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Opfer der Justiz? Schmülling und die Hasch-Plantage

Ulrich Schmülling im Prozess am Dortmunder Landgericht im April 2012

Ulrich Schmülling im Prozess am Dortmunder Landgericht im April 2012 (Foto: Ulrike Faulhaber)

Erinnert sich noch jemand an Ulrich Schmülling und die Haschisch-Plantage im Keller seiner Villa an der Hammer Straße in Kamen? Über ein Jahr ist es jetzt her, dass er wegen Drogenhandels im großen Stil zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Heute bekam der 52-jährige Unternehmer und Musikverleger noch mal seinen „großen Auftritt“ in einem 20-minütigen Radio-Beitrag auf WDR 5. Darin präsentiert er sich vor allem als Opfer der Justiz.

Von der Hanfplantage im Keller nichts gewusst

Razzia in der Villa des Kamener Unternehmers. (Foto: Ulrich Bonke)

Razzia in der Villa an der Hammer Straße. Die Polizei beschlagnahmte unzählige Cannabis-Pflanzen (Foto: Ulrich Bonke)

Eins muss man Ulrich Schmülling lassen. Seit seiner Verhaftung im Jahr 2011 verteidigt er konsequent seinen Standpunkt, von der Hanfplantage, die drei Jahre lang von einem seiner Mitarbeiter in der Tiefgarage seiner Villa betrieben worden sein soll, habe er keine Ahnung gehabt. Weder die beschlagnahmte Buchführung über Einnahmen und Ausgaben mutmaßlicher Drogengeschäfte, nachweislich in Schmüllings Handschrift notiert, noch das Angebot einer verkürzten Haftzeit konnten den Musikverleger bisher dazu veranlassen, sich schuldig zu bekennen.

Schmülling beteuert seine Unschuld

Im Radio-Beitrag auf WDR 5 beteuert Ulrich Schmülling seine Unschuld, präsentiert sich vor allem als Opfer der Justiz und fühlt sich „seelisch, psychisch und materiell“ misshandelt. Denn die Zerschlagung der Drogenplantage in seinem Haus hat auch seinen Musikverlag ruiniert. Die Beschlagnahmung sämtlicher Unterlagen und Equipment habe die weitere Arbeit im Verlag unmöglich gemacht, schildert Schmülling im Beitrag.

„Andere hätten längst Suizid verübt“

Ulrich Schmüllings Villa an der Hammer Straße in Kamen (Foto: Ulrich Bonke)

Ulrich Schmüllings Villa an der Hammer Straße in Kamen (Foto: Ulrich Bonke)

Andere hätten in solch einer Situation längst Suizid verübt, hört man Schmüllings Stimme, unterlegt mit melancholischer Klaviermusik. Und weiter: „Wenn ich mir überlege, dass jemand zehn Jahre seines Lebens, das er bis dahin 50 Jahre lang völlig einwandfrei verlebt hat, für so einen Blödsinn, für so ein Kraut in Verwahrung geht, ist das eine Ungeheuerlichkeit.“

Hochsicherheitstrakt in Köln

Zwei Mal spricht der Radioreporter den Kamener Unternehmer und Verleger. Das erste Mal in der JVA Wuppertal, wo er Schmülling als den elegant und eloquent auftretenden Mann erlebt, wie er schon in den Gerichtsverhandlungen auftrat. Ein zweites Mal trifft er ihn nach Schmüllings Verlegung in den Hochsicherheitstrakt der Kölner JVA Ossendorf, wo schon RAF-Mitglieder und jüngst Beate Zschäpe einsaßen. Die zehn Monate, die Schmülling dort verbrachte, haben Spuren hinterlassen, sagt der Reporter. Das Kämpferische, das er noch bei seinem ersten Besuch erlebte, konnte er bei dem Kamener nicht mehr feststellen.

Revision wurde abgewiesen

Auch die Revision, die Schmülling beantragt hatte, ist inzwischen abgewiesen worden. Derzeit sitzt der 52-Jährige in der JVA Schwerte, angeblich unter besseren Haftbedingungen als in Köln.

Was man von Ulrich Schmülling, seinem Auftreten und seinen Unschuldsbeteuerungen halten soll, da ist am Ende auch der WDR 5-Reporter ratlos. Diese Ratlosigkeit bringt das Zitat, das zu Anfang des Beitrags der Abteilungsleiter der JVA Wuppertal liefert, ganz gut auf den Punkt: „So einen hatten wir hier noch nicht.“

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