Rundblick-Unna » Prünte-Nebenhaus bleibt weiter evakuiert – Stadt: keine Verantwortung – Gelände „in irgendeiner Weise aktiv“

Prünte-Nebenhaus bleibt weiter evakuiert – Stadt: keine Verantwortung – Gelände „in irgendeiner Weise aktiv“

Die Standsicherheit des Prünte-Nachbargebäudes bleibt weiterhin nicht zu gewährleisten – das  Wohn- und Geschäftskomplex am Eingang der Bahnhofstraße (neben der Prünte-Baustelle) bleibt daher weiter evakuiert. Zehn Mieter sind betroffen sowie die Ladenbetreiber des Handygeschäfts, des Frisörs und Ovator. Zugleich weist die Stadt eigene Verantwortlichkeiten klar von sich.

Planungsdezernent Ralf Kampmann gab am heutigen Abend in der Ratssitzung einen aktuellen Sachstandsbericht zu den gestrigen Vorfällen auf der Prünte-Baustelle ab. Er antwortete damit auf eine Anfrage, die Piraten-Fraktionschef Christoph Tetzner noch gestern Abend an den Bürgermester gemailt hatte (wir berichteten). Wenige Stunden vorher waren bei Probebohrungen auf der Prünte-Brache großflächige unterirdische Hohlräume entdeckt worden, die sich in sechs bis zwölf Metern Tiefe erstrecken.

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Zur Verdeutlichung der Dimensionen schlüsselte Kampmann die „1400 Kubikmeter“, die die Stadt gestern vor Ort bekannt gegeben hatte, auf: „20 mal 10 mal sieben Meter groß. Die Sohle findet sich auf zwölf Metern. Zur Verfüllung werden 100 bis 120 Beton-Mischwagen benötigt.“ Ein Raunen ging durch den Ratssaal, doch Kampmann war noch nicht fertig: „Gestern war auch leichter Tagesbruch festzustellen. Das Gelände ist in irgend einer Weise aktiv.“

Mit Stand von heute Nachmittag, 15 Uhr, könne kein Architekt der Stadt Standsicherheit des Hauses garantieren. Daher muss es weiterhin geräumt bleiben. Kampmann zur Schilderung der jetzt begonnen Aktivitäten: „Man gräbt sehr vorsichtig die Giebelwände frei.

Damit beauftragt ist das amtlich zertifizierte Büro IBL, das, so betonte Ralf Kampmann, spezialisiert ist auf Altbergbau und Schachtsanierungen. Mit den Bewohnern des Nebenhauses stehe die Stadt in engem Kontakt. „In Absprache mit der Bauleitung ermöglichen wir das Betreten des Gebäudes. Mieter möchten Sachen herausholen, weil sie vielleicht in Urlaub fahren möchten, Tiere müssen gefüttert werden. Es wird natürlich darauf geachtet, dass nicht gerade dann jemand im Haus herumläuft, wenn gerade an den Giebelwänden gegraben wird. Die Gefahr, dass etwas passiert, ist dann am größten.“

War die Existenz dieser Hohlräume nicht vorher bekannt? Durchaus, gab Kampmann offen die Anwort. „Es gab Vermutungen und Hinweise älterer Unnaer hinsichtlich eines Luftschutzkellers. Auch die Bauverwaltung wies auf diese Mutmaßungen hin. Der Bauherr ging entsprechend gründlich vor. Es war klar, dass mit unterschiedlichen Kellern in unterschiedlichen Tiefen zu rechnen war. Es war deswegen auch klar, dass eine Gründung sehr schwierig werden würde.“

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Anschließend habe die normale zweite Phase der Sondierung begonnen. Eine „Pfahlgründung“ will der Bauherr für den Neubau vornehmen. Und bei diesen Arbeiten wurde eben gestern dieser Respekt einflößende Hohlraum entdeckt. Verfüllt werden muss er nun mit bis zu 120 Mischwagen voll Beton.

Zur Frage Christoph Tetzners, ob die Stadt in der Verantwortung sei, antwortete der Planungsdezernent: „Klares Nein. Die Bauordnung NRW regelt diesen Punkt klar. Der Bauherr hat alle erforderlichen Unterlagen vorzulegen. Wir waren unterstützend tätig.“

Zu den Schadensersatzansprüche schließlich: „Das kann ich nicht beantworten“, stellte Kampmanns Dezernentenkollege Uwe Kutter fest. „Zivilrechtliche Ansprüche stehen im Raum. Was ist zwischen Käufer und Verkäufer geregelt?“ Er gehe davon aus, schloss Kutter, „dass wir in fünf Jahren wissen, wer wofür aufkommt.“

Kommentare (16)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Das kann ein teurer Spaß werden, der meines Erachtens jetzt noch gar nicht Eingeschätzt werden kann.

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  • Susana Decker via Facebook

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    Super geht gar nicht

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  • Kerstin Kuhz via Facebook

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    unglaublich……jetzt wird die Schuldfrage hin und her geschoben und die armen Mieter/ Geschäftsleute können ihrem Geld hinterher rennen oder wie ?

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  • Tim Ballast via Facebook

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    Erinnert mich irgendwie an den 09.07.2009 in Wasserkurl

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  • Jessika

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    Danke für die Information an Rundblick.

    Jetzt kann Herr Sacher von den Grünen wieder rumpöbeln, dass der Pirat das wissen wollte …ich bin froh, dass Fragen gestellt und beantwortet werden !

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Gern geschehen, Jessika. Zur Anmerkung: Herr BM Kolter dankte in der Ratssitzung Herrn Tetzner dafür, dass er seine Fragen zeitnah noch gestern Abend eingereicht hat. So habe man ausreichend Zeit gehabt, sich ihnen zu widmen.

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  • Lisa

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    „dass wir in fünf Jahren wissen, wer wofür aufkommt.“ Ja herzlichen Glückwunsch!

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  • Markus Zalaszentlaszlo via Facebook

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    Woher wusste ich das der Spruch der Verantwortlichen von der Stadt Unna so kommen musste! Zitat Rundblick Unna ( Zugleich weist die Stadt eigene Verantwortlichkeiten klar von sich ) Wer hat Abbruchgenehmigung erteilt? Ausserdem habe ich da nicht etwas in Erinnerung? Kann es sein das bei dem Kastanien Unfall die gleiche Aussage war? Wir können dann auch nur hoffen das jetzt nicht noch ein Bauarbeiter auf der Baustelle verletzt wird oder schlimmeres passiert dann kommen die Verantwortlichen der Stadt Unna wahrscheinlich wieder mit dem alt bekannten (Spruch) Zitat ( Siehe oben )! Allerdings wird die Luft dann sehr dünn !!!!

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    • Jama To via Facebook

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      Die Bäume sollte keine Einbetoniert werden! Natur können wir nicht besiegen! Dafür sind die Götter in Amt verantwortlich! Egal wohin man sich Umschaut sind paar hundert Jahren alten Bäume einbetoniert! Armutszeugnis für uns Menschen! Die meisten Bäume waren da bevor Unna gegründet wurde!

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  • Alexander Budgen via Facebook

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    Hätte man sich das Prüntehaus und alte Baupläne nicht gründlich anschauen können bevor man mit dem Abriß begann?
    Wie geht es jetzt weiter mit den Mietern und Geschäftsleute vom Nachbarhaus?
    Die Stadt könnte ja wenigstens eine Soforthilfe zu Verfügung stellen, und sich anschließend das Geld bei den Verantwortlichen wiederholen.

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  • Markus Zalaszentlaszlo via Facebook

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    Ich prophezeie das die Häuser daneben nicht zu retten sind und der Abrissbirne zu weichen haben damit der Investor auch richtig Reibach macht !

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  • Michael Sacher via Facebook

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    Nur kurz: Wissen wollten das alle. Deswegen hätte die Verwaltung so oder so einen Sachstandsbericht gegeben (und durch eben einen solchen vom zuständigen 2. Beigeordneten wurden dann auch die ‚Fragen‘ von Christoph Tetzner beantwortet). Natürlich kann man das Selbstverständliche auch noch mal mit viel Theater einfordern und sich so in den Vordergrund spielen wollen. Im Ergebnis, auch für die Bürger, bringt das nichts; und wenn zudem durch politischen Heckmeck in der Ratssitzung von der FLU (vorher noch in Listenverbindung mit den Piraten) verhindert wird Nachfragen zur Anfrage zu stellen, ist das noch weniger produktiv. Und: BM Kolter bedankte sich dafür, dass die Fragen vorab schriftlich eingereicht wurden und nicht dafür, dass sie überhaupt eingereicht wurden.

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  • Jessika

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    Herr Sacher scheint ja irgendwie angepisst zu sein. Ist er neidisch darauf, dass andere die öffentliche Aufmerksamkeit bekommen haben, und nicht er ?! Oder ärgert er sich, dass ER diese Fragen nicht gestellt hat ?!?
    Die Grünen spielen keine Rolle und ihre tollen ideologischen Ideen kommen auch einfach nicht an. Da scheint er ja sehr drunter zu leiden.

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  • Monika Petersmann via Facebook

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    Aus welcher Zeit stammen die Hohlräume?

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  • Michael Sacher via Facebook

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    Irgendjemand brachte hier schon mal den Vorwurf des ‚Herumpöbelns‘ gegenüber einen meiner Beiträge auf …

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