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O´zapft is zum Oktoberfest: Unna im weißblauen Wiesn-Fieber

 

Die Wiesn sind nah an diesem Einigkeitswochenende, ja sapperlot ganz kruzitürkenfix nah. Jedenfalls weiß man in Unna, was die Stunde geschlagen hat, wenn der Bürgermeister den Haupt- und Finanzausschuss (zweitwichtigstes Entscheidungsgremium nach dem Rat)- mit einem – zugegeben etwas gequält wirkenden – „herzlichen Grüß Gott“ eröffnet.

Als braver preußischer Beamter macht sich Werner Kolter den weißblauen Zirkus in seinem Hansestädchen gottlob nicht zu Eigen, gleichwohl das Hallodri in beängstigender Nähe zum Rathaus ausgebrochen ist – sozusagen in Brezn-Weitwurfnähe. Dort am Bahnhof steht seit Donnerstag das Bayernzelt, das den Unnaern mit johlender Gaudi und klirrenden Maßkrügen zum zweiten Mal nach 2013 die Wiesn ersetzt. Drei Tage (und Nächte) im weißblauen Rausch. Dafür haben sich propere Unnaer Madels eigens auf der Kö in Düsseldorf mit Dirndln ausstaffiert, und zu durchaus noch früher Stunde darf man drinnen im Zelt bei muckelig (geschätzten) 35 Grad kernige Unnaer Mannsbilder in strammen Lederhosen besichtigen, die buchstäblich auf den Tischen tanzen; Schuhplattler übrigens. Na sakra!

Nur ein knappes Stündchen zuvor hat sich Unnas Bürgermeister im Ratssaal (sprich: breznweitwurfnah) dazu bemüßigt gefühlt, sein „herzliches Grüß Gott“ eiligst an eine verdächtig entschuldigend wirkende Begründung zu docken: „Das Bayrische“ sei „seit heute Mittag“ halt „Amtssprache in Unna“. Dem muss man sich als Bürgermeister beugen, man muss aber auch nicht alles gutheißen, was das Volk gut findet, setzt er stumm (aber eindeutig) hinzu.

Immerhin wissen auch die bayernaffinen Ratsvertreterinnen und -vertreter im Saal, wie man sich im Haupt- und Fiananzausschuss zu benehmen und zu kleiden hat. Kein Dirndl, keine Lederhose. Dem Hergott sei´s gedankt. Als einzige vielleicht hat sich Bärbel Risadelli, Fraktionsgeschäftsführerin der SPD, in keck knallrote Schuhe gewagt, dieses modische Wagnis lässt sich jedoch mit der Parteifarbe rechtfertigen. Insgesamt herrscht in breiter Übereinstimmung Etikette: die Herren überwiegend in Schlips und Kragen, die Damen überwiegend in dezentem Business-Chic. Dabei kann man sich zum Beispiel die Gattin des FLU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Göldner grundsätzlich hervorragend im feschen Dirndl vorstellen, doch Sarah Göldner winkt eiligst ab – sie entflieht dem Wiesn-Trubel mitsamt dem Gatten ins Rosamunde-Pilcher-Land, nach Cornwall. Lieber im Linksverkehr untergehen als in weißblauen Wimpeln ertrinken lautet offenbar das Freie Wähler-Motto an diesem Wochenende, an dem Unna gleich von zwei Seiten in der Bayernzange steckt: Heute und morgen, also am Samstag, tobt noch die Gaudi im Zelt am Bahnhof (praktisch ausverkauft sind beide Abende – es gibt aber, so versicherte Wirte-Chef Heinz Glade am Eröffnungsabend, an der Abendkasse noch Stehplatzkarten). Und morgen, also Samstag, schmeißt sich zusätzlich noch Massen ins Getümmel und stürmt den Festsaal Deifuhs. Hier ersetzt ein kleineres, aber immerhin!, Oktoberfest die weißblaue Sause aus 13 früheren Jahren bei Opel Jonas; im vorigen Jahr war Totalausfall, das will man aber nie wieder, Kruzitürken!

Das Bayernzelt am Bahnhof ist dreimal bis unters Dach ausverkauft. Macht dreimal 800 westfälische Bayernmadels und Bayernjungs und die meisten davon tatsächlich stilecht in Ledertrachten und duftigen Dirndln. Allerhand im Borussenland. Zünftig Musi macht dazu die Kapelle „Notenhobler“, die, so versichert der Veranstalter, aktuell auf Oktoberfesten schwerpunktmäßig im asiatischen Raum (!) der wahre Renner ist. Tja, offenbar nicht nur im asiatischen Raum, denn, wie gesagt: Schon zur herrgottszeitenfrühen Stunde knapp nach 20 Uhr tanzten die ersten Unnaer Mannsbilder in stammen Lederhosn hemmungslos den Maßkrug schwingend auf  Holztischen Schuhplattler.  Ozapft is!

Parken beim Oktoberfest: Tiefgarage Neumarkt, samstags bis 2 Uhr früh; Parkhaus Massener Straße: ein Stück zu laufen, ca. 15 Minuten zum Bahnhof, dafür aber rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche geöffnet.

Sonderöffnungszeiten: auf die Aushänge achten oder anrufen:
Tiefgarage Neumarkt:  02303 2001-141
Tiefgarage Bahnhof:  02303 2001-142

 

 

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