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Rock, Folk, Wohlfühl-Depri-Blues: Songperlen aus 30 Anne-Haigis-Jahren

Über drei Jahrzehnte macht Anne Haigis Musik. „Sie ist gut in Schuss“, kündigte Frank Schröer (Kultur für Uns) am Samstagabend den dritten Auftritt der löwenmähnigen Schwäbin in der  Kulturschmiede an und kam aus der Nummer (natürlich) nicht mehr raus,  denn „gut in Schuss“ – wie sich das anhört. Bei einer Dame!

„Äh – das war jetzt nicht so gemeint, wie es schien!“, versuchte der KfU-Vorsitzende lachend ins allgemeine Gelächter hinein den Rückzieher, doch es war längst zu spät – „ich sag´ jetzt am besten gar nichts mehr“, weiterlachend ab von der Bühne. Es trat auf: Anne Haigis, die dankenswerterweise direkt lächelnd darüber aufklärte, was Schröer gemeint hatte mit seinem „gut in Schuss“. Erstmals „ohne Aua“ bei einem Konzert in Fröndenberg! „Sonst hatte ich immer irgendwas. Irgendwas war immer“, erklärte die sympathische Sängerin, ihre Gitarre in Arm. „Als ich das erste Mal hier spielte, hatte ich mir sogar gerade die Hand gebrochen.“

Diesmal also: Alles perfekt, alles in Schuss bei der stimmgewaltigen Rock- und Balladenröhre, die in der passabel gefüllten Schmiede auf der Bühne zwischen flackerenden Kerzen „Songperlen“ aus über 30 Jahren spielte und sang. Dazu brauchte sie lediglich ihre fantastische Stimme – die in 30 Jahren nichts von ihrer durchdringenden Intensität verloren hat -, ihre Akustikgitarre sowie eine zweite Sängerin mit Akustikgitarre neben sich, Ina Boo. „Meine Mädelsband“, stellte Anne Haigis die blonde, zierliche Musikerin lächelnd vor, „ich wollte immer eine Mädelsband haben.“ Die beiden Musikerinnen, stimmlich wie optisch reinste Gegensätze, ergänzten sich bei Anne Haigis´s „Songperlen“ aus drei vergangenen Jahrzehnten vortrefflich.

Hund Schröer KfU

Aufmerksames Lauschen mit gespitzten Ohren war angesagt.

Bekannte Songs aus den 80ern und frühen 90ern klangen in ruhigen Akustikfassungen reizvoll neu und teilweise wie noch nie gehört. „Kind der Sterne“, Anne Haigis´ wohl größter und bekanntester Hit aus den 80ern, erwies sich als Abräumer. Viele Zuhörer bewiesen sich hörbar textsicher schwelgten mitsingend in Erinnerungen.

Wer wie die Haigis inzwischen 14 Alben veröffentlicht und dabei u. a. mit Wolf Maahn, Eric Burdon und Nils Lofgren zusammengearbeitet hat, dem muss es schwer fallen, aus dieser prall gefüllten Schatztruhe Songperlen für einen einzigen (kurzen) Konzertabend herauszupicken. „Songperlen“, die auf eine in Fröndenberg aufgenommene Live-CD Einzug halten werden, dies nur nebenbei. „Meine Lieblingsschmiede“, freute sich die Schwäbin nämlich, mit glänzenden Augen durch den Saal blickend… Ist doch auch mal wieder ein schönes Kompliment für Fröndenbergs tolle  Kultur-Location.

Kulturschmiede Frö

Tolle Stimmen, tolle Gitarrenmusik, toller Konzertabend. Die Besucher in der Schmiede fanden´s klasse.

Im Songperlen-Schatzkästlein der Anne Haigis bargen sich sowohl rhythmische Stücke aus ihren Anfängen als Deutschrockerin wie auch Folkiges und Blues – „Weißer Blues“, kommentierte sie amüsiert, „ich nenn´s sie immer meine Wohlfühl-Depri-Musik.“

Zwei besonders nachdenkliche, ruhige Stücke widmete die Wahlkölnerin (inzwischen Bonnerin)  einer großen, wenn nicht der größten Kölner Künstlerin: Trude Herr. Haigis spielte und sang diese beiden Lieder beim Fünf-Jahres-Gedenkkonzert zu Trude Herrs Todestag auf der Kölner Domplatte: „Papa“ (auf „Against all odds“ von Phil Collins) und „Nacht aus Glas“, Trude Herrs letzter Song vor ihrem Tod.

Wenn Anne Haigis zum vierten Mal in der Kulturschmiede gastiert (man geht davon aus, dass es ein viertes Mal geben wird), könnte sie nicht besser „in Schuss“ sein. 😉

Kommentare (1)

  • Helmut Brune

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    Das klingt vielversprechend, solche Konzerte mag ich sehr.

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