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Plötzlicher Freiblick an Ortsdurchfahrt Frömern: Altes Lehrerhaus war nicht mehr zu retten

Ruck-zuck ging das. Binnen eines Tages war das Lehrerhaus aus dem 19. Jahrhundert nur noch ein säuberlich sortierter Berg von Steinen, Holz und Sand: In Frömern an der von-Steinen-Straße, direkt an der Durchfahrtsstraße zwischen Unna und Fröndenberg, tut sich seit Mittwoch ein beachtlicher und ungewohnter Freiblick auf.

Eine riesige leere Fläche gähnt direkt an der Ortsdurchfahrt zwischen Fröndenberg und Unna; vis a vis zur evangelischen Johanneskirche, wo tags zuvor noch das frühere Frömerner Lehrerhaus den Ortskern prägte.

Heiner Lange

Heiner Lange, Vorsitzender des Heimatvereins Frömern.

„Das Haus war nicht mehr zu retten“, weiß Heiner Lange, der als Vorsitzender des Heimatvereins Frömern die Entwicklung seit dem Verkauf des 1877 errichteten Altbaus aufmerksam verfolgt hatte. „Jetzt sieht man erst, wie riesig das Grundstück ist.“

Über 1100 Quadratmeter misst es und war zuvor eben vom ehemaligen Lehrerhaus dominiert, das mit 145 Quadratmetern Wohnfläche und umfangreichen Nebenräumen, ehemaliger Tenne und Ställen schon eine Herausforderung für ambitionierte Handwerker gewesen wäre. Lange: „Ich bin selbst Handwerker. Aber an dieses Haus hätte ich mich nicht rangetraut.“

In der langwierigen Verkaufsphase, die sich über eineinhalb Jahre hinzog, wurde zweimal der Preis gesenkt, und Immobilienmakler Siegfried Horn aus Unna sprach schon damals den „sehr hohen Renovierungsstau“ an. Diesen kann Heiner Lange aus eigener Anschauung nur bestätigen. “ Die nördliche Giebelseite entlang der Fensterlinien war von oben bis unten durchgerissen. Dämmung, Isolation, Elektrik, komplett alles hätte neu gemusst.“ Das sprichwörtliche Fass ohne Boden also, worüber sich die neuen Eigentümer aber durchaus im Klaren gewesen seien, weiß Heiner Lange. „Von Anfang an stand Abriss als Option dem Erhalt des Hauses gebenüber.“

Lehrerhaus Abriss

Das riesige, über 1100 Quadratmeter große Grundstück bietet Platz für mehrere Häuser.

Ein Fall für den ambitionierten Handwerker, urteilte in der Vermarktungsphase Makler Horn. Das Lehrerdomizil von 1877 sei vom Zahn der Zeit benagt, innen wie außen. So war der Verkaufspreis noch unterhalb des Grundstückswerts angesetzt. Maßstab war der Bodenrichtwert, der in Frömern bei 150 Euro pro Quadratmeter liegt. Das hieß von Anfang an: eventuell Abriss und Neubau.

Das Lehrerhaus stand nicht unter Denkmalschutz. Aus Sicht des Immobilienmaklers auch genau richtig so: Falsch verstandener Denkmalschutz, unterstrich Horn, habe schon so manchen privaten Eigentümer in den Bankrott getrieben. Man müsse sich nicht wundern, wenn solche Immobilien verrotteten, denn „das kann kein normaler Mensch mehr bezahlen. Ein paar Steuervergünstigungen, das war´s.“

Nun ist auch aus Sicht des Frömerner Heimatvereins „die gescheiteste Lösung“ gewählt worden, bilanziert der Vorsitzende. „So schade es ist um das Haus selbst – aber so war es am vernünftigsten“, nickt Heiner Lange. Auf „diesem Riesengrundstück“ mitten im Ortskern von Frömern könnten nun locker vier bis fünf neue Häuser errichtet werden. Wobei Lange einschränkt: „Ich habe keine Kenntnis, was die Besitzer jetzt vorhaben.“

Wer im 19. Jahrhundert Lehrer war und in Frömern lehrte, spielte meist auch die Orgel und wohnte naheliegend deshalb im Lehrer- und Organistenhaus direkt gegenüber der Kirche. Als Lehrer war man damals Respektsperson, genoss hohes Ansehen auch außerhalb der Schulstube und galt im Dorfleben als Patriarch von hoher Bedeutung. Wie sich die Zeiten ändern, so gibt es in Frömern keinen dort lehrenden Lehrer und auch keine Schule mehr, aber es gab noch das Lehrerhaus – bis Mittwoch. Jetzt ist es weg.

 

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