Rundblick-Unna » Schlicht und ergreifend: Acht You.Tube-Monologe

Schlicht und ergreifend: Acht You.Tube-Monologe

Cara Miller putzt als Joey bei Disney. Foto: Joey

Cara Miller putzt als Joey bei Disney. Foto: Joey

Jennifer Angersbach wühlt durch Jennas Handtasche. Foto: TN

Jennifer Angersbach wühlt durch Jennas Handtasche. Foto: TN

Sean (Johannes Schmidt) redete mit dem Dalai Lama. Foto: TN

Sean (Johannes Schmidt) redete mit dem Dalai Lama. Foto: TN

„Du ziehst das, was ich bin, ins Negative. Das muss aufhören. Es ist dumm.“ .Joey. – „Ich kann euch nicht sagen, warum ich so bin… aber so bin ich.“ .Jenna. – Menschen sind eben, wie sie sind: lesbisch und schwul, Vegetarier und radikale Atomgegner, Rollstuhlfahrer und Lipgloss-Horder.

Alle zusammen möchten, dass „man sich erinnert“: Irgendwer, egal wer, soll sich erinnern an sie als Mensch, also filmen sie sich selbst beim Reden und stellen diese Videos auf YouTube ein.

Die Videos zeigen immer nur eine Person beim Reden: über das Coming-Out als Schwuler oder das Lesbischsein, den Wahnsinn, Atome zu spalten oder angesichts weltweiter Hunger- und Dürrekatastrophen noch Fleisch zu essen – wo dochdie Produktion nur eines Kilos Rindfleisch doch 15 500 Liter wertvollstes Wasser vernichtet.

Schlicht und ergreifend bringt das Narrenschiff, von André Decker inszeniert, „Die.You Tube.Monologe 2.0″ auf die Bühne; so unprätentiös, realitätsecht und evident undramatisch, da eben wenig Drama zu erwarten ist, wenn ein Mensch im stillen Kämmerlein vor sich hin redet und sich selbst dabei filmt, wenn niemand antwortet – gar nicht antworten soll. Aus den Zimmern – ins Netz – auf die Bühne!

Acht Figuren öffnen sich

Shelley (Clara Henrichs) ist überzeugte Veganerin. Foto: TN

Shelley (Clara Henrichs) ist überzeugte Veganerin. Foto: TN

Josh (Marc Debie) beschreibt sein Coming Out in einem konservativ-amerikanischen Landstrich. Foto: TN

Josh (Marc Debie) beschreibt sein Coming Out. Foto: TN

Gabriel (Richard Pothmann) warnt vor den atomaren Gefahren.

Gabriel (Richard Pothmann) warnt. Foto: TN

Eine junge Frau (Edith Schneider) aus Frankfurt/Oder hat Gott gefunden. Foto: TN

Eine junge Frau (Edith Schneider) hat Gott gefunden. Foto: TN

Acht Darsteller plaudern am Bühnenrand einzeln über das, was sie bewegt: Über das schwierige Coming-Out als Schwuler (Josh/Marc Debie), den Atomwahnsinn (Gabriel/Richard Pothmann), über Alkoholismus, Veganismus oder die beglückende Begegnung eines Querschnittgelähmten mit dem Dalai Lama (Sean/Johannes Schmidt): „Es kommt nicht drauf an, ob das alles einen Sinn macht für dich. Worauf es ankommt, ist, ob du mitfühlend bist.“

Solche schlichten Erkenntnisse beschäftigen die „Generation You Tube“, und wie diese Botschaften außerhalb des www auf der Bühne wirken, zeigt das Narrenschiff nun mit der Fortsetzung der Monologe von 2009.

Wieder reichen einige starke Darsteller, die authentisch und pointiert reden – der Inhalt mag profan oder lächerlich klingen, zuweilen auch peinlichst privat: „Ihr denkt wohl alle, ich sei verrückt, und findet es witzig, einem Verrückten zuzuhören“, blafft Bernice/Kim Schütt sein anonymes Publikum an – doch „… es ist bloß… ich will, dass man sich erinnert…“

Das wollen alle hier wohl wahrscheinlich. Die You.Tube-Monologe 2013 – wie vor vier Jahren aus dem Internet gesammelt und wortgetreu aus dem Amerikanischen übersetzt – gefallen André Decker selbst noch etwas besser als die von 2009: Sie sind, so bleibt der Eindruck von der Premiere am 27. Oktober zurück, noch origineller in der Zusammenstellung und noch ein bisschen authentischer erzählt.

Und wie unterhaltsam es sein kann, wenn Menschen einfach nur von ihrem Leben berichten, merkt man, wenn man sich nach 90 Minuten (ohne Pause) staunend fragt, wo denn nur die Zeit geblieben ist. Empfehlung: hingehen – geht noch am Mittwoch, 30. 10., und Freitag, 8. November, jeweils ab 19.30 Uhr.

Hat Bernice (Kim Schütt) nur eine Stimme, weil er "zurückgeblieben" wirkt? Foto: Tn

Hat Bernice (Kim Schütt) nur eine Stimme, weil er „zurückgeblieben“ wirkt? Foto: Tn

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