardiert, die als Nachrichten verkleidet daher kommen. Und reißerische Überschriften schüren das „gesunde Volksempfinden“. So liesse sich auch Progromstimmung erzeugen.
    Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun, lediglich mit dem Bedienen der niedersten Instinkte der verführbarer Massen. Fragt sich, wer ein Interesse daran hat.

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    • Silvia Rinke

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      Geehrte/r Cab, vor einer solchen Pauschalaussage würden wir Ihnen einmal eine ca. zweiwöchige vergleichende Lektüre verschiedener Tageszeitungen empfehlen. Sie werden feststellen, dass nahezu alle Einbruchs- und vor allem Vandalismusmeldungen, die in Onlinemedien wie unserem derzeit (sachlich) berichtet werden, auch in der gedruckten Presse auftauchen. In der Regel später – und längst nicht immer kleiner: Eine in Menden erscheinende Zeitung widmete z. B. einem jugendlichen Brandstifter aus Fröndenberg gleich zwei seitenhohe Berichte an zwei Tagen in Folge. Wir beschränkten uns auf die Mitteilung der Polizei, die im Übrigen all ihre als relevant eingestuften Meldungen in öffentliche Presseportale einstellt, auf denen sie von jedem Interessenten abrufbar sind. Nebenbei gibt es Geschäftsinhaber der Innenstadt, die jetzt schon mehrfach in Folge von Vandalismus betroffen waren. Ihnen bei Diskussionsbedarf „Sicherheitshysterie“ vorzuwerfen halten wir schon zumindest für fragwürdig. VG von der Redaktion.

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    • Martina Tsatsoulis via Facebook

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      Genau, vielleicht sollten die Medien insgesamt einfach eingeschränkt bzw. abgeschafft werden? So würden wir von mancher Hysterie verschont die es wohl früher auch nicht gab weil die Informationen nicht so umfassend und zügig bei uns ankamen!

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  • Sven Hilbk

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    Mir ist das BILD-Prinzip schon absolut bewusst aber mit „das gab es früher schon“ Aussagen ist es ja wohl auch nicht getan.
    Und ich kann die Argumentation das Videoüberwachung in den USA ja auch nichts bringt nicht nachvollziehen. Das ist als würde ich sagen Mausefallen haben bei der Ameisenplage beim Nachbarn nicht geholfen, also stelle ich bei meiner Mäuseplage keine Mausefallen auf.
    In den Staaten haben wir mit freiem Waffenzugang, Gigantischen Sozialproblemen und Rassismus in ganz anderen Sphären als hier ein komplett anderes Grundsystem bei dem diese Lösung eben nicht Funktioniert.
    Und wenn ich dann Lese das ja die Verbrechensrate dort nicht runter geht ist das doch auch am Sinn vorbei geschossen. Bei Videoüberwachung geht es doch nun wirklich nicht um Vorbeugung sondern um Aufklärung.
    Vorbeugung wäre mehr Polizei auf streife an Tagen wo mit Gewalt und Vandalismus auf Grund von Öffentlichen Veranstaltungen und Alkoholkonsum zu rechnen ist.

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  • Margarethe Strathoff via Facebook

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    ..wer ist Herr oder Frau Cab? Ich habe was gegen Anonymität, wenn es um solche Vorwürfe geht. Eine Lösung für diese o.g. Probleme haben wir alle nicht.

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