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"Porco dio" – am Rathausplatz muss was passieren!

"Unser schiefer Turm von Pisa", klagt Valerio Panareo (Alimentari, Rathausplatz Unna

„Unser schiefer Turm von Pisa“, klagt Valerio Panareo:

Vom apart mediterranen Gastraum fällt der Blick auf den windschiefen  Laternenmast draußen auf dem grauen Platz; die Szenerie erinnert an den schiefen Turm von Pisa, doch auf solche italienischen Momente kann auch ein italienischer Gastronom gut verzichten. Bei einer Tasse Cappuccino macht Valerio Panareo, Betreiber des  Feinkostgeschäfts Alimentari im Rathaus, seinem Herzen Luft.

Was geht Ihnen beim Blick über den Rathausplatz so durch den Kopf, Herr Panareo?

Valerio Panareo: Zunächst mal muss ich sagen, dass ich mich wohl fühle – relativ  wohl –  in Unna. Unna ist und bleibt meine Heimat, ich lebe hier seit 1980. Zum Rathausplatz, fragen Sie? Ja, dazu hätte ich in der Tat einiges zu sagen.

Schießen Sie los.

Panareo:  Ich bin ja kein Mensch, der, um keinen Ärger zu bekommen, seine Klappe hält. Also, ich frage jetzt Sie mal: Was sehen Sie draußen?

alimentari panareo 2Ein schmucklose graue Pflasterfläche mit ein paar kahlen Bäumchen am Rand… ein Bus fährt gerade vorbei. Der Springbrunnen in der Mitte hat jetzt im Winter natürlich nichts zu sprudeln… alles eher öde. Ziemlich viele Passanten laufen hin und her, bleiben aber nicht stehen. Ja, und im direkten Blickfeld steht eine Laterne, windschief – der Schirm fehlt.

Panareo: Unser schiefer Turm von Pisa.  (lacht grimmig). Diese Straßenlampe ist seit neun Monaten kaputt. Niemand repariert sie. Das ist symptomatisch für den ganzen Platz hier.

Der Reihe nach: Was stößt Ihnen – und ich denke nicht nur Ihnen – hier am Eingangsbereich zur Fußgängerzone besonders auf?  

Panareo: Als Empfangsbereich ist der Platz absolut uneinladend. Mir hat gerade in der Adventszeit wieder eine Einbeziehung in den Weihnachtsmarkt gefehlt. Die ganze Fußgängerzone rauf und runter die Buden, der Alte Markt voll davon und wir hier unten abgeschnitten. Auch der Wochenmarkt läuft an uns vorbei. Wieso verlegt man ihn nicht wenigstens zeitweilig auf den Rathausplatz?

Gegenfrage: Wieso schließen sich die Gastronomen und Geschäftsleute hier im Rathausumfeld nicht zusammen – ähnlich wie an der Wasserstraße – und machen mal ordentlich Druck bei der Stadt? Der Weg ins Rathaus ist von hier ja denkbar kurz.

Panareo: Man müsste sich zusammenschließen. Es gibt aber zwischen den Geschäften im Rathaus keine Kontakte. Man ist deshalb immer Einzelkämpfer, das macht es schwierig. Verbesserungen bei der Verwaltung durchzusetzen  ist so allein immer eine sehr langwierige Geschichte.

Sieht die Verwaltung denn nicht selbst, dass hier am Rathausplatz einiges im Argen liegt? Sie hat ihn schließlich täglich mindestens acht Stunden direkt vor Augen? 

Panareo: Das ist es ja gerade, was mich so traurig und auch wütend macht. Der Platz wird offenbar von der Verwaltung als reiner Durchgangsplatz gesehen. Er ist trist, deprimierend, hat kaum Aufenthaltsqualität – im Winter gar keine – und ist mangelhaft beleuchtet. Für die Kunden absolut nicht einladend.

Was sagen Ihnen Ihre Kunden?

Panareo: Sie fühlen sich nicht direkt als Kunden zweiter Klasse, das kann man nicht sagen, doch unseren Kunden hier im Alimentari ist es schon massiv aufgefallen, dass im Gegensatz zur Massener Straße – wo richtig interveniert wurde, wo massiv was gemacht wurde – man diesen Bereich komplett vergessen hat.

Was antworten Sie den Kunden?

Panareo: Ganz ehrlich? Dass ich denke wie sie. Ich fühle mich hier komplett verlassen. Unna bleibt, trotz einiger Leerstände derzeit, immer noch eine sehr interessante Einkaufsstadt. Mich ärgert es deshalb umso mehr, dass die Leute den Rathausplatz nicht sehen und uns nicht die Chance geben, zu zeigen, was wir haben. Wir haben hier ein Feinkostgeschäft, eine Eisdiele, einen Frisör, ein Restaurant, ein Weinfachgeschäft, eine schöne! Schneiderei… aber wir haben keine Lobby. Überall in der City wird investiert, die Massener Straße ist zum Schmuckstück geworden, der Alte Markt kann machen, was er will – mehr Tische für Außengastronomie z. B.: kein Thema, aber hier wird penibel drauf geguckt. Porco dio, mir geht das auf die Nüsse! Dass alle bevorzugt werden!

Das „porco dio“ übersetzen wir mal nicht… Wie erklären Sie sich die offensichtliche Vernachlässigung des Rathausumfeldes? Es ist immerhin Empfangsbereich der nordöstlichen Innenstadt, bzw. sollte es sein…

Panareo: Ich kann es mir eben nicht erklären. Normalerweise müsste doch auch jeder Hausherr hier darauf epicht sein, dass es seinen Mietern gut geht. Es fehlt hier sowohl der Zusammenhalt wie auch der Wille der Stadt, etwas zu verändern. Dabei wimmelt es hier von Menschen. Panareo fragt sich schon seit Jahren, ob man vielleicht einfach nicht will, dass Kunden diesen Bereich beleben. Vielleicht ist es ja gar nicht erwünscht?

Ihr persönlicher Wunsch – fürs neue Jahr?

Panareo: Ich wünsche mir für die kommende Saison ab dem 1. Januar 2014, dass man uns wahrnimmt.

Konkrete Vorstellungen, wie das bewerkstelligt werden könnte? 

Panareo: Alles ist geeignet, was diesen Platz belebt: kleine Matinees, kleine Konzerte… ein mediterraner Abend vor dem Rathaus… eine Außengastronomie mit der Möglichkeit, hier etwas anzubieten, was nicht alltäglich ist. Ich möchte aber erstmal das Signal haben, ob es überhaupt erwünscht ist.

Und wenn dieses Signal nicht kommt?

Panareo: Dann wird Panareo als Nächstes eine Adressänderung beantragen: in „Friedhofsplatz“ oder „Zur Gruft“.

– Das Interview führten Silvia Rinke und Frank Kuhlmann.

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