Rundblick-Unna » Prünte-Baustellenzwischenfall erinnert an Baumsturz: Wieder kein Wort über die – oder zu den – Betroffenen

Prünte-Baustellenzwischenfall erinnert an Baumsturz: Wieder kein Wort über die – oder zu den – Betroffenen

Und wieder einmal fällt kein Wort über die – oder an die – Betroffenen: Nachdem tief unter der Prünte-Brache an der Bahnhofstraße am Mittwoch großflächige Hohlräume entdeckt wurden und das Nebenhaus eilig geräumt werden musste, erinnert das Verhalten der Stadt einige Leser unangenehm frappant an den Kastaniensturz vom 31. März.

Rollerfahrer Baumsturz Tafel

Kein Wort fällt wieder über die Betroffenen – oder gar persönlich an sie. Wie nach dem 31. März, als Uwe Müller (oben im Bild)  – Mitarbeiter der Tafel Unna – auf seinem Roller von der stürzenden Kastanie vor Café Koch getroffen  und schwer verletzt wurde. Wir berichteten darüber, dass der schwerst Verletzte Monate nach dem Unglück nicht einmal eine Genesungskarte oder einen Blumenstrauß von der Stadt bekam. Dafür eine Woge von mitfühlenden und herzlichen Gesundungswünschen von unseren Lesern, über die sich der jetzt langsam Genesende sehr gefreut hat.

Beim gestrigen Sachstandsbericht im Rat zum Baustellen-Zwischenfall auf dem Prünte-Gelände sagte Planungsdezernent Ralf Kampmann nur dies: „Wir sind sehr froh, dass nichts passiert ist.“ Ja, das kann die Stadt nun allerdings sein. Nicht auszudenken, der 20 mal 10 mal 7 Meter große Hohlraum unter dem Grundstück wäre nicht rechtzeitig genug entdeckt worden – und das mehrstöckige Wohn- und Geschäftshaus, das sich zuvor Wand an Wand an Prünte schmiegte, wäre in sich zusammengestürzt.

Zehn Menschen wohnen darin, und im Erdgeschoss befinden sich drei Läden. Handyladen, Frisör und Tierbedarf  müssen auf unabsehbare Zeit geschlossen bleiben, da der Komplex momentan nicht als standsicher gilt. Die Mieter und Ladenbetreiber haben von der Stadt freilich die Erlaubnis bekommen, in Absprache mit der Bauleitung das Haus zu betreten, um vielleicht persönliche Sachen herauszuholen oder (im Fall des Tierbedarfshandels Ovator) die Tiere im Geschäft zu versorgen.

Für die Stadt wies Planungschef Ralf Kampmann gestern im Rat deutlich jede Mitverantwortung zurück. Auch dies geschah zuvor fast wörtlich im Kastanien“fall“ (der ja buchstäblich ein „Fall“) war, damals wie jetzt erklärt die Verwaltung, ihr sei kein Versäumnis anzulasten. Sehr unangenehm stieß Rundblick-Lesern die (gleichgültig/lakonisch wirkende) Bemerkung von Dezernent Uwe Kutter auf, der aus jurstischer Sicht zur Frage von Schadensatzansprüchen Stellung nahm: Diese Auseinandersetzungen würden sich zivilrechtlich abspielen, und von den Ergebnissen werde man möglicherweise „erst in fünf Jahren“ erfahren.

Wichtig für die Bewohner indes:

Da die Räumung des Hauses am Mittwochabend auf Anordnung der Stadt Unna veranlasst wurde, ist sie rechtlich auch der Ansprechpartner für die betroffenen Mieter und Ladenbetreiber wegen Soforthilfen. Die Bewohner des evakuierten Gebäudes sollten sich nicht scheuen, die Verwaltung auf mögliche Hilfsmaßnahmen anzusprechen.

Kommentare (19)

  • Markus Zalaszentlaszlo via Facebook

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    Sehr Bürgernah unsere Politiker! Aber vor Wahlen wieder Rote Rosen verteilen!!!

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Wie Unglaublich ist das denn bitte!! Da betreibt man ein Geschäft, teilweise schon Jahrzehntelang. Dann beschließt die Stadt, das Prünte Gebäude ab zu reißen und als Folge davon ist sein Gebäude auf einmal Einsturzgefährdet. Das Geschäft muß Geschlossen bleiben und keiner darf mehr hinein. Man hat keine Einkünfte mehr, die Guter, die man gekauft hat können nicht verkauft werden und demzufolge werden unschuldige Menschen benachteilt. Ich gehe davon aus, daß die Stadt den Abriss von Prünte veranlaßt hat. Deutlich ist auch, daß man sich nicht sorgfältig genug informiert hat, wie das Gebäude aufgebaut war.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Meine Meinung ist, daß die Stadt hier doch Verantwortlich ist. Natürlich bin ich kein Jurist kann aber logisch Nachdenken. Es ist doch zum Himmel schreiend, daß die Geschäftsleute 5 Jahre warten müssen, bis sie auf Entschädigung rechnen können. Ethisch unverantwortlich von der Stadt.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Beschlossen hat den Abriss nicht die Stadt, sondern der Investor, Helmut Brune.

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      • chrissy westh

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        Ist verständlich. Investor hat die Hauptverantwortung, weil dieser investiert. Aber durch städtische Genehmigungen ect. z. B. Bauamt müssen aber generell vorher beantragt werden. Letzten Endes – verlässt man sich – zu guter Letzt, auch u.a. bzw. muss man die Bauunternehmung vertrauen. Ich würde mal sagen, 1en Menschen diese Verantwortlichkeit anzulassten, wäre meines Erachtens nicht Rechtens. Sinnvoll wäre es – auch wenn es leider mit Kosten verbunden ist, ein Gutachten erstellen zu lassen um anhand von Entscheidungen oder generell in Bezug auf Regressansprüche, auch geltend machn zu können.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Danke für die Info. Also müssen sich die Geschädigten da ihr Recht holen. Dann muß ich mich einfach bei der Stadt entschuldigen für meine Anschuldigungen.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Dennoch sollte die Stadt wenigstens Interesse zeigen für das Leid der Betroffenen.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Für den Abriss wurde die Genehmigung erteilt, das ist natürlich richtig, Melanie Köhnemann. Die Frage der unterschiedlichen Verantwortlichkeiten gestaltet sich momentan als undurchsichtige Gemengelage.

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  • Elke Schmidt

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    Ab heute will niemand mehr Blicke auf die Baustelle zulassen. Der Zaun wurde verhängt.

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  • Daniela Walter via Facebook

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    Warum wurde direkt an der Commerzbank gebort??? Gehen die „Keller“ bis dahin??? Sind weitere Häuser gefährdet????

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Diese Gewölbe ziehen sich durch die gesamte (Alt-)Stadt, Daniela Walter. Nein, es gibt keine Mitteilung, dass weitere Häuser gefährdet sind.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Man sollte im Leben grundsätzlich auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, Daniela Walter – aber nicht, dass morgen gnaz Unna vorsorglich auf gepackten Taschen sitzt 😀

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  • Ingo Thissen via Facebook

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    Hier ist das ein beispiel eines Problems, wie in ganz Deutschland aber Probleme in Deutschland sind nicht wichtig für die Regierung sind nur Flüchtlinge wichtig und die, die mit geholfen haben Deutschland wieder aufzubauen leben an der Armutsgrenze. Das ist unsere Politik, lässt sich nur verarschen.

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    • Melanie Köhnemann via Facebook

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      Sie müssen doch nen totalen Knall haben!! Was haben Flüchtlinge mit diesem Thema zu tun?? Das dies für die Geschäftsleute und Mieter nicht angenehm ist ist das eine.. Hungern und frieren müssen sie allerdings nicht..

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      • Lydia Arnheim

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        Danke, Melli!
        Ich kann dieses braune Gewäsch auch nicht mehr ertragen.

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  • chrissy westh

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    Ist schon heftig. Allerdings Sicherheit geht vor in unserer Gesellschaft. Schließe mich den Kommentaren von Helmut Brune u. a. an.
    Meines Erachtens, sind die allen Beteiligten, von Beginn der Genehmigungen, Investionen, sowie Bauträger zur Verantwortung zu ziehen. Würde vorschlagen in Falle von Regressansprüchen ein Gutachten – erstellen zu lassen, um eine „g e m e i n s a m e LÖSUNG“ zu finden. Mein Appell dient der Ebne, das Bewusstsein an – zu tragenen Verantwortlichkeit jeden Einzelnen zu animieren. Streiten bringt nichts, – sonderen eher zu zeigen – dass man „ZUSAMMENHÄLT“ und damit fair umzugehen versteht.

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  • Manfred Hartmann

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    Habe ich falsch gelesen, aber in diesem Artikel beklagt sich niemand direkt, dass die Stadt nicht mit ihm gesprochen habe? Es wird berichtet,die Stadtverwaltung habe mit den Betrofffenen das kontrollierte Betreten vereinbart? Gibt es konkrete Versäumnisse, die man benennen kann?

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