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Rückkehr zum „entspannten Gymnasium“ – CDU/FDP kippt Turbo-Abi G8: Initiative sieht offene Fragen

Jetzt plötzlich doch wieder 9 Jahre Gymnasium als Regelfall – Abwendung vom Turbo-Abi G8. Die Initiative für eine Rückkehr zu G9 freut sich zwar über den Entschluss der neuen schwarzgelben Landesregierung, sieht aber einen Haufen offener Fragen.

Hier die Pressemitteilung von Regionalkoordinatorin Dr. Anne-Babett Woelke-Westhoff aus Hemer.

Offenbar auch auf Druck des laufenden Volksbegehrens plant die neue schwarz-gelbe Koalition eine Rückkehr zu G9 – also neun Schuljahre bis zum Abitur – als Regelfall, wobei auf Antrag einzelne Gymnasien beim Turbo-Abitur bleiben können.

Natürlich freuen wir uns sehr über diesen Kurswechsel in NRW. Der Wille der Bürger hat erfolgreich zu einem Umdenken in der Politik geführt.

Die Initiative sieht aber viele offene Fragen:

Erstens dauert der Wechsel zu G9 nach diesen Plänen sehr lange:

der sehr späte Start 2019/2020, der zudem nur für die Klasse 5 geplant ist, bedeutet: erst die jetzigen Zweitklässler dürfen wieder ein G9 machen. Damit werden all die Bürger, die sich seit Jahren für den Wechsel zu G9 einsetzen, nicht zufrieden sein. Wir wollen einen Wechsel in 2018/19 für die Klassen 5-8, sodass auch die jetzigen Sechstklässler noch von einem Jahr mehr Mittelstufe profitieren können.

Als Begründung für den gebremsten Einstieg in G9 erst in zwei Jahren und dann auch nur jeweils für eine Klassenstufe erklärt uns Herr Lindner, man könne „nicht mitten auf der Autobahn die Reifen wechseln, & mitten in der Gymnasialzeit vollständig auf G9 wechseln“. Aber würden vernünftige Autofahrer nicht sofort auf den Seitenstreifen fahren & die Reifen wechseln, wenn sie merken, dass mit den Reifen etwas nicht in Ordnung ist?! Mal abgesehen vom Niveau dieser platten Begründung werden sich all die Bürger, die die sich seit Jahren für den Wechsel zu G9 einsetzen, damit nicht zufriedengeben. Es würde bedeuten: 4 Jahrgänge mehr fahren mit 4 kaputten Reifen!

Warum geht in NRW nicht, was in Niedersachsen funktioniert hat, innerhalb eines Jahres die Stufen 5 – 8 zu G9 zu wechseln?

Zweitens wissen wir ohne Informationen über Pflichtstundenzahlen nichts über den Zwang zu Nachmittagsunterricht und im Kontext dazu ist die Bedeutung der Aussage, dass der Ganztag vom Wechsel unberührt bleiben solle, unklar bis besorgniserregend.

Armin Laschet will ein „echtes G9 mit Halbtag ermöglichen“, – konkrete Informationen über Pflichtstunden und damit ggf. doch den Zwang zu Nachmittagsunterricht fehlen aber bisher.

Drittens muss geklärt werden, was der „Stärkungspakt Gymnasium“ bedeuten soll und ob er tatsächlich nur für die G8- Gymnasien gelten soll. Auch die falsche Aussage, dass für den Wechsel zu G9 mehr Lehrer benötigt werden, wirft die Frage auf, wofür denn diese neuen Stellen geplant sind.

Die Frage, wie es nun mit dem VB weitergeht, wird erst in den nächsten Tagen zu beantworten sein; zunächst machen wir weiter, indem wir die bereits ausgefüllten Listen einsammeln.

Wir hoffen sehr, dass es uns gelingt, gemeinsam mit der Landeselternschaft der Gymnasien weiterhin einen erfolgreichen Weg zu finden, um die konkrete Ausgestaltung dieses schwarz-gelben G9 zum Wohl der Kinder und Jugendlichen und im Interesse der Bildungsqualität am Gymnasium konstruktiv mitzubestimmen.

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