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Pirat Tetzner: „Zuschuss für Lindenbrauerei subventioniert nicht die Kultur, sondern die Gastronomie“

„Durch den städtischen Zuschuss für die Lindenbrauerei subventioniert der Steuerzahler nicht die Kultur, sondern die Gastronomie.“ So drastisch formuliert es der fraktionslose Rats-Pirat Christoph Tetzner. Dem langjährig erfahrenen Industriekaufmann und kaufmännischen Leiter stehen nach der gründlichen Begutachtung des Wirtschaftsplans der „Linde“ gelinde die Haare zu Berge.

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Pirat Christoph Tetzner.

Denn: Schwarze Zahlen stünden nur deswegen hinter den Teilbereichen des Kulturzentrums – vor allem hinter dem Gastronomiebetrieb – , „weil die Allgemeinkosten nicht entsprechend auf die Sparten verteilt wurden“, so Tetzner.“ Unter den allgemeinen Kosten (Gesamtsumme: 1,1 Mio Euro) tauchen im Wirtschaftsplan beträchtliche Ausgaben auf: für Verwaltung und Buchhaltung (rund 50000 Euro), Betriebskosten (60000 Euro) – und vor allem Personalkosten.

Dieser mit Abstand größte Kostenblock schlägt im Wirtschaftsplan 2015 mit 310 000 Euro zu Buche. Und Personal brauche man ja nun vornehmlich im Gastronomiebereich, argumentiert Tetzner.

Kam es also doch der Wahrheit zumindest nahe, als Besucher der letzten Kulturausschusssitzung im alten Jahr kritisierten: Die Kulturzentrums-Geschäftsführung lasse sich vom Steuerzahler „soziokulturelle“ (sprich niedrige) Getränkepreise subventionieren? Doch auch für Christoph Tetzner lassen die Zahlen letztlich keinen anderen Schluss zu.

Lässt man die Million für allgemeinen Kosten unberücksichtigt, schreibt die Gastronomie der Lindenbrauerei durchaus Gewinne. Kosten von 422 000 Euro stehen im kalkulierten Wirtschaftsplan für dieses Jahr 490 000 Euro Einnahmen gegenüber.

Das liest sich gut, bestätigt Tetzner, „doch addiert man die Personalkosten dazu, macht die Gastronomie eben keine Gewinne mehr, sondern rutscht in die roten Zahlen.“ Damit würde die Stadt Unna faktisch mit dem Geld ihrer Bürger einen gastronomischen Betrieb subventionieren. Eine zumindest fragwürdige Vorstellung.

Die Veranstaltungen – Konzerte, Comedy, Kabarett – sind (wie schon berichtet) komfortabel einträglich: Ausgaben von 212000 Euro stehen in der Prognose dieses Jahres 305000 Euro Gewinn gegenüber.

Bleibt die Frage im Raum stehen, ob es statthaft ist, dass eine Kommune einen Gastronomiebetrieb mit Steuergeldern sponsort.

Der interfraktionelle Arbeitskreis Kultur wird sich bei seiner Zusammenkunft am 27. Januar wohl nun auch mit dieser Frage beschäftigten müssen, bevor er über die beantragte Zuschusserhöhung für die „Linde“ von 70 000 Euro im Jahr beschließt. Jährlich müsste das Kulturzentrum damit knapp 270 000 Euro von der Stadt erhalten. Christoph Tetzner sieht es als seine Pflicht als Ratsvertreter an, die anderen Fraktionen sowie die Verwaltung über die Bedenklichkeit dieses Wirtschaftsplans aufzuklären. „Das ist Betrug am Steuerzahler“, findet er. „Und wir als Ratsmitglieder sind Hüter des Steuersäckels. Also sollten wir auf die Taler aufpassen.“

 

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