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"Schaffst du´s im Sauerland, schaffst du´s überall".

Menden Wenn jeder Dritte von gut 800 Besuchern schon quiekend über der Stuhllehne hängt, noch bevor der Künstler überhaupt losgelegt hat, hat der Künstler irgendwie was richtig gemacht.  „Mr. Minipli“ Atze Schröder auf der Wilhelmshöhe, strahlend wie Mr. Honeymoon und an den Füßen die unvermeidlichen Cowboystiefel – „wenn ich Slipper trüge, würde ich ja schon fremdgehen….“ richtig fremdgehen heißt Atzes neues Programm, mit dem er faszinierenderweise auf der Wilhelmshöhe startete. Einleuchtende Erklärung: „Schaffst du´s im Sauerland, schaffst du´s überall“. Er schaffte sie.

800 johlende Atze-Fans schafft die Wilhelmshöhe auf einen Schwung nur mit sperrangelweit geöffneten Türen sprich mittels Einbeziehung des Spiegelsaals. Bis auf die Galerie hinauf kocht die Stimmung ab Minute eins, denn Atze ist sowas von gut drauf! „Lehnt euch zurück, lasst euch verwöhnen“ – wer kann dazu nein sagen… – „ihr seid wichtig! Ich muss nirgends mehr spielen, wo ich keinen Bock habe. Ich bin hier,weil ich hier sein will!“ Genug Süßholz geraspelt, der Meister des tiefgelegten Humors hat sein neues Programm zu verkaufen. Wie kommt er bei Fremdgehen auf Ursula von der Leyen… klar, die hat auf mysteriösem Weg sieben (!)  Kinder produziert und „damit ihre eigene Rentenversicherung, sozusagen. Die wird den Pandas im Zoo als Video vorgeführt, damit bei denen auch mal was geht.“ Fremdgehen:  immer auch eine Frage von Attraktivität. „Wenn du sch….e aussiehst, fällt´st dir leicht, treu zu sein.“ Pause. „Angela…“ er muss gar nicht weiterreden, die Masse hängt Tränen lachend in den Stühlen.

Da sich Mr. Miniplis Spezialhumor zu etwa 90 Prozent unterhalb der Gürtellinie abspielt, kauft man sich besser keine Karte, wenn man sowas nicht mag. Beim Premierenabend in Menden scheinen alle bestens zu wissen, wen (und was) sie sich mit Atze geben. „Fängt Fremdgehen schon an, wenn ich statt Porsche Kia fahre?“, sinnt er; „ok, dann wär´ ich jetzt noch nicht hier… oder wenn ich zum Frühstück statt Nutella plötzlich Gesichtswurst will?“ Dass allein „Gesichtswurst“ schon wieder Lachgebrüll produziert, beweist, dass Atze eigentlich gar nichts groß machen muss. „Ihr seid ein Wahn-sinns-publikum!“, ruft er fasziniert und läuft zur  Hochform auf: Im Sprechen erfindet er neue Gags. „Was sagt der Brasilianer zu Tangaslip? – Aromakordel!“ Made in Menden, 5. Februar 2014. Von Brasilien nach Griechenland! „Die haben für jede Sauerei die richtige Insel! Lesbos.. Samos…“ Inzwischen lacht er sich über seine eigenen Witze schlapp, „… diese Griechen…!“, prustet er, „was haben wir mit denen Spaß gehabt! Und jetzt müssen wir´s bezahlen! Wir dachten doch jahrelang, der Ouzo nach dem Essen wär umsonst!“ Fremdgehen im Fußball: Ein Sport, der  spätestens seit Jogi Löw vor Erotik nur so dampft. „Christiano Ronaldo!“ Er mimt dessen Wackelhüftgang. „Da denkt sogar der Ball, Mann, knall mich an die Latte!“

Im Privatleben gehört zum Fremdgehen zwingend  eine gewisse Basishygiene. Zum Glück kapiert selbst mancher deutsche Mann inzwischen, dass ein Nasenhaarschneider noch zu was anderem taugt als zum Milchaufschäumen. Und Rückenbehaarung, „klar legt die sich platt! Aber die gröbsten Milben sollte man schon aus dem Unterholz befreien.“ Nicht so wie neulich der Typ in der Sauna – „ich dachte echt, der schmuggelt ´n Biber!“ Fazit nach zweistündiger Fremdgeher-Exkursion: „Wir Männer können nicht anders: Genetik. Genetik heißt: Geht nicht anders.“ Aufs Sauerland bezogen: „Liebe vergeht, Grundbuch besteht.“ Er reißt die Arme auseinander: „Ich liebe euch!“ Den Waldorf-Kindergarten gibt´s natürlich auch noch – als Zugabe.

 

– Bis Mitte November sind alle Vorstellungen deutschlandweit ausverkauft. Nächste Gelegenheit zum Fremdgehen mit Atze hier in der Nähe: 19. Dezember, Siegen, Siegerlandhalle.

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