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Ob Ärzte, ob Kirchenlied: (Fast) alles kann Gospel sein

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„Hey! Ho! I belong with you, you belong with me you’re my sweetheart, you belong with me you’re my sweet – Ho!“ So mitreißend kann Gospel klingen und so modern. Ja, wie hier von den Lumineers.

„Überwältigend!“, staunten die Sängerinnen und Sänger zunächst aber mit offenen Mündern, und manche strahlten mit der faszinierenden Kirchenillumination an diesem besonderen Abend um die Wette: Denn voller hätte  man sich Paul-Gerhardt-Kirche nicht vorstellen können als zum ersten Abend füllenden Konzert der „Sunlight Voices“, dem Gospelchor der Kirchengemeinde Königsborn unter Leitung von Sarah Seeger mit derzeit 47 Sängerinnen und Sängern. Bis in den Eingangsraum stauten sich die Besucher zurück, während eineinhalb Stunden lang Gospels in allen erdenklichen Varianten das Kirchenschiff schwingend und klingend füllten.

20 unterschiedliche Stücke

20 unterschiedlichste Stücke, vom Gospelklassiker über  Gospelballaden bis zum traditionellen Kirchenlied, das zur Abwechslung auch mal im bunten Gospelgewand daher kommen darf: „Lobet den Herrn“ hat man jedenfalls selten so „swingin´“ in einer Kirche gehört.

Wieso außerdem nicht mal die Charts nach Gospeltauglichem durchforsten? „Auch hier findet sich die frohe Botschaft“, erklärte Sarah Seeger, und einstudiert hat sie der Jugendchor im Gospelchor, acht junge Mädchen: die „Soul Teens“. „Applaus Applaus“ von den Sportfreunden Stiller eignet sich zum Beispiel prächtig für eine Adaption, lässt sich der Text doch eins zu eins auf Gott übertragen: „Applaus Applaus für deine Worte… für deine Art, mich zu begeistern, ich wünsch mir so sehr, du hörst niemals damit auf!“ Sie können auch kritisch, die Soul Teens.

„Diese jungen Mädchen sind nicht leise“, unterstrich Sarah Seegner, und kraftvoll-energisch sangen die Soul Teens den kritischen Hit der Ärzte: „Es ist nicht deine Schuld, dass die du so bist, es wär nur deine Schuld,wenn sie so bleibt!“ Dieses Lied, komplett mit Kraftausdrücken und gellendem „Nein!“ dazwischengerufen, ist alles andere als brav; doch umso lauter donnerte der Applaus und erschallten „Bravo!“-Rufe.

Lautes „Bravo!“ und Applaus, Applaus spendierten die begeisterten Zuhörer natürlich auch den „Sunglight Voices“ selbst, die  („wir entwickeln uns ja weiter“) inzwischen schon mit einigen viel versprechenden Solistinnen aufwarten können. Eindringlich und mit großer Ausdruckskraft sang Doris Schubert das melancholische „Sometimes I feel like a motherless child“,  verhalten begleitet von Gitarre und Tuba (!); und ihr „a long, long way from home“ kam tief, so getragen und satt aus dem Bauch heraus,  dass man kaum nachvollziehen konnte, wie diese zarte Person ein solches Stimmvolumen produziert.

„Applaus Applaus“, die frohe Botschaft aus den Charts, gab´s am Ende überreich im leuchtend rot, blau und orange (passend zu den Schals des Chores) illumninierten Kirchenschiff. Das erste Abend füllende Konzert der „Voices“, dem –  mit Sicherheit – weitere folgen.

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